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05. Dezember 2009
Kompromisslos durch die Reben
Gottenheim und seine Weinberge als Objekt von Fotokunst.
GOTTENHEIM. Ganz oben auf dem Tuniberg, unter den Nussbäumen im Gewann Kriegacker, hat er seinen Lieblingsplatz: Rolf Frei, Berufsfotograf und Autor des neuen Bildbandes "Gottenheim – mit dem Wein durchs Jahr". In der Bürgerscheune stellte er das Werk und dessen Vorgeschichte vor.
Die Entstehung eines Bildbandes sei Vergleichbar mit der Entwicklung eines Kindes von der Zeugung bis zur Geburt, erklärte Rolf Frei den rund 100, etwas verblüfften Zuhörern in der Bürgerscheune. Denn neun Monate habe auch er gebraucht, bis der Bildband nun fertig gestellt sei, berichtete der renommierte Schweizer Fotograf, der in Weil am Rhein lebt und arbeitet. "Letztlich bin ich mit den 96 Seiten sehr zufrieden, es ist eines meiner kompromisslosesten Werke. Die Arbeit hierfür war sehr intensiv, das brauchte etwas länger". Es sei ungewöhnlich, das so ein Buch fast schon ausverkauft sei, bevor es erschienen ist. Von ursprünglich geplanten 1200 Stück wurde die erste Auflage nun auf 2000 erhöht, doch eine Neuauflage sei nicht vorgesehen, betonte der Fotograf. So limitiert habe es einen ganz besonderen Wert.Werbung
Die Geschichte von der Idee des Buches bis zu seiner Realisierung erzählte Martina Strittmatter. Bei einer Buchvorstellung im Februar habe sie, gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard, Rolf Frei kennen gelernt. Sie seien so begeistert von den Bildern gewesen, dass die Idee aufkam, so etwas auch über den Gottenheimer Rebberg in Auftrag zu geben, passend zum 50. Jubiläum der Winzergenossenschaft. Herausgekommen sei nun ein Bildband, gespickt mit "prachtvollen Aufnahmen, die von der Stimmung des Lichts leben und dabei den Betrachter entführen". Gerade der Blick für das Besondere sei Frei eigen, betonte Strittmatter. "Auch die 12 Porträts – stellvertretend für viele – zeigen wie interessant und vielseitig unsere Dorfbewohner sind". Das Buch solle ein Aushängeschild für Gottenheim werden und neugierig machen, Gottenheim neu oder überhaupt zu entdecken.
"Der Bildband hat mich spontan begeistert – es ist ein Schatz entstanden für Gottenheim", betonte auch Bürgermeister Volker Kieber, selbst auf Seite 48 im Buch verewigt. Die Aufnahmen zeigen viel Schönheit im Detail und bewiesen, dass man sich nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen darf.
Launig erzählte Rolf Frei von seinen Erlebnissen in Gottenheim. Immer wieder sei er vor Ort gewesen, habe manchmal stundenlang ausgeharrt, um für ein Motiv das richtige Licht zu bekommen. "Als ich das erste Mal durch die Hauptstraße gefahren bin, war ich nicht so begeistert – was sollte ich hier fotografieren?", erzählte der Fotograf freimütig. Doch schon im Rebberg habe es ihm besser gefallen. Manche Bilder, wie das vom Riedweiher zur blauen Stunde, würden auch mehr wiedergeben, als man dort normalerweise sehe. Viele Bilder seien geplant, manche aber auch ganz zufällig entstanden.
Und immer wieder findet sich im Buch die Begegnung mit Menschen, verschieden wie die Jahreszeiten und doch typisch für Gottenheim. Ob Geschäftsmann, Künstler, Ökowinzer oder Radrennfahrerin – zu allen zwölf Porträts, die liebevoll und doch ehrlich ins Bild gesetzt sind, weiß Frei eine kleine Anekdote. "Das Spezielle hier sind die Menschen, nur mit Landschaften wäre das Buch zwar auch schön, aber doch relativ leer".
Autor: Mario Schöneberg
