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24. Februar 2011

Neuer Pepp für ein Stück Gottenheim

Der alte Bahnhof, der zum Schandfleck zu verkommen drohte, wird zur neuen Visitenkarte mit badisch-kanadischem Flair.

  1. Zur Eröffnung der „Canadian Coffee Lounge“ im Bahnhof gratulierte Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber (links) der Wirtin Kirsten Griffith (3. von links) mit Chefkoch Cliff Stolte und dem Team. Foto: mario schöneberg

  2. Fahrdienstleiter Harry Mutschler am mechanischen Stellwerk im Gottenheimer Bahnhof: Seit weit über hundert Jahren ist diese Anlage – ein starkes Stück deutscher Wertarbeit – in Betrieb. Wenn die Strecke elektrifiziert wird, soll sie als Denkmal der Eisenbahngeschichte möglichst erhalten bleiben. Foto: Mario Schöneberg

GOTTENHEIM. Das Bahnhofsgebäude in Gottenheim hat wieder eine Zukunft. Nach zähem Ringen mit Behörden und mit großem finanziellen Aufwand haben die neuen Eigentümer das historische Bauwerk saniert. Im Erdgeschoss hat gestern auch neu ein gastronomischer Betrieb eröffnet: "Gerome´s Canadian Coffee Lounge".

"Etwas Besseres hätte Gottenheim nicht passieren können, als dass Sie den Bahnhof gekauft haben", betonte Bürgermeister Volker Kieber anlässlich einer kleinen Eröffnungsfeier für die neue gastronomische Attraktion am Ort, "Gerome´s Canadian Coffee Lounge". Gemeint waren hiermit Marei und Lee Griffith, die seit mehr als zehn Jahren in Gottenheim wohnen und die es sich in ihrer Freizeit zur Aufgabe gemacht haben, historische Gebäude zu sanieren. Nach ihrem Wohnhaus, einem alten Fachwerkhaus in der Ortsmitte, war nun der 1871 erbaute Bahnhof dran. Außerdem bekommt dadurch nun Tochter Kirsten, die in Wales Event-Management studiert hat, die Gelegenheit, als Wirtin ihr erstes eigenes Projekt auf die Beine zu stellen.

"Der historische Bahnhof hat nun seinen Wert wieder, dafür bin ich sehr dankbar", erklärte Kieber. Außerdem sei der sanierte Bahnhof nun auch der Startschuss für den Bürgerbeteiligungsprozess zur Umgestaltung der Bahnhofsachse samt Schule und Kindergarten. Hierfür wird der Gemeinderat im Mai zwei Tage in Klausur gehen, anschließend können interessierte Bürger in moderierten Arbeitsgruppen ihre Vorstellungen von der neu zu gestaltenden Ortsmitte einbringen.

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Hell und freundlich erstrahlt der lange Zeit vor sich hingammelnde Bahnhof nun. Die Gemeinde Gottenheim hatte ihn vor wenigen Jahren von der Bahn gekauft, nicht zuletzt um den Einzug einer Spielhalle oder einer Dönerbude verhindern zu können. Vor zwei Jahren wiederum kaufte Familie Griffith das Objekt. Mit viel Eigenleistung, Liebe zum Detail und Handwerkern aus der Region wurde das unter Denkmalschutz stehende Gebäude saniert. Fast alles war mittlerweile marode geworden. Vom Dach angefangen, von dem Schindeln herab zu fallen drohten, über undichte Fenster, feuchte Wände, morsche Holzböden und eine altersschwache Heizung. Auch die Statik, der Brandschutz und die Sicherheit der Leitungen machten Probleme. Heute ist das Gebäude energetisch auf dem neuesten Stand. Auch die Wohnungen sowie die Sozialräume für die Bahnmitarbeiter – sie bedienen das nach wie vor im Gebäude untergebrachte mechanische Stellwerk – erstrahlen in neuem Glanz. Ein modernes Blockheizkraftwerk sorgt für Wärme.

Einzig mit den Baubehörden und dem Denkmalamt hatten die Investoren lange zu kämpfen, mehr als ein Jahr dauerte die Genehmigungsphase, was auch die Sanierung und damit die Eröffnung, des Bistrocafés lange hinauszögerte.

Das gastronomische Konzept von Wirtin Kirsten Griffith und ihren fünf Mitarbeitern lässt sich mit dem Slogan "Canada meats Baden" zusammenfassen. Von kleinen Snacks, passend zum badischen Wein, über frische Salate bis hin zu Burgern, Sandwiches und Steaks reicht das Angebot der gut sortierten, aber nicht überladenen Karte. Hier finden sich auch einige Badische Gerichte und aus Italien importierte Kaffeespezialitäten. Dazu gibt es Gebäck und am Wochenende auch Kuchen. Geöffnet ist in der Mittagszeit, wo es auch ein Tagesessen geben wird, und dann wieder abends, am Wochenende durchgehend. Alle Speisen werden in der Küche des "Gerome´s" frisch zubereitet, verspricht Küchenchef Cliff Stolte.

Insgesamt bietet das Bistro in zwei Räumen gut 60 Sitzplätze, im Sommer soll noch eine Freiterrasse hinzukommen. Sehenswert sind die alten aber restaurierten Türen, Fenster und Möbel sowie der historische Steinboden. Die junge Wirtin hofft, dass das Lokal ein Treffpunkt für die Gottenheimer, aber auch eine Anlaufstelle für Touristen werden soll. Bürgermeister Kieber kann sich sogar vorstellen, im Bahnhof mal eine Tourist-Information unter zu bringen.

Eine weitere Attraktion, die die neuen Bahnhofseigentümer erhalten wollen, ist das historische Stellwerk. Gebaut etwa um 1890 herum, wurde es in den 1950er-Jahren modernisiert, funktioniert aber noch heute weitestgehend mechanisch und nach den Plänen aus der Kaiserzeit. Irgendwann in absehbarer Zeit soll ja die Breisgau-S-Bahn ausgebaut und auf 15-Minuten-Takt umgestellt werden. Hierfür wird dann der mittlere Bahnsteig verlängert und vermutlich eine Fußgänger- und Radfahrer-Unterführung gebaut. Zudem sollen sowohl die S-Bahn wie die Kaiserstuhlbahn, die in Gottenheim zusammentreffen, elektrifiziert werden. Auch das historische Stellwerk hat dann ausgedient, eine moderne computergesteuerte Anlage sei in Planung, weiß Bürgermeister Kieber. Ein möglicher Standort sei dabei ebenfalls in Gottenheim. Schon früher war in dem Gebäude, wo heute ein Reifenhandel untergebracht ist, ein Bahnbetriebswerk untergebracht. Wann die ambitionierten Pläne wirklich verwirklicht werden, liege aber wohl auch an der Finanzierung. Doch nach den Planungen der regionalen Verkehrsverbundsgremien soll dies alles noch in diesem Jahrzehnt, möglichst bis 2018, über die Bühne gehen.

Autor: Mario Schöneberg