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15. Dezember 2010

Seniorenpflege in Betrieben?

Sozialstation sieht neue Herausforderungen in Altenpflege / Neue Betreuer für Demente geschult.

  1. Für die Kursteilnehmerinnen dankten Heike Schwend (links) und Evelin Ambrosius (rechts) den Kursleitern, hier Hadwig Storch. Foto: ernst H. bilke

GOTTENHEIM. Die Kirchliche Sozialstation Nördlicher Breisgau veranstaltete seit Ende September in den Räumen der Grundschule Gottenheim einen Qualifizierungskurs zur "Betreuer/in für Menschen mit Demenz". Mit der Zertifikatsübergabe endete der Kurs, in dem an zehn Abenden à zwei Stunden unter anderem Kenntnisse der Pflege und rechtliche Aspekte der Betreuung vermittelt wurden.

Als Mitglied im Vorstand der Sozialstation dankte Bürgermeister Volker Kieber den beiden Frauen, die den Kurs durchführten, Hadwig Storch vom DRK-Seniorenzentrum in March und Beate Szymczak. Im Namen der 21 Teilnehmer, davon zwei Männern, dankten Evelin Ambrosius (March) und Heike Schwend (Umkirch) den beiden und überreichten ein Präsent. Ziel des Kurses war es, ehrenamtlich engagierte Bürger für die Betreuung von Menschen mit Demenz zu qualifizieren und zu motivieren. In erster Linie wurde dabei an die Ökumenische Nachbarschaftshilfe Bötzingen/Gottenheim und die geplante Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz in Gottenheim gedacht. Der Geschäftsführer der Sozialstation Michael Szymczak wies aber auf ein weiteres Betätigungsfeld hin, das auf Landkreisebene bereits diskutiert werde, nämlich die Einrichtung von "Betriebsseniorengärten". Immer mehr Firmen hätten das Problem, dass ein Fachkräftemangel dadurch entstehe, dass meistens Frauen nur noch in Teilzeit arbeiten wollen, oder ihre Tätigkeit aufgeben, um sich der Pflege von Angehörigen widmen zu können. Was bisher der Betriebskindergarten war, werde in naher Zukunft eine Art "Betriebsseniorengarten" sein, ein Raum, in dem Angehörige von Mitarbeitern von dazu qualifizierten Betreuern versorgt werden, erklärte Szymczak zwar mit einigem Humor, aber ohne den Ernst der Lage zu verfehlen. Auch Bürgermeister Kieber wies darauf hin, dass bei den Kommunen neben der Kinder- und Jugendarbeit zunehmend Seniorenarbeit in den Fokus gerückt sei, und so eine heute noch skurril erscheinende Idee durchaus zukunftsweisend sein könne.

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In einer kleinen Feierstunde im Anschluss an die Zertifikatsübergabe diskutierten die 21 Teilnehmer ihre Perspektiven. Elf von ihnen werden weiterhin Angehörige pflegen, zwei der Elf werden sich darüber hinaus in der Nachbarschaftshilfe engagieren, zwölf suchen noch ein Einsatzfeld. Sie fanden den Gedanken mit den "Betriebsseniorengärten" interessant, zumal anzunehmen ist, dass Firmen so eine Tätigkeit nicht nur mit einer Aufwandsentschädigung vergüten werden.

Die jüngste Teilnehmerin war 19. Die meisten nannten als wichtigste Erfahrung, die sie aus dem Kurs mitnähmen, dass sie die Erlebniswelt von Menschen mit Demenz verstehen lernten. Für einige waren Antworten auf Fragen des eigenen Alterns, zu Möglichkeiten der Vorsorge und der Patientenverfügung gewinnbringend. Unter den Teilnehmern aus Umkirch, Gottenheim, Bötzingen, Eichstetten, Gundelfingen, Ihringen, Merdingen und der March waren auch ehemalige Fachkräfte aus dem Bereich Altenpflege, welche die Vermittlung von Grundlagen der Kinästhetik und basalen Stimulation, milieutherapeutischer Behandlung, sowie der Differentialdiagnostik zu Alzheimer, Demenz und anderen Störungen, als Fortbildung erlebten.

Autor: Ernst H. Bilke