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07. Februar 2009

Seelsorge ist knappes Gut

Pfarrer Artur Wagner sucht eine neue Aufgabe und wird die Seelsorgeeinheit Gottenheim verlassen

  1. Pfarrer Artur Wagner Foto: manfred frietsch

GOTTENHEIM. In der katholischen Seelsorgeeinheit Gottenheim steht ein personeller Wechsel an. Pfarrer Artur Wagner hat den Pfarrgemeinderat und danach auch die Kirchenmitglieder in den vier Gemeinden – Gottenheim, Umkirch, Bötzingen und Eichstetten – darüber informiert, dass er Mitte des Jahres sein Amt abgeben wird. Wagner wird voraussichtlich in einen Aufgabenbereich der Sonderseelsorge wechseln.

Der Abgang kommt für alle Beteiligte sehr früh. Auch wenn Pfarrer nicht mehr Jahrzehnte oder dauernd auf einer Pfarrstelle bleiben, so sind heute doch noch Amtszeiten von mindestens 10 bis 15 Jahren die Regel. Wagner aber ist erst im Oktober 2003 nach Gottenheim gekommen. Dass er jetzt schon gehen will, geschehe auf eigenen Wunsch, erklärt er. Nicht etwa, weil er seiner Arbeit in den vier Gemeinden überdrüssig geworden sei. Aber Wagner will in seiner priesterlichen Arbeit neue Schwerpunkte setzen, die ihm so, in den bestehenden Strukturen, nicht möglich gemacht werden.

Wagner hat während seiner Zeit in Gottenheim an freien Tagen und in Urlauben eine Ausbildung am Institut für Logotherapie und Existenzanalyse in Tübingen und Wien absolviert. Dies sind psychotherapeutische Methoden der Gesprächsführung und Beratung von Menschen, insbesondere zu Sinn- und Wertfragen und bei Menschen in Krisenlagen. Wagner sieht darin eindeutig eine Aufwertung seiner Kompetenzen als Seelsorger, gerade wenn man diesen Kernbegriff der kirchlichen Aufgabe wörtlich nimmt.

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Eine solche, auf die intensive Begleitung von Menschen konzentrierte Seelsorge ist aber mit den Amtsaufgaben an der Spitze einer Seelsorgeeinheit nicht unter einen Hut zu bekommen. So blieb Wagner nach entsprechenden Gesprächen im erzbischöflichen Ordinariat nur die Wahl, entweder seine jetzige Arbeit fortzusetzen oder sich allein auf den gewünschten Schwerpunktbereich zu verlegen. Und dafür entschied er sich, auch wenn derzeit noch offen ist, welche Aufgabe er künftig neu übernehmen kann.

Eine Alternative hätte es höchstens gegeben, wenn die Kirche bereit gewesen wäre, Wagner in der Seelsorgeeinheit personell zu entlasten. Dann hätte er einen Teil seiner Arbeitskraft für eine nicht an den Ort gebundene seelsorgerische Arbeit mit seinem neuen psychologischen Schwerpunkt einbringen können. Das Rollenmodell eines Ortspfarrers ist dafür aber nicht flexibel genug. Auch hat die Seelsorgeeinheit mit ihren knapp über 6000 Katholiken keinen zweiten Pfarrer als Kooperator, wie etwa in der benachbarten Seelsorgeeinheit Merdingen. Derzeit gibt es nicht einmal mehr eine fest einsetzbare Aushilfe. So entsteht die in Zeiten des Priestermangels paradoxe Situation, dass ein Pfarrer ganz aus der Arbeit in der Fläche, nämlich in einer Seelsorgeeinheit, abgezogen wird, anstatt Formen des Jobsharings zu versuchen.

Dabei hat Wagner in Gottenheim, anders als in vielen Seelsorgeeinheiten, aus den personellen Nöten längst eine Tugend gemacht und moderne, effiziente Strukturen geschaffen. In der durch die Einbeziehung Umkirchs zunächst höchst heterogenen Seelsorgeeinheit ist es gelungen, sich auf einen einzigen, alle vier Orte umfassende Pfarrgemeinderat zu einigen. Und für die Mitarbeiter, darunter zwei Gemeindereferenten, gibt es – den Pfarrer eingeschlossen – eine Aufgabenzuordnung wie in einem Betrieb und ein Pastoralkonzept.

Mitarbeiter, aber auch die Basis, wie die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Martina Grün, bescheinigen Wagner eine moderne, den vielen Anforderungen gewachsene Arbeitsstruktur geschaffen zu haben. Doch hat dies auch seinen Preis: Ein Pfarrer müsse heute "Architekt, Betriebswirt, Personalchef und Seelsorger in einer Person sein – leider zu oft in dieser Reihenfolge", meint ein Mitarbeiter. Und Wagner selbst hält nicht damit hinter dem Berg, dass für ihn die seelsorgerische Arbeit häufig viel zu kurz gekommen sei. Und im Gegenzug fehle ihm als Priester dadurch der menschliche Austausch.

Wagner wird zum 1. August Gottenheim verlassen. Martina Grün hofft nur, dass sich ein Nachfolger findet, der die geschaffenen Strukturen aufgreift. Klar ist ihr wie allen, dass die Auswahl höchst begrenzt ist, angesichts des seit Jahren knappen Priesternachwuchses. Und mit dem 42-jährigen Artur Wagner scheidet ausgerechnet ein junger Priester aus dem Gemeindedienst.

Autor: Manfred Frietsch