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26. Mai 2011

Prognosezahlen brauchen Ergänzung

Gottenheim und Bötzingen wollen geplante Landstraßenumfahrung in B-31-Verkehrsprognose einbeziehen / Disput um Radweg.

  1. Auch Vertreter des Landratsamts sowie der Gemeinden, wie hier (vorne von links) der Eichstetter Hauptamtsleiter Dieter Rinklin und Bötzingens Bürgermeister Dieter Schneckenburger, machten bei der Erörterung zur B 31 West in Ihringen ihre Anliegen und Einwände geltend. Foto: horst david

IHRINGEN/BÖTZINGEN/MERDINGEN /GOTTENHEIM. Eine ganze Reihe lokaler Belange, Fragen und Einwände zum Bau der B 31 West zwischen Gottenheim und Breisach wurden am Dienstag und Mittwoch beim Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren in der Ihringer Kaiserstuhlhalle behandelt. Themen waren unter anderem das Wegenetz und Auswirkungen auf Verkehrsströme in den Ortschaften.

Dabei notierte Joachim Lucht – er leitet für das Regierungspräsidium die Erörterung – einige "Hausaufgaben", die von der planenden Straßenbauabteilung des Präsidiums noch erledigt werden sollen. Dazu zählt auch die Beschaffung von Verkehrszahlen für die Umfahrung der Landesstraßen 114/115 von Bötzingen und Eichstetten. Diese bereits planfestgestellte Straße soll – falls nicht die neue Landesregierung die Gelder dafür auf Eis legt – einmal an der Landesstraße 115 zwischen Bötzingen und Gottenheim enden, nur rund 600 Meter von der Abfahrt des ersten Teilstücks der B 31 von Umkirch bis Gottenheim, das in etwa einem Jahr für den Verkehr frei gegeben wird.

Nach den bisher nur für das erste B 31-Teilstück erstellten Prognosen könnten das Ausbauende der B 31 täglich rund 11500 Fahrzeuge passieren, mehr als die Hälfte davon aus und in Richtung Bötzingen, der Rest aus und in Richtung Gottenheim. Das wäre dann für Gottenheim immer noch weniger als derzeit – rund 4400 statt 6000 Fahrzeuge auf der innerörtlichen L 115 (Bötzinger Straße) – doch Bürgermeister Volker Kieber sieht die möglichen Verkehrsströme von der Bötzinger Umfahrung in und aus Richtung Breisach nicht berücksichtigt. Denn diese Umfahrung wird eine markante Wegverkürzung von Breisach zur Ausfahrt Teningen der A 5 – für die Fahrtrichtung nach und von Karlsruhe – darstellen. Weiter regte Kieber an, die Prognosen für den innerörtlichen Verkehr zu aktualisieren, da sich diese wegen neuer Wohn- und Gewerbegebiete der Gemeinde wohl änderten.

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Auch Bötzingens Bürgermeister Dieter Schneckenburger vermisste aktualisierte Prognosewerte, die auch die Umfahrung einberechnen. Hierzu erklärte Bernd Dörr von der Straßenplanungsbehörde des Regierungspräsidiums, dass der bisher prognostizierte Verkehr auf der L 115 nach und aus Bötzingen ja sogar sinken werde, wenn die Umfahrung käme. Schneckenburger machte aber klar, dass Bötzingen wie auch Gottenheim auf einen Bypass drängen – also einen Weiterbau der B 31 um Gottenheim herum bis zur Kreisstraße 4995 nach Wasenweiler – für den Fall, dass der gesamte Weiterbau bis Breisach sich verzögere. Denn Bötzingen will zusätzlich zu dem laut den Prognosen steigenden Verkehr aus und in den inneren Kaiserstuhl nicht noch einen Teil des Verkehrs zwischen Breisach und dem Ausbauende des ersten Teilstücks der B 31 abbekommen. Und sollte die von Bötzingen gewünschte Umfahrung der L 114/116 kommen, drohe erst recht ein Schleichverkehr von dort durch das südliche Bötzinger Wohn- und Gewerbegebiet in Richtung Wasenweiler/Breisach.

Am wenigsten Probleme mit dem geplanten Weiterbau der B 31 West hat von den Anliegergemeinden Merdingen – falls es bei der Nordvariante entlang der Bahnlinie bleibt. Denn die als Alternative von Ihringen geforderte Südvariante, die praktisch komplett über Merdinger Gemarkung verläuft, wird in der Tuniberggemeinde abgelehnt, das hatte Bürgermeister Eckart Escher schon früh klar gemacht. Dafür teilen beide Gemeinden ihre Wünsche zur Brücke der Kreisstraße 4979 zwischen Wasenweiler und Merdingen über die B 31.

Warnung vor "Schildbürgerstreich" zwischen Merdingen und Wasenweiler

Die Pläne sehen nur eine fünf Meter breite Fahrbahn vor. Escher erklärte, es gebe Überlegungen für eine Radwegverbindung, dann aber brauche man eine Spur für Fußgänger und Radler über diese Brücke. Bernd Dörr entgegnete, da noch kein Radweg vorhanden sei, werde der Bund auch keine solche Radwegspur als Ersatz bauen. Dafür erntete er auch von Vertretern des Landratsamts heftigen Widerspruch. "Jetzt haben wir Mischverkehr auch mit Radfahrern auf der Kreisstraße, das wäre so über diese Brücke ohne eigene Radwegspur nicht mehr möglich", meldete Michael Wunderlich von der Kreisverkehrsbehörde schwere Bedenken an. Man könne Radler und gar Fußgänger nicht zwischen Leitplanken auf eine Fahrbahn zwängen, auf der künftig ja auch Schwerverkehr rollen soll. Mehr noch: Die B 31, die bei Wasenweiler weitgehend entlang der Bahnlinie verlaufen soll, schneidet den Ort vollständig vom Naherholungsgebiet Schachenwald ab; den einzigen Zugang – mit einem großen Umweg – böte eben die neu zu bauende Kreisstraßenbrücke über die B 31. Auch Joachim Lucht als Vertreter der Prüfungsbehörde warnte vor dem "Schildbürgerstreich" eines Brückenneubaus, der die schwächeren Verkehrsteilnehmer ignoriere und dann teuer nachgebessert werden müsste. Bernd Dörr schlug darum vor, bei der Ausführungsplanung den Kreis und die Gemeinden einzuziehen. Eine Kostenübernahme durch den Bund werde aber nicht in Frage kommen.

Das Wegenetz, das durch den wie eine Schneise die Landschaft teilenden Straßenbau neu geordnet werden muss, wirft noch weitere Fragen auf. So fällt die Kreisstraße zwischen Wasenweiler und Gottenheim weg, ohne dass nicht einmal eine Wegverbindung zwischen beiden Dörfern geschaffen wird.

Autor: Manfred Frietsch