Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. August 2011

Musikverein Gottenheim auf Konzertreise in Südkorea

Musikverein Gottenheim auf Konzertreise in Südkorea.

  1. Mit diesem Plakat wird für den gemeinsamen Auftritt mit dem Zeloso Wind Orchestra in Seoul geworben. Foto: privat

  2. Auf sie wartet eine spannende Reise: die Gottenheimer Musiker Foto: privat

GOTTENHEIM. Mit einem Abschiedskonzert stimmten sich die Aktiven des Gottenheimer Musikvereins am Sonntagabend auf ihre anstehende Korea-Reise ein. Morgen Abend startet in Frankfurt der Lufthansaflug nach Seoul – er bildet den Auftakt für eine zweiwöchige Konzertreise der 37 aktive Musiker und sechs Begleitpersonen.

"Noch immer schwärmen gerade die älteren Gottenheimer von der Zeit als Donoung Lee den Musikverein dirigierte", erklärt der Vereinsvorsitzende Martin Liebermann. Von 1986 bis 1993 studierte der Südkoreaner Lee an der Freiburger Musikhochschule und dirigierte in diesen Jahren auch die Gottenheimer Kapelle. Der Verein und Lee haben seither stets Kontakt gehalten und 2007, bei einem Besuch Lees – mittlerweile Professor am College of Music der National University Seoul – anlässlich des 125-jährigen Vereinsbestehens, sei die Idee entstanden, mit der Kapelle die Heimat von Lee zu besuchen. "Seit 2009 bereitet nun ein fünfköpfiger Ausschuss die Reise akribisch vor", erläutert Liebermann, zudem standen in den vergangenen Wochen intensive Sonderproben auf dem Programm, schließlich möchte sich der Verein bei den insgesamt sieben Auftritten, die geplant sind, von seiner besten Seite zeigen.

Werbung


Rund 90 000 Euro wird die zweiwöchige Konzertreise insgesamt kosten, rund 80 Prozent davon werden die Mitreisenden selber aufbringen müssen, erklärt der Vereinsvorsitzende. Den Rest übernehmen Firmen und Sponsoren, denen Liebermann herzlich dankt. Über einen Antrag auf Förderung beim Auswärtigen Amt sei leider bis heute nicht entschieden, obwohl der Fördertopf gerade solchen Kulturaustausch von Laien fördern solle, der Antrag bereits von mehr als einem Jahr eingereicht worden sei und sich selbst Bundestagsabgeordnete wie Gernot Erler (SPD) für ihn eingesetzt hätten, bedauert Liebermann.

Auch sonst habe er viel im Rahmen der Reisevorbereitung dazu gelernt, so eine Fahrt sei doch komplexer als gedacht. So habe man von der Idee, mit dem Zug zum Flug zu fahren, Abstand nehmen müssen, weil es so kaum möglich gewesen sei, die Instrumente und Koffer mitzunehmen. Gleiches gelte für die Rundreise in Südkorea, wo nun ebenfalls ein Bus gechartert wurde. Auch manche Kosten seien vorher nicht absehbar gewesen, wie zum Beispiel die neue Luftverkehrsabgabe, die immerhin mit 45 Euro pro Person zu Buche schlage. Und auch die aktuelle Schwäche des Euro verteuerte die Reise. Zum Glück sei aber die Lufthansa den Musikern entgegen gekommen und so dürfen die Instrumente gratis mitfliegen.

Die Unterkünfte vor Ort habe man eigentlich von Deutschland aus buchen wollen, doch dies sei bei den sehr korrekten Koreanern nicht möglich gewesen, so Liebermann. Ein Reisebüro aus Seoul helfe nun auf Vermittlung von Donoung Lee bei der Reiseplanung, die Passdaten und sogar die exakte Zimmerbelegung mussten schon sechs Wochen im Voraus übermittelt werden.

Für den Gottenheimer Musikverein ist die Korea-Fahrt die erste Reise außerhalb Europas und für viele der Musiker im Alter von 15 bis 70 Jahren ist sie etwas ganz besonders. Einige von ihnen haben nun zum ersten Mal einen Reisepass beantragt, berichtet der Vereinsvorsitzende, und manche von ihnen seien sogar noch nie geflogen.

Los geht es am Mittwochmittag mit der Abfahrt des Busses, 18.45 Uhr startet der Airbus A 340-600 der Lufthansa zum zwölfstündigen Nonstop-Flug nach Seoul, gegen Mittag koreanischer Ortszeit ist mit sieben Stunden Zeitverschiebung die Ankunft geplant. Noch am selben Abend findet die erste gemeinsame Probe mit dem "Zeloso Wind Orchestra", einem Studentenorchester, statt. Mit ihm wird es am Freitagabend den ersten gemeinsamen Auftritt in der Sungsil Universität geben. Nach einem weiteren Auftritt in einem großen Freizeitpark in Seoul geht es dann am Montag per Bus und Fähre weiter auf die Insel Jeju, wo ein internationales Blasmusikfestival stattfindet. Hauptsächlich Orchester aus Korea, Japan, China und Australien nehmen dort teil, aus Europa kommen nur vier Kapellen: eine aus Frankreich, eine aus Belgien, die Gottenheimer und ein Orchester aus St. Goarshausen. Die Musiker seien sehr gespannt, wie es ist, vor bis zu 2500 Zuschauern zu spielen, erklärt Martin Liebermann.

Weitere Stationen der Reise seien dann Busan, Gyeongju, Andong und ein Abstecher an die demilitarisierte Zone an der Grenze zu Nordkorea. Nach gut zwei Wochen mit hoffentlich vielen interessanten Erlebnissen und zahlreichen neuen Freunden wird die Musikkapelle am Donnerstag, 25. August, wieder in Frankfurt landen und spätabends in Gottenheim zurück erwartet.

Über ihre Reise und aktuelle Erlebnisse berichten die Musiker täglich live im Blog unter http://mvgottenheim-korea.blogspot.com

Autor: Mario Schöneberg