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02. August 2010

Gottenheim prüft ein Bildungshaus

Gemeinde könnte sich für eine Verbindung von Kindergarten und Grundschule bewerben / Spielen und lernen.

  1. Die Gottenheimer Schule könnte bald auch Platz für Kindergartenkinder bieten, wenn die Gemeinde die Genehmigung für ein Bildungshaus erhalten sollte. Foto: mario schöneberg

GOTTENHEIM. "Wir wollen das Bildungshaus und werden die Vorbereitungen auch in der kurzen Zeit schaffen", betonte die Gottenheimer Schulleiterin Judith Rempe bei einer Informationsveranstaltung zur Bewerbung von Grundschule und Kindergarten für ein vom Land gefördertes "Bildungshaus 3-10". Zu ihr kamen rund 80 interessierte Bürger in die Schulhalle.

Seit 2007 gebe es in Baden-Württemberg an 33 Standorten Bildungshäuser, in denen Grundschul- und Kindergartenkinder zu bestimmten Zeiten gemeinsam spielen und lernen, erläuterte Alexandra Mangold von der Arbeitsstelle für frühkindliche Bildung beim Schulamt Freiburg. Zum Februar 2011 soll es nun 70 weitere solcher Einrichtungen geben, die vom Land mit zwei zusätzlichen Deputatsstunden je altersübergreifende Lerngruppe gefördert werden. Hierfür müssten sich die Gemeinden aber bis zum 8. Oktober beim Kultusministerium bewerben und auch ein pädagogisches Konzept vorweisen, erläuterte Mangold, die auch als Lehrerin an der Merdinger Grundschule tätig ist. Weiterhin erwarte das Ministerium einen Zeitplan für die anstehende Kooperation, in dem erste Meilensteine konkret aufgezeigt werden sollen.

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Die Grundsätze der Bildungshäuser liegen in der Freiwilligkeit aller Beteiligten, beim Verzicht auf zusätzliche Ausstattung und einer bereits begonnenen funktionierenden Kooperation von Kindergarten und Grundschule. Einzügige Grundschulen und solche, die wie Gottenheim auf eine Hauptschule verzichtet hätten, würden besonders berücksichtigt.

Die Leitgedanken des Bildungshauses liegen im gemeinsamen Lernen und Spielen in jahrgangsübergreifenden Gruppen, in denen aber stets das Kind im Mittelpunkt stehen soll. Außerdem sind dem Ministerium eine intensive Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern sowie eine Teambildung zwischen Erziehern und Lehrern wichtig. Die Basis hierfür bilden der Orientierungsplan des Landes für die Kindergärten sowie der Bildungsplan für die Schulen. Dazu kommt eine regelmäßige Beobachtung der Kinder und deren Dokumentation. So ein Bildungshaus könne dabei ganz unterschiedliche Ansätze haben, wie die Pädagogin an vier verschiedenen Beispielen bereits vorhandener Einrichtungen erläuterte.

In Gottenheim selber gebe es bereits ein gutes Miteinander von Kindergarten und Schule, erläuterte Kooperationslehrerin Gisela Mahlau. Ein Vorteil sei auch die dörfliche Struktur am Ort mit sehr engagierten Eltern und einem regen Vereinsleben. Besonders hervorzuheben sei dabei die gemeinsame Dienstagsschule. Daher sehe sie gute Chancen.

Zudem gebe es eine Kernzeitbetreuung und ein Mittagessen, ergänzte Rektorin Rempe. Doch vieles seien noch Einzelaktionen, eine langfristigere konzeptionellere Zusammenarbeit wäre für die Einrichtung mit demnächst 101 Kindern in fünf Klassen wünschenswert. Ohne Förderung könnten sicher einzelne Projekte weitergehen, doch wegen des kleinen Kollegiums nur mit halber Kraft.

Auch im Kindergarten mit seinen fünf Gruppen und ab Herbst 105 Kindern gebe es schon viele alters- gemischte Projekte, auch gemeinsam mit der Schule, erläuterte die Leiterin Etelka Schäuble. Dazu gehörten die Gestaltung von speziellen Lernumgebungen und Bildungsräumen, die Zusammenarbeit mit Beratungs- und Förderstellen und eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern. Besonders die Regenbogenkinder, die im Folgejahr in die Schule kämen, würden systematisch an die Schulzeit herangeführt. Man habe schon vielfältige Erfahrungen mit der Altersmischung und mit der Förderung sozialer Kompetenzen, man sehe im Bildungshaus die Chance, ein ganz auf Gottenheim zugeschnittenes eigenes Konzept zu entwickeln.

Von den anwesenden Eltern gab es auch kritische Nachfragen. So fragte eine Mutter, warum sie, obwohl sie eine Kind im Kindergarten und eines in der Schule habe, die vielen hier vorgestellten Projekte kaum kenne. Hier müsse dringend die Kommunikation verbessert werden. Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber ergänzte, die Einrichtungen könnten – nicht zuletzt wegen des Kindermangels – nur als Einheit dauerhaft in Gottenheim erhalten bleiben. Nach den Ferien soll darüber in den Gremien über eine Bewerbung Gottenheims für ein Bildungshaus beraten und abgestimmt werden.

Autor: Mario Schöneberg