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06. Februar 2010
Mehr Licht für Bach und Straße
Gottenheim nutzt Gehölzarbeiten an der Waltershofer Straße für Aufwertung des Mühlbachs / Anstoß kam von Anglern
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Foto: Manfred Frietsch
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Ein Bagger mit langem Greifarm packt zu, ohne die empfindliche Böschung befahren zu müssen. Jürgen Steiner (links) und Fabian Mayer mit zwei Baumstämmen, die als Störholz in den Gottenheimer Mühlbach gelegt wurden, um in ihm die Strömungsvielfalt anzuregen. Foto: manfred frietsch
GOTTENHEIM. Auf einer Länge von über einem Kilometer hat die Gemeinde Gottenheim den Mühlbach aufgewertet. Zwischen dem Dachswanger Weg und dem Sägewerk Meier wurden die Ufergehölze ausgelichtet und an einzelnen Stellen die Struktur des Bachbetts belebt. Gearbeitet wurde auch am Bewuchs der Steilböschung des Tunibergs zur parallel zum Bach verlaufenden Waltershofer Straße.
Im Sommerhalbjahr wirkt die Straße wie ein grüner Tunnel, in dem man selbst tagsüber mitunter die Fahrzeugbeleuchtung anknipsen muss. Was zunächst wie ein Naturidyll erscheint ist aber mit einer ganzen Reihe – auch ökologischer – Probleme behaftet. "Wir hatten hier immer wieder Probleme mit der Verkehrssicherung, weil Bäume von der Böschung oder auch vom Bachufer auf die Straße stürzten", erklärte Bürgermeister Volker Kieber bei einem Ortstermin. Da brauche es nicht einmal groß zu stürmen, es genüge oft, wenn der Boden nach ein paar Regentagen aufgeweicht sei. Der dichte Bewuchs war auch keineswegs in einem guten Zustand, gerade auch im Uferbereich.Werbung
"Viele Bäume stehen zu dicht aufeinander, sie haben nur lange Stämme und bilden kaum eine Krone, auch sind es zum Teil für einen Uferbewuchs ungeeignete Arten wie Ahorn," erläuterte der Landespfleger und Forstwirt Fabian Mayer, der die ganze Pflegeaktion plante und anleitete. Nicht nur die häufig vernässte oder von Laub bedeckte Fahrbahn, die damit auch für Frostschäden anfälliger wurde, hat unter dem Schattenwurf gelitten.
Auch dem Mühlbach bekamen die Zustände der letzten Jahre alles andere als gut. "Das viele Laub, das in den Bach gefallen ist, hat ihn total verschlammt," klagt Jürgen Steiner, der Vorsitzende des Angelsportvereins. Die typische Vegetationsvielfalt, von Wasserpflanzen über den Bewuchs des Gewässerrandes bis hin zur Gras- und Krautschicht auf der Uferböschung, war stark zurückgedrängt oder stellenweise ganz verschwunden. Damit aber fehlten die Nahrungsgrundlagen für die Kleintiere im Wasser, auf die wiederum die Fische angewiesen sind. Der starke Rückgang der Fische wie Barbe, Döbel oder der Bachforelle hatte deshalb den Angelsportverein bewogen, die Gemeinde wegen einer Bachsanierung anzufragen. "Uns war klar, dass das eine große Sache werden würde, die wir nicht mit unserer üblichen Gewässerpflege alleine meistern könnten" erklärte Steiner. Es kam zu einer Abstimmung auch mit den Wasser- und Straßenbehörden, um ein Pflegekonzept zu erstellen. Dieses wurde nun von Montag bis Freitagmittag in die Tat umgesetzt. Nicht nur Bäume und Sträucher, die absehbar auf die Straße oder in den Bach fallen könnten, wurden gefällt. Gezielt wurden einzelne Uferabschnitte frei gelegt, um hier Licht ins Wasser und an die Ufer fallen zu lassen. Mehrere Weiden wurden bis auf Stümpfe gekappt, aus denen wieder Triebe ausschlagen werden, um Kopfweiden zu bilden. Einzelne Bäume wurden freigestellt, damit sie eine Krone ausbilden können.
Zwei Stämme kräftiger Weiden wurden schräg in Fließrichtung halb in das Bachbett hineingelegt und mit Drahtseilen an fest verwurzelten Baumstümpfen verankert. "Das liegt als Störholz im Bach und sorgt sowohl für einen leichten Aufstau, wie auf der nicht blockierten Bachseite für eine stärkere Strömung" erläuterte Fabian Mayer. Dieser Trick sorgt dafür, dass in dem ansonsten geraden und gefällarmen Bachbett wieder verschiedene Strömungsabschnitte entstehen. Dort, wo das Wasser schneller fließt, wird der abgelagerte Schlamm mitgenommen. Im dadurch freigelegten Grund des Baches können Fische wieder ablaichen.
Es wird sicher einige Jahre dauern, bis die Eingriffe in die Ufergehölze alle gewünschten Wirkungen, wie das Aufkommen ufertypischer Gräser und niederer Büsche, entfaltet. Mehr getan, als jetzt möglich war, hätte die Gemeinde gerne an der steilen Tunibergböschung auf der anderen Straßenseite. Dort gehören die meisten Flächen Privatleuten. Aber nicht alle waren bereit, die Gehölzpflege auf ihren Grundstücken mitzumachen, da sie die Kosten dafür tragen mussten.
Für die Gemeinde hat sich die für sie rund 14 000 Euro teure Aktion gelohnt. Denn die Aufwertung des Mühlbachs entspricht der von der EU bis 2015 geforderten Herstellung eines guten Gewässerzustands. Mit das größte Hindernis dafür liegt aber keine 200 Meter bachabwärts: Eine Wehranlage, die für zwei Stromturbinen genutzt wird. Sie sorgt nicht nur für den Aufstau, der die Verschlammung fördert, sondern macht den Mühlbach auch nicht durchgängig für Fischwanderungen. Diese Durchgängigkeit aber ist ab 2015 vorgeschrieben. Darüber verhandeln die zuständigen Behörden mit den beiden privaten Wasserkraftnutzern, da diese für die Kosten aufkommen müssen.
Autor: Manfred Frietsch


