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16. November 2011

Ratsmehrheit für einen Netto-Markt

Bei drei Gegenstimmen spricht sich der Gottenheimer Gemeinderat für die Ansiedlung eines Discount-Marktes am Hinteren Berg aus.

  1. Auf diesem Gelände bei Gottenheim soll ein Netto-Einkaufsmarkt gebaut werden. Foto: manfred frietsch

GOTTENHEIM. Mit zehn Ja- bei drei Neinstimmen entschied sich der Gottenheimer Gemeinderat am Montagabend für den Bau eines Supermarktes am Ortsausgang Richtung Bötzingen. Mit dem gleichen Stimmenverhältnis wurde auch der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst.

Schon lange beschäftigen sich in Gottenheim Verwaltung und Gemeinderat mit einer Marktansiedlung. Bürgermeister Volker Kieber erwähnte das erfolgreiche Zielabweichungsverfahren beim Regionalverband – die vorgesehene Fläche von etwa 4900 Quadratmetern, die künftig "Sondergebiet Einzelhandel Hinterer Berg" heißen wird, liegt im Regionalen Grünzug – und eine überwiegende Zustimmung in einer Bürgerversammlung vor wenigen Wochen. Darum sei jetzt der Zeitpunkt für eine Grundsatzentscheidung im Gemeinderat gekommen. Es sei schwierig gewesen, in einer so kleinen Gemeinde einen Investor für einen Supermarkt zu finden. Doch mit der in Süddeutschland expandierenden Firma "Netto Marken Discount" habe man nun einen interessierten Betreiber gefunden.

"Ich halte die Entscheidung für einen Supermarkt für einen großen Fehler, der Gottenheim ruinieren wird", erklärte Miriam Engelhardt (Frauenliste). Man mache damit die kleinen Geschäfte im Ort kaputt. Zudem käme Netto nicht wegen der 2700 Einwohnern von Gottenheim, sondern wegen der B 31. Und Engelhardt befürchtete durch den Markt noch mehr Verkehr im Ort. "Auch ich mache mir Sorgen um die Strukturen hier", erläuterte ihre Fraktionskollegin Claudia Faller-Tabori. "Aber der Netto zieht keine Kunden aus dem Ort ab, bisher schon kaufen die meisten Einwohner außerhalb ein".

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"Auch mir ist klar, das ist kein Supermarkt für Gottenheim sondern ein Markt in Gottenheim", erklärte Birgit Wiloth-Sacherer (SPD). Der Standort sei nicht optimal. Ihre Zustimmung für die Ansiedlung begründete Wiloth-Sacherer indes mit dem Wunsch der Mehrheit der Bürger. Man habe jahrzehntelang für diese Chance gekämpft, nun müsse man sie wahrnehmen, betonte Kurt Hartenbach (FWG). Warum solle das, was in Umkirch oder Bötzingen gehe, nicht auch in Gottenheim möglich sein. Und hier sei der Markt für viele gut zu Fuß erreichbar, er habe die Chance ein Treffpunkt für die Menschen zu werden, wenn sie ihn annehmen. "Wegen unserer Bäcker oder dem Metzger habe ich keine Bedenken, die haben ihre Kunden, oder eben nicht".

Für Thomas Barleon (FBL) wiederum ist der Markt zu groß und passt nicht ins Dorf. Statt der gewünschten Grundversorgung im Ort bekomme man nun das Größtmögliche. Miriam Engelhardt ergänzte, die Marktansiedlungen in der Region seien nur ein Kampf der Giganten, jeder Supermarkt in den Orten brauche mehr Kunden als in den jeweiligen Dörfern lebten, in zehn Jahren werde es eine Pleitewelle geben. Und letztlich verbaue man "eine schöne Fläche am Ortseingang mit etwas Hässlichem".

Unterschiedliche Ansichten über den Bedarf für einen Markt

Dem widersprach Bernhard Strittmatter (FWG). Gerade für Ältere oder Familien sei es derzeit schwer möglich, sich am Ort selbst zu versorgen. Und selbst für den kleinen türkischen Laden sei Netto keine Konkurrenz, schließlich bediene er eine ganz andere Nische. Dass der Markt mit seinen rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche zu groß sei, bestritt zudem Claudia Faller-Tabori, schließlich wollten die Kunden heutzutage ein großes Sortiment und keinen kleinen Dorfladen. Und für die Gottenheimer gebe es nach Fertigstellung der B 31 keinen Grund mehr, in Umkirch raus zu fahren. Das sei die Chance für den hiesigen Markt.

Jörg Hunn (FBL) erinnerte daran, dass es vor 40 Jahren mit damals 15 Läden noch eine Vollversorgung am Ort gegeben habe. Doch das Käuferverhalten habe später alles kaputt gemacht. Heute sei ein Discounter hier nicht nachhaltig, er bringe nichts für Gottenheim. Man könne den Leuten doch nicht verordnen, wo sie einkaufen sollen, entgegnete Kurt Harten-bach, selbst die Getränkeversorgung am Ort sei weggebrochen.

Die Gefahr, dass der Markt nach Ablauf der ersten Pachtzeit von 15 Jahren zur Ruine werde, sah Bürgermeister Kieber nicht. Und durch den Bebauungsplan habe die Gemeinde es in der Hand, dass hier kein hässlicher Klotz entstehe. Netto biete zudem mit 4700 Artikeln ein deutlich größeres und oftmals qualitativ besseres Angebot als andere Discounter. Letztlich, so Kieber, gingen derzeit von rund 5,2 Millionen Euro Kaufkraft mehr als 4 Millionen von Gottenheim ins Umland. Der Standort sei gar nicht so schlecht, 40 Prozent der Bevölkerung könnten ihn in bis zu 500 Laufmetern zu Fuß erreichen, bei einer Laufstrecke von bis zu einem Kilometer seien es sogar 70 Prozent.

Stadtplaner Bernd Fahle vom für die Bebauungsplanung zuständigen Freiburger Büro "fsp.stadtplanung" erklärte, man wolle in den weiteren Planungen die bestmögliche Qualität für den Standort am Ortseingang erreichen. In den zurückliegenden Jahren habe sich die Bereitschaft der Investoren, für bessere Architektur auch mehr Geld auszugeben, erhöht. Es gelte daher, intensiv zu verhandeln.

Bürgermeister Kieber erklärte, dass die Zielabweichung im Regionalplan ausschließlich für den Einkaufsmarkt gelte, weiteres Bauen sei nicht vorgesehen. Der Markt werde Richtung Bötzingen in Höhe des Landmaschinenhandels auf der gegenüberliegenden Straßenseite gebaut, danach werde auch das Ortsschild versetzt. Auf Nachfrage erklärte er, dass es von allen Grundstückseignern, bis auf einen, schriftliche Zusagen für den Verkauf ihrer Grundstücke gebe. Das fehlende Grundstück werde aber nicht gebraucht und dann wohl zu einer privaten Grünfläche umgewidmet. Zudem erhielten die betroffenen Landwirte ein Überfahrtsrecht zu ihren Grundstücken über den 70 bis 80 Stellplätze umfassenden Parkplatz.

Autor: Mario Schöneberg