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03. März 2009

Krippenkinder brauchen auch Betreuungskonzept

Gottenheim will schon zum Herbst eine Kinderkrippe im Schulgebäude einrichten / Expertin rät von langen Krippentagen ab

  1. Die Gottenheimer Schule soll nach dem Willen des Gemeinderats bald Krippenplätze für Kleinkinder beherbergen. Foto: mario schöneberg

GOTTENHEIM. Einstimmig beschloss der Gottenheimer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, noch in diesem Jahr eine kommunale Kleinkindbetreuung für Kinder zwischen einem und drei Jahre einzurichten. Christel Bollinger vom Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) erläuterte hierzu die gesetzlichen Anforderungen und berichtete von aktuellen Forschungsergebnissen.

Auch wenn ein Rechtsanspruch auf einen Kinderkrippenplatz erst ab 2013 bestehe, halte er eine solche Einrichtung schon heute für unabdingbar, betonte Bürgermeister Volker Kieber. Es gehe darum, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Gottenheim zu gewährleisten. Das Motto "kurze Beine, kurze Wege" sei wichtig für die Gemeinde, nicht zuletzt auch, weil im neuen Baugebiet Steinacker/Berg bevorzugt Familien mit Kindern zum Zuge kommen sollen. Um Planungssicherheit zu bekommen, habe die Gemeinde eine Bedarfsumfrage durchgeführt, berichtete Kieber. Mittlerweile lägen der Verwaltung zwölf verbindliche Anmeldungen vor.

"Das Landesjugendamt legt zwar die Rahmenbedingungen für die Kleinkindbetreuung fest, das beinhaltet aber nur, dass das Kindeswohl nicht gefährdet werden darf", erklärte Christel Bollinger vom Kommunalverband KVJS, die aus Karlsruhe angereist war, um in Gottenheim die Voraussetzungen für eine Krippe zu prüfen und die Ergebnisse dem Gemeinderat vorzustellen. Über die Qualität der Betreuung sagten die Rahmenbedingungen aber nichts aus, obwohl gerade die ersten Lebensjahre für Kinder sehr wichtig seien. Es seien für eine solche Einrichtung verschiedene Betriebsformen möglich, erläuterte Bollinger. Für Gottenheim empfahl sie eine Kleinkindgruppe mit maximal zehn Plätzen, zwei Plätze könnten durch so genanntes Platzsharing doppelt belegt werden. Je nach Öffnungszeiten und Altersstruktur seien mindestens zwei Fachkräfte für die Betreuung der Kinder notwendig, eventuell sei noch eine Hilfskraft empfehlenswert. Für die Kinder sei außerdem eine tägliche kürzere Betreuung besser als ein längerer Aufenthalt in der Krippe an wenigen Wochentagen. Nur so könnten sie echte Beziehungen und Freundschaften zu anderen Kindern und den Betreuern aufbauen und würden dadurch stabiler.

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Eine Krippe ist kein Kindergarten für Kleinere
Christel Bollinger erläuterte außerdem die Platzanforderungen. Neben dem Gruppenraum werde noch ein Pflege- und Essbereich sowie ein Schlafraum benötigt. Die Räumlichkeiten sollten eine zugleich geborgene und anregende Umgebung inklusive Rückzugsmöglichkeiten bieten. Die Kinder sollten dabei unterstützt werden, möglichst selbstständig zu werden. Wichtig seien auch die Ausbildung und das Engagement der Erzieherinnen sowie das pädagogische Konzept. Einfach ein Kindergarten für Kleinere reiche hierbei nicht.

In Gottenheim sei es im Schulgebäude nach der Abgabe der Hauptschule unkompliziert möglich, einen Gruppenraum mit Nebenräumen für eine Kleinkindgruppe einzurichten, erläuterte Bürgermeister Kieber. Die Öffnungszeiten sollten analog dem Kindergarten von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr sein. Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat ergänzte Kieber, dass es um die Schule herum genügend Platz für einen separaten Außenbereich gebe. Der freie Gruppenraum im Kindergarten sei hingegen zu klein. Und eine Trägerschaft durch die Kirche, wie beim Kindergarten, rechne sich nicht. Die Kirche würde sich maximal mit zwei Prozent an den Kosten beteiligen, zudem lägen die kalkulierten Verwaltungskosten für die Gemeinde bei gerade mal 2600 Euro im Jahr. Die Kosten für die Eltern sollen sich an den Gebühren der Nachbargemeinden (150 bis 190 Euro im Monat) orientieren.

Der Gemeinderat stimmte der Einrichtung einer Kleinkindbetreuung einstimmig zu, je nach Voranschreiten der Planungen soll die Krippe im Juni oder nach den Sommerferien öffnen, die Verwaltung möchte nun schnell das Gespräch mit den Eltern suchen und diese in die konzeptionelle Arbeit mit einbinden.

Autor: Mario Schöneberg