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26. Mai 2009

Reiche Kandidatenauswahl für die Gottenheimer Bürger

GOTTENHEIM VOR DER KOMMUNALWAHL: Fünf Listen und Parteien werben wieder um Mandate für den Gemeinderat / Viele Ideen zur Bahnhofsachse

  1. Im Gottenheimer Rathaus wollen gleich fünf Listen und Parteien auch im neuen Gemeinderat die Zukunft der Kommune gestalten. Foto: manfred frietsch

GOTTENHEIM. Obwohl die Gemeinde mit rund 2500 Einwohnern vergleichsweise klein ist, bietet sich den 1986 wahlberechtigten Gottenheimern am 7. Juni mit fünf Listen und 60 Kandidaten – bei zwölf zu vergebenden Gemeinderatssitzen – eine ungewöhnlich große Auswahl. Alle antretenden Listen sind im amtierenden Gemeinderat vertreten: die Freie Wählergemeinschaft (FWG) und die SPD mit je drei Räten, die CDU, die Frauenliste und die Freie Bürgerliste (FBL) mit je zwei Räten.

22 Jahre jung ist die jüngste Kandidatin, der älteste der Bewerber zählt 64 Lenze. Unterschiedlich ist die Frauenquote auf den jeweils komplett besetzten Listen: Während bei der Frauenliste kein Mann zu finden ist, steht bei der FWG nur eine Frau zur Wahl. Je drei Damen kandidieren für die CDU und die FBL, bei der SPD sind es vier.

Viele Gesichter aus den Wahlprospekten kennen die Gottenheimer als engagierte Mitbürger in örtlichen Vereinen und Bürgergruppen. Persönliche Sympathien werden wohl die Wahl auch entscheiden. Die Programme der Parteien und Listen sind sich ähnlich, unterscheiden sich im Detail und der Gewichtung. So sind sich die Gottenheimer überwiegend einig, dass die B 31 West schnell weitergebaut werden soll. Auch die Förderung von Jugend, Senioren, Gewerbe und Vereinsleben haben sich alle auf ihre Fahnen geschrieben.

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"Nicht Partei, sondern Partner der Bürger" sein möchte die FWG. Man stehe für eine "gute und offene Zusammenarbeit mit allen Bürgern zum langfristigen Wohl" der Gemeinde, ist auf dem Wahlprospekt zu lesen. Ganz oben stehen dort auch die Jugendarbeit und die Unterstützung für die Senioren im Dorf. Für die Verbesserung der Gemeindestruktur sollen die Bahnhofsachse ausgebaut und die Gewerbeflächen der Gemeinde erweitert werden. Auch die weiteren Ziele decken sich stark mit den Ansätzen der Gemeindeverwaltung. So unter anderem die sinnvolle Neuordnung des Sportgeländes, die Unterstützung für Weinbau, Handwerk und Gewerbe, die Verbesserung der Ortsentwässerung sowie eine nachhaltige und langfristig angelegte Finanzpolitik. Sachbezogene Entscheidungen im Gemeinderat seien dabei für die FWG wichtiger als ein Fraktionszwang.

Die SPD setzt sich in ihrem Wahlprospekt für die Schaffung einer Seniorenbegegnungsstätte ein, die Gemeinde solle außerdem die ambulanten Hilfs- und Pflegedienste sowie die Begegnung zwischen den Generationen fördern. Ein klares Nein gilt der Atomenergie, während regenerative Energien in Gottenheim gefördert werden sollen. Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ein Ziel der SPD, man möchte keine weiteren Geräteschuppen im Rebberg, stattdessen eine Gemeinschaftsschopfanlage. Ebenfalls auf der Agenda stehen der Ausbau des Radwegenetzes zu den Nachbarorten und der Bau eines Bürgerhauses. Für den von der Gemeinde erworbenen Bahnhof soll ein Konzept erarbeitet werden, ebenso für innerörtliche Verkehrsberuhigung. In Sachen Jugendarbeit fordert die SPD die Wiedereinstellung eines hauptamtlichen Jugendpflegers und den Ausbau und bessere Pflege der Kinderspielplätze.

"Heimat erhalten, Zukunft gestalten" ist der Slogan, mit dem die CDU in die Wahl geht. Man stehe für Kontinuität in der Gemeindepolitik, verspricht der Wahlflyer. Dabei wolle man sich im Gemeinderat keiner Parteitaktik unterwerfen. An der Spitze der Ziele stehen Verkehrsthemen, der Weiterbau der B 31 und ein Fußgängerüberweg an der Bötzinger Straße. Es folgen Themen wie altersgerechtes Leben und Wohnen, die Entwicklung der Bahnhofsachse, die Schaffung von Einkaufsmöglichkeiten und die "räumliche Neuorientierung von Kindergarten und Schule unter dem Titel ,Gemeinsam erleben, besser lernen‘", inklusive Verbesserung der Kleinkindbetreuung. Weitere Punkte sind die wirtschaftliche Umgestaltung der Aufbahrungshalle beim Friedhof, Optimierung der Entwässerung, wirtschaftlich vertretbarer Neubau der Sportanlage und solider Umgang mit den Gemeindefinanzen sowie Förderung von Jugend, Vereinen, Gewerbe und Fremdenverkehr.

Vier Schwerpunkte mit zum Teil eigenen Lösungen setzen die Kandidaten der FBL auf die Titelseite ihres Prospektes: die B 31, den Bereich Bahnhof/Schule, den Natur- und Lebensraum sowie die Finanzen. In Sachen Verkehr fordert die FBL ein Verkehrsleitsystem für die Region, um Lastwagen aus dem Dorf zu halten, sichere Straßenquerungen, neue Naherholungsgebiete "abseits der Verlärmung" und den zweiten Abschnitt der B 31 nur mit "höchsten Lärmschutzmaßnahmen". Außerdem fordert die FBL eine "Lösung der Kostenfalle Bahnhofssanierung" und eine sinnvolle Gestaltung der Brachflächen entlang der Bahnhofstraße. Als einzige Liste spricht sich die FBL gegen eine Erweiterung des Gewerbegebietes aus, "für uns zählen die Interessen der Landwirte und Winzer". Wichtig sei zudem Erhalt und Pflege von Wald und Bächen sowie die Schaffung von Naherholungsmöglichkeiten. Bei Großprojekten in der Gemeinde sei man für eine solide Finanzplanung, eine Deckelung der Kosten sowie für eine umfassende Information der Bürger, auch mit Bürgerversammlungen im Vorfeld.

Für eine "Gemeindepolitik mit Herz und Verstand" werben die Kandidatinnen der Frauenliste. Sie fordern ein Generationenkonzept, eine aktive Jugendarbeit sowie einen Grillplatz für das soziale Leben im Dorf. Weiter eine "faire Infrastruktur" mit Einkaufsmöglichkeiten, Fußgängerüberwegen und Radwegen sowie eine "zukunftsorientierte Entwicklung", insbesondere bei der Gewerbeansiedlung. Die Frauenliste plädiert für eine "weitsichtige Baulandpolitik", den Weiterbau der B 31 und eine Gestaltung der Bahnhofsachse unter Einschluss des Baus eines Generationenhauses. Besonders werben die Damen mit ihren Kompetenzen, so mit der "Vielseitigkeit der Gruppe, Kreativität, Leistungsbereitschaft, Persönlichkeit, Transparenz" sowie ihrer "Sach- und Zielorientierung".

Wahl 2004, Ergebnisse in Prozent: FWG 26,7; SPD 20,2; CDU 19,3; FBL 17,2; Frauenliste 16,3.

Autor: Mario Schöneberg