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18. Februar 2009

Kurze Spange statt Bundesstraße

Landesnaturschutzverband verwirft Weiterbau der B 31 West / Im äußersten Fall nur eine Entlastungsspange an Bötzingen vorbei

  1. Peter Lutz (links) und Ekkehard Köllner vor der Stelle, wo die B 31 auf die Straße von Bötzingen nach Gottenheim treffen wird. Sie solle höchstens als Spange um Bötzingen weitergeführt werden, fordern die Vertreter des Landesnaturschutzverbandes. Foto: manfred frietsch

GOTTENHEIM. Die Region braucht keine neue B 31 West. Das ist die Überzeugung des Landesnaturschutzverbandes (LNV). Der Dachverband verschiedenster Umwelt- und Naturschutzorganisationen fordert, auf den zweiten geplanten Abschnitt zwischen Gottenheim und Breisach zu verzichten. Den ersten, im Bau befindliche Teil, könne man im äußersten Fall mit einer Spange zur Landesstraße 114 zwischen Bötzingen und Wasenweiler verlängern.

Für Ekkehard Köllner, Sprecher des regionalen LNV-Arbeitskreises ist der Fall klar: "Der meiste Verkehr hier ist Ziel- und Quellverkehr aus den Ortschaften, es braucht keine Durchgangsstraße." Auch gebe es über die Autobahn mit der jetzigen B 31 von der Ausfahrt Bad Krozingen bis nach Breisach eine leistungsfähige, gut ausgebaute Strecke für den Durchgangsverkehr zwischen Breisach und Freiburg. Nie und nimmer sei daher das extrem die Landschaft zerschneidende Projekt der B 31 West neu gerechtfertigt.

Deren erster Abschnitt soll 2011 an der Landstraße von Gottenheim nach Bötzingen ankommen. Ein Weiterbau bis Breisach, so wie ihn das Regierungspräsidium plant, ginge mitten durch das Wasenweiler Ried. "Das ist das letzte große Niedermoorgebiet in der Breisgauer Bucht" erklärt Köllners Stellvertreter Peter Lutz. "Baut man diese Straße, wäre das, wie wenn man mit der Axt in eine Badewanne haut – das ganze Wasser läuft ab." Die Riedlandschaft zwischen Kaiserstuhl und Tuniberg ist ein Erbe der Nacheiszeit von vor rund 10 000 Jahren . Damals floss hier noch der Ostrhein durch. In seiner Rinne bildete sich die Moorlandschaft aus. Von ihr sind, trotz der Entwässerungsarbeiten in den letzten beiden Jahrhunderten, immer noch Feuchtwälder und verschiedene Typen von Feuchtwiesen erhalten geblieben. Die geplante Straße aber, die hinter dem Gottenheimer Ponyhof die dortige Bahnlinie in einem langen Trog unterqueren soll, würde diese Landschaft großräumig zerstören. "Die Abdichtung des Moorkörpers nach unten würde geöffnet, die Grundwasserströme massiv verändert und Feuchtgebiete würden großflächig zerstört" ist Lutz überzeugt. Damit würden entsprechend viele Pflanzen- und Tierarten ihren Lebensraum einbüßen. Die Menschen wiederum verlören ein attraktives Naherholungsgebiet.

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Teurer Straßenbau im moorigen Grund
Schon die jetzige Kreisstraße von Gottenheim nach Wasenweiler, die mitten durchs Ried führt, zeigt mit ihren ständig neu auftretenden Wellen und Unebenheiten, wie schwierig dort der Untergrund ist, um eine Straße zu bauen. Nicht von ungefähr läuft die alte, vor rund 130 Jahren gebaute Bahntrasse auf einem aufgeschütteten Damm. Will man hier aber eine Bundesstraße bauen, muss man mehrere Meter tief den Untergrund ausräumen, um überhaupt einen stabilen Fahrbahnunterbau hinzubekommen. Der geplante Streckenabschnitt durchs Ried ist daher auch der mit Abstand teuerste der gesamten B 31 West. Das liegt auch an dem rund 300 Meter langen Trog, mit dem im Bereich von Feuchtwiesen die S-Bahn unterquert werden soll. Die Alternative, ein mit Anfahrtsrampen ähnlich langes Brückenbauwerk, wurde früh schon wegen Lärm- und Landschaftsschutz verworfen. Aber auch die geplante Trassenfortsetzung entlang der Bahnlinie an Wasenweiler vorbei führt weiter durch mooriges Gebiet, so dass diese Nordvariante fast so teuer kommt wie die rund 800 Meter längere Südvariante, da dieser früher den Kernbereich des Rieds verlässt und auf stabileren Untergrund trifft.

LNV sieht Bundesstraße als fehl am Platz
Für die Naturschützer ist die Trasse insgesamt durch nichts gerechtfertigt. Köllner argwöhnt, dass das Land die B 31 vorantreibt, um sich aus der Pflicht zu stehlen, seine Landesstraßen zu verbessern. Allerdings lehnt der LNV auch die geplante Landesstraßenumfahrung von Bötzingen und Eichstetten ab, da auch sie eine intakte Wiesen- und Ackerlandschaft durchschneide. Diese Straße sei auch deshalb entbehrlich, weil künftig der LKW-Verkehr zum großen Bötzinger Gewerbegebiet problemlos durch den ersten Bauabschnitt der B 31 West von Umkirch her abgewickelt werden könne.

Diesen ersten Abschnitt halten Lutz und Köllner zwar auch für übertrieben, aber er ist in Bau und sei daher nicht mehr zu verhindern. Beide können auch nachvollziehen, dass man in Gottenheim und Bötzingen fürchtet, der Anschlussverkehr zu und von diesem 2011 in Betreib gehenden Abschnitt werde beide Ortsdurchfahrten belasten. Letztlich wäre dies nur eine Bestätigung des Sprichworts, dass wer Straßen sät, Verkehr ernten wird. Für diesen Fall schlägt der LNV eine Alternative vor. Der Verkehr von und nach Breisach könne über eine nur gut einen Kilometer lange Spange am südwestlichen Ortsrand von Bötzingen entlang zur Landesstraße von Bötzingen nach Wasenweiler durchgebunden werden. Das wäre die noch am wenigsten landschaftsschädliche Lösung.

Vorrang aber sollten kaut Köllner und Lutz Maßnahmen zur Verkehrslenkung haben. Lastwagen, die zwischen Freiburg und Autobahn sowie Breisach und dem Elsass verkehren, sollten konsequent auf die ortsdurchfahrtenfreie, jetzige B 31 von Breisach zur Autobahnausfahrt Bad Krozingen verwiesen werden.

Der Arbeitskreis des LNV schlägt außerdem vor, die Trasse der entstehenden "B 31 West" von Umkirch bis Gottenheim als Landesstraße einzustufen, da die Voraussetzung für eine Bundesstraße – eine Straße für den überregionalen Verkehr zu sein – absolut nicht gegeben sei.

Autor: Manfred Frietsch