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28. Oktober 2010

Supermarktpläne

KOMMENTAR: Am Ende bleibt ein Grünfaden

Ausgerechnet in der kleinsten Gemeinde westlich von Freiburg will sich ein Lebensmitteldiscounter ansiedeln. Der Grund für die Standortsuche liegt kaum in Gottenheim selbst, auch wenn die Gemeinde mit ihrem Neubaugebiet seit zwei Jahren wieder wächst. Unter 3000 Einwohner, das war bisher und ist künftig zu wenig, um einem Supermarkt genügend Kundenkaufkraft zu erschließen. Der jetzt ausgeguckte Standort am Ortsausgang Richtung Bötzingen legt andere Schlüsse nahe: Bis in gut einem Jahr wird unweit davon nämlich die von Freiburg kommende B 31 West enden. Der von ihr ab- und auf sie zufließende Verkehr – den Gottenheim bisher immer angeprangert hat – wird zu einem erheblichen Teil just an diesem Platz vorbeiführen und soll die Kundschaft bringen. Das gilt erst recht, wenn man weiß, dass in den beiden nächsten Ortschaften, in Merdingen und Wasenweiler, keine Lebensmittelmärkte existieren und dass in Ihringen vor wenigen Jahren ein Discounter an der Ortsdurchfahrt die Pforten schloss. Nun hat erst im Juni ein Dorfladen im Gottenheimer Ortszentrum geöffnet. Dieser Fortschritt für die Nahversorgung könnte von einem Discounter im Bestand gefährdet werden. Der Discounter aber, soll am Ortsrand liegen, was vor allem älteren Dorfbewohnern, die zu Fuß einkaufen gehen, wenig nützt.

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Unverkennbar ist die wachsende Konkurrenz unter Supermärkten. Das, was Netto nun in Gottenheim plant, hat Aldi in Umkirch vorgemacht, als es frühzeitig an das jetzige Ausbauende der B 31 zog. Inzwischen ist in Eichstetten eine neuer Rewe-Supermarkt in Bau, in Buchheim wird Edeka in einen neuen und größeren Markt umziehen, direkt an die Verbindungsstraße von Gottenheim her. Alle diese Marktansiedlungen setzen also auch maßgeblich auf überörtliche Autokundschaft. Kleinere, innerörtliche Geschäfte werden das Nachsehen haben.

Die geplante Ansiedlung bei Gottenheims greift überdies in einen Grünzug ein und schließt an die Taktik an, mit der das Gewerbegebiet in Richtung auf die künftige B 31 ausgedehnt wurde und weiter werden soll, hier sogar unter Zurückdrängung eines Landschaftsschutzgebiets. Da von Norden her das Bötzingen Gewerbegebiet bis fast an die Gemarkungsgrenze heranrückte, droht die durch die Bundesstraße künftig zerschnittene Landschaftspforte zwischen Tuniberg und Kaiserstuhl zu verstopfen. Der Grünzug wird dann zu einem Grünfaden von kaum einem halben Kilometer Durchmesser ausdünnen. So gesehen müsste es spätestens im Regionalverband ein Veto gegen die Gottenheimer Pläne geben. Oder wird sich wieder einmal der Landschafts- und Flächenschutz als bloßer Papiertiger entpuppen?

Autor: Manfred Frietsch