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23. Dezember 2010
Gottenheim braucht Fläche
Verwaltungsverband startet Verfahren für Supermarktfläche / Bedenken aus Bötzinger Sicht.
EICHSTETTEN/GOTTENHEIM. Nach einer längeren Beratung hat der in Eichstetten tagende Gemeindeverwaltungsverband Kaiserstuhl-Tuniberg Anträgen zur Änderung des Flächennutzungsplans und zu Änderungen am Regionalplan zugestimmt. Sie betreffen die bei Gottenheim geplante Ansiedlung eines Netto-Supermarkts. Kritische Fragen dazu gab es von Seiten der sechs Bötzinger Vertreter in der Verbandsversammlung, die sich bei der Abstimmung dann enthielten.
Da die je drei Vertreter Eichstettens und Gottenheims zustimmten, gab es in der Versammlung, der auch die drei Bürgermeister angehören, eine Mehrheit für die Anträge. Sie sehen vor, dass in einem bisher für Gärten und Landwirtschaft genutzten Gebiet direkt nördlich der Bahnlinie nach Breisach und westlich der Landesstraße nach Bötzingen, vor dem heutigen Gottenheimer Ortseingang gelegen, ein Supermarkt gebaut werden soll. Als Interessent für die über einen halben Hektar große Fläche steht die zu Edeka gehörende Kette Netto fest, die hier einen Markendiscounter mit einer Verkaufsfläche von knapp 800 Quadratmetern ansiedeln will. Hinzu kommen Nebenräume sowie ein Parkplatz mit 77 Stellplätzen.Werbung
Gottenheim brauche eine Nahversorgung mit einem Lebensmittelmarkt, begründete Bürgermeister Volker Kieber das Vorhaben. Das jetzige Angebot – derzeit gibt es zwei Bäckerläden, einen Metzger, einen Gemüseladen und einen kleinen, aber noch neuen Dorfladen im Zentrum – decke den Bedarf nicht, der durch das erwartete Wachstum der Gemeinde von unter 2500 Einwohner im Jahr 2008 auf über 3000 Einwohner in den nächsten Jahren noch steigen werde. Überlegungen, im oder beim Bahnhof noch einen kleineren Laden einzurichten, hätten sich zerschlagen, sagte Kieber. Handelsketten wie jetzt Netto würden nur einen genügend großen Standort annehmen.
Stadtplaner Bernd Fahle und Landschaftsarchitekt Horst Dietrich erläuterten, wie es zu dem nun auserkorenen Standort kam. Der Bolzplatz im Ort sei zu klein, zumal dort Parkplätze auf der anderen Seite der Bahnhofstraße angelegt werden müssten. Ein Platz neben dem Gewerbegebiet Nägelsee, hinter dem Bahnhof, sei verkehrlich nicht sinnvoll anzuschließen. Mehr Chancen hatte eine Fläche in der Riedkurve der Kreisstraße nach Wasenweiler. Diese Fläche läge aber weitab vom Ortskern und zudem landschaftlich sehr exponiert. Auch dieser Standort käme, wie der nun gewählte, in den regionalen Grünzug zu liegen. Als ökologische Ausgleichsfläche soll die Obermatt zwischen Umkircher und Waltershofer Straße ausgewiesen werden.
Die Zufahrt zu dem Markt soll von der Landstraße nach Bötzingen aus erfolgen, entweder kurz, nachdem diese die Bahnlinie nach Breisach überquert, oder ein Stückchen weiter gegenüber der jetzigen Einfahrt zu einem Landmaschinenhandel. Das hätte, den Vorteil, meinte Fahle, dass man dort eine richtige Kreuzung anlegen könnte. Da die Landesstraße ab hier in Richtung Bötzingen auf die Ostseite der Kaiserstuhlbahn verlegt wird, könne man die Zufahrt zu dem Supermarkt gleich passend dazu planen.
Für die Bötzinger Verbandsvertreter meinte Bernd Belle, die jüngste und die noch beabsichtigte Ausdehnung des Gewerbegebiets sowie das neue Wohngebiet gingen über den Bedarf Gottenheims für seine Eigenentwicklung hinaus. Gottenheim habe sich auch mit der Sportplatzverlegung schon in Schutzgebiete hinein ausgedehnt und umgekehrt von Bötzingen Ausgleichsflächen für den Bau der B 31 in Anspruch genommen, weil es selbst zu wenig Flächen habe. Da erstaune es, wenn nun doch, für einen neuen Eingriff, doch noch eine Ausgleichsfläche gefunden werde. Man stelle in Bötzingen die Frage nach dem Hochwasserschutz wegen der Flächenversiegelung, aber auch, wie weit sich Gottenheim noch in Richtung Bötzingen entwickeln wolle.
Der Gottenheimer Heinz Nikola und Volker Kieber entgegneten, dass die ganze B 31 auf Gottenheimer Gemarkung verlaufe und darum die kleine Gemeinde nicht auch noch alle Ausgleichsflächen alleine haben aufbringen können. Gottenheim habe inzwischen Siedlungscharakter, weil es günstig an der Entwicklungsachse von Freiburg nach Breisach liege. Die Entwässerung der Fläche werde man in einem Mulden-Rigolensystem vor Ort vornehmen, so dass kein Tropfen mehr in den Mühlbach Richtung Bötzingen fließe.
Der 1995 im Regionalplan ausgewiesene Grünzug wird bereits durch die Ausbauspitze des Gewerbegebiets angeschnitten. Für den neuerlichen Eingriff muss nun der Verband ein Zielabweichungsverfahren beantragen, das vom Regierungspräsidium, nach Anhörung des Regionalverbands, zu entscheiden ist.
Autor: Manfred Frietsch
