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15. Juni 2011
Kein Elektro-Smart im Rathaushof
Gottenheimer Gemeinderat stellt Leasing eines Versuchsfahrzeugs als kommunaler Dienstwagen zurück / Zweifel am Bedarf.
GOTTENHEIM. Soll Gottenheim ein neues, elektrisch betriebenes Dienstfahrzeug für die Gemeindeverwaltung bekommen? Diese Frage beschäftigte den Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, wurde dann aber wegen massiver Bedenken vertagt.
In einem Langzeitversuch stelle die Daimler AG in der Region Firmen und Behörden 15 elektrisch betriebene Kleinwagen des Typs "Smart fortwo" zu subventionierten Leasingkonditionen zur Verfügung, erläuterte Bürgermeister Volker Kieber. Da ein Verantwortlicher des Autoherstellers in Gottenheim wohne, habe dieser auch der Gemeinde angeboten, sich an dem Versuch zu beteiligen. Gemeinden wie Herbolzheim oder Denzlingen würden ebenfalls schon mitmachen, erläuterte Kieber. Die monatliche Leasingrate werde vom Hersteller mit 50 Prozent subventioniert, die Kosten betrügen für die Gemeinde dann noch 350 Euro im Monat inklusive Versicherung, Service und Wartung sowie 60 000 Kilometer Fahrleistung bei 48 Monaten Laufzeit. Nach einem Jahr erwarte der Hersteller dann einen Bericht über die Praxistauglichkeit des Fahrzeugs, das ab dem kommenden Jahr in Serie gehen soll.Werbung
Die Stromkosten für eine Batteriefüllung des bei 100 Stundenkilometern abgeregelten Smart liegen bei zwei Euro, erläuterte der Bürgermeister, damit komme das Auto 135 Kilometer weit. Dass sich das Angebot für die Gemeinde rechne, erläuterte Rechnungsamtsleiter Thomas Barthel, der betonte, dass besonders ortsnahe Dienstfahrten zwischen 20 und 50 Kilometer den größten Teil der anfallenden Fahrten für die Gemeindebediensteten ausmachten. Sie könnten allesamt mit dem neuen Fahrzeug erledigt werden könnten. Für die 135 Kilometer Reichweite müsste die Gemeinde einem Mitarbeiter sonst rund 34 Euro Fahrtkostenerstattung zahlen. Daher könne die Gemeinde mit dem Angebot auch noch Geld sparen. Ein Dienstfahrzeug gerade für Kurzstrecken mache für die vielen Baustellenbesichtigungen, Ortstermine oder Besorgungen Sinn. Der vom Gewerbeverein gestiftete Kabinenroller werde derzeit hauptsächlich vom Schulhausmeister genutzt. Bürgermeister Kieber wiederum verwies auch noch auf die Vorbildfunktion der Gemeinde, so könne man auch im Bereich umweltfreundlicher Mobilität ein Zeichen setzen, nachdem man schon durch die Beteiligung bei der Badenova eine Vorreiterrolle im Bereich der erneuerbaren Energien eingenommen habe.
Während Kurt Hartenbach (FWG) diese Idee für eine "gute Sache" hielt, weil sie umweltfreundlich sei und für die Gemeinde weitestgehend kostenneutral, meinte Wolfgang Streicher (SPD), es rechne sich "bei den wenigen Kilometern nie und nimmer". Die Anschaffung sei daher eine politische Entscheidung, bei der aktuellen Haushaltslage habe er aber Bauchweh. Fraktionskollegin Birgit Wiloth-Sacherer ergänzte, sie finde das Projekt inhaltlich in Ordnung, sei aber nicht bereit, in einer Modellphase so viel Geld zu zahlen. Richtig hohe Fahrtkosten entstünden zudem bei den weiteren Fahrten, die mit dem Smart nicht zu machen seien.
Miriam Engelhardt (Frauenliste) meinte, man habe als Gemeinde Gottenheim nun schon genug Zeichen gesetzt, nun müsse man auch auf den Haushalt achten und die Fahrtkosten genau durchrechnen. Belastbare Daten zu den Fahrtkosten und eine Analyse, ob man überhaupt ein weiteres Gemeindefahrzeug brauche, forderte auch Thomas Barleon (FBL). Bürgermeister Kieber wiederum hielt den monatlichen Leasingbetrag zwar immer noch für sehr günstig – insbesondere da so gut wie keine weiteren Nebenkosten entstehen – und betonte auch die Erleichterung für die Rathausmitarbeiter, erklärte sich aber zu einer genaueren Analyse des Fahraufkommens der Verwaltung bereit, das Thema wurde vertagt.
Autor: Mario Schöneberg
