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27. Juni 2009

Gottenheimer Wünsche nicht leicht erfüllbar

Ausdehnung der Gewerbeflächen sowie Weiterbau und Folgen der B 31 West waren Hauptthemen des Besuchs von Landrätin Dorothea Störr-Ritter in Gottenheim

  1. Landrätin Dorothea Störr-Ritter (zweite Person von links) besichtigte bei ihrem Gottenheim-Besuch auch die Baustelle der Firma AHP Merkle, die von March in das Gewerbegebiet Nägelsee umsiedeln wird. Foto: mario schöneberg

GOTTENHEIM. Der Bau der B 31 West, die Vergrößerung der Firma Metallverwertung, neue Firmen im Gewerbegebiet, aber auch die Dorfsanierung und neue Bildungsangebote: In Gottenheim gibt es reichlich Themen und Probleme, über die sich Landrätin Dorothea Störr-Ritter bei ihrem Gemeindebesuch am Donnerstag informierte.

Zu Beginn stellte Bürgermeister Volker Kieber die 2500 Einwohner zählende Gemeinde und die aktuelle Entwicklung vor. Anschließend trug sich die Landrätin ins Gästebuch von Gottenheim ein. Daran schlossen sich ein Besuch bei der Firma Metallverwertung (MVG) und auf der Baustelle der Firma AHP Merkle sowie ein Bürgergespräch an.

Ist die Erweiterung der Firma Metallverwertung inklusive der notwendigen Sportplatzverlagerung genehmigungsfähig, das war einer der wesentlichen diskutierten Punkte. Schließlich werden für die aktuellen Planungen 5000 Quadratmeter geschützter Wald benötigt. "Es gibt kaum ein Gebiet, das weniger geschützt ist, als dieses – das wird sehr schwierig", meinte die Landrätin, nachdem Bürgermeister Kieber ihr die Wichtigkeit der Firma erläutert hatte. Schließlich zahle die MVG mit ihren 110 Arbeitsplätzen rund 60 Prozent der in Gottenheim anfallenden Gewerbesteuer.

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"Ich habe große Bereitschaft, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen", erklärte die Landrätin. Dies könne man aber nicht gegen das Recht machen. Ein großes Problem sei die europäische Vogelschutz- Richtlinie. Da gebe es kaum Handlungsspielraum. Und klar sei auch, der Naturschutz sehe die Sache anders. "Die Frage ist, wollen wir in Schönheit sterben", so die Landrätin. "Wenn wir den ländlichen Raum erhalten wollen, müssen wir auch Angebote für die Menschen hier schaffen, dass sie hier leben und arbeiten können."

Man hänge an Gottenheim, erläuterte MVG-Chef Manfred Leber. Doch man sei für die Zukunft auf die Erweiterung angewiesen. Nur durch die aktuelle Krise habe man etwas Luft bekommen. Immerhin sortiert und handelt die Firma mit Metallen und Schrott für ganz Europa.

Auf die lange Dauer des Verfahrens mitsamt den vielen Gutachten wies Bürgermeister Kieber hin. Verärgert zeigte er sich, dass bei einem ersten Besprechungstermin von der Naturschutzbehörde nur auf die Vögel und Libellen hingewiesen worden sei. Nachträglich seien dann noch Gutachten für Fledermäuse und Laufkäfer gefordert worden, dies habe ein ganzes Jahr Zeit gekostet. Man wolle solche Dinge unbedingt aufarbeiten, betonte die Landrätin. Es sei eines der Hauptthemen der Arbeit des Kreises, Mensch und Natur unter einen Hut zu bekommen.

Der Bau der B 31 und ihre Folgen bewegt auch die Gottenheimer Bürger. Beim Bürgergespräch am Abend im Feuerwehrsaal meldeten sich vor allem Mütter und Vertreterinnen der Bürgerinitiative "GO West" zu Wort und forderten als zeitnahen Schritt einen Fußgängerüberweg mit Ampel über die Bötzinger Straße. Den muss der Kreis genehmigen, was bisher aber wegen zu geringer Zahlen querender Fußgänger nicht geschah. Ähnlich lag der Fall im Nachbarort Wasenweiler, bis dort nach jahrelangem Drängen wegen der Gefährdung der Schulkinder ein Überweg genehmigt wurde.

Da in Gottenheim das Baugebiet Steinacker-Berg einen Zuzug auslöst und der Fußweg zu Schule, Kindergarten und ins Ortszentrum die Bötzinger Straße queren muss, sah die Landrätin die Forderung als berechtigt an. Denn wenn 2011 die B 31 bis zur Bötzinger Straße, der L 115, fertig sein wird, kommt zusätzlicher Verkehr in Richtung Wasenweiler auf die Bötzinger Straße, der bisher durch die Hauptstraße führt. Ob den Überweg aber der Bund zahlen wird – sozusagen als "Verursacher", da er die B 31 baut – oder aber das Land, das könne der Kreis nicht entscheiden, sagte Dorothea Störr-Ritter. Sie wolle aber zusammen mit der Gemeinde auf eine rasche Klärung dringen.

Dagegen machte sie keine Hoffnung, dass es einen Bypass als provisorische Verlängerung der B 31 um Gottenheim herum bis zur Kreisstraße nach Wasenweiler geben werde. Der Bund habe klar gesagt, dass die Fortsetzung der B 31 bis Breisach nur im Ganzen und nicht in Teilen gebaut werde. Darum sei es wichtig, bis 2012 ein Baurecht zu bekommen, damit die Straße in die Finanzierung des nächsten Bundesverkehrswegeplans aufgenommen werde. Sonst, so fügte Bürgermeister Volker Kieber hinzu, verschiebe sich alles bis mindestens 2025.

Zur Forderung, die Zugkapazitäten auf der S-Bahn zu erhöhen verwies die Landrätin auf das Nahverkehrsprogramm für die Zeit bis 2020. So lange müsse Gottenheim aber nicht auf Verbesserungen warten, da bald die Verlängerung der Bahnsteige die erste Voraussetzung für mehr lange Züge schaffen solle. Das Ziel des 15-Minuten-Taktes sei aber an die Elektrifizierung der Strecke gebunden.

Großes Lob sprach Störr-Ritter der Gemeinde für ihr Betreuungs- und Bildungskonzept von Kleinkindern bis zu Grundschülern aus. Der Landkreis unterstütze diesen mutigen Schritt – zu dem auch die Weggabe der Hauptschule an die Bötzinger Schule gehört – mit der Moderation durch seine Jugendhilfe. Überhaupt sei es beeindruckend, wie in Gottenheim unter starker Bürgerbeteiligung auf vielen Gebieten an der Zukunft gearbeitet werde.

Autor: Mario Schöneberg und Manfred Frietsch