Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. September 2011

Taube Männer sind die besten Zuhörer

Der Kabarettist "LinkMichel" zog in der Gottenheimer Bürgerscheune gegen das geschwätzige Geschlecht kräftig vom Leder.

  1. Der Kabarettist Michael Klink (alias LinkMichel) bestritt sein Programm „das Schweigen der Männer“ in der Gottenheimer Bürgerscheune als Solonummer, und das ganz und gar nicht maulfaul. Doch für das Pressefoto bat er eine Dame aus dem Publikum auf die Bühne. Foto: axel dröber

GOTTENHEIM. Besucher der Bürger-scheune in Gottenheim durften den schwäbischen Kabarettisten LinkMichel live erleben. Es gehört ja schon einiges dazu, sich als Schwabe ins tiefste Baden vorzuwagen. Doch das passt zu Michael Klink alias LinkMichel. Derweil birgt sein Programm, das "Schweigen der Männer", noch viel mehr Zündstoff: LinkMichel nimmt wirklich kein Blatt vor den Mund und bringt die Streitfragen zwischen den Geschlechtern aus der Sicht eines frauengeplagten Mannes gekonnt auf den Punkt.

Und dabei scheut die "schwäbische Schwertgosch" keinen Konflikt und lässt sich auf allerhand ein – sehr zur Freude des hiesigen Publikums. Bei seinem Auftritt in der Bürgerscheune wurden die Lachmuskeln der Zuschauer stark beansprucht.

LinkMichel hat etwas von einem Macho. Das Erste, was der aus Neuffen stammende Kabarettist seinem Publikum in der Gottenheimer Bürgerscheune verkündete, war, dass er unglaublich erfolgreich sei. Was zunächst überheblich anmutete, relativierte sich ziemlich schnell, als LinkMichel erklärte, dass er zwar viele Preise bekommen habe, für die er aber ordentlich hätte zahlen müssen. Ab diesem Zeitpunkt hatte der Kabarettist die Zuschauer in der bis auf den letzten Stuhl belegten Bürgerscheune auf seiner Seite. Und um diesen noch etwas näher zu kommen, holte sich LinkMichel für das Pressefoto eine Dame aus dem Publikum auf die Bühne. Er möge eben die ungestellten Fotos besonders gerne, verkündete LinkMichel im Brustton der Überzeugung.

Werbung


Es ist nicht so, dass LinkMichel sich zu einem Märtyrer für die Sache der Männer machen würde. Aber es gibt eben Dinge, die müssen gesagt werden. Zum Beispiel dass er es mit vier Frauen daheim manchmal ganz schön schwer habe, neben der Ehefrau hat Michael Klink drei Töchter. "Das ist wie Haifischtauchen ohne Käfig", sagt der Kabarettist. Das Publikum goutierte solche und viele weitere Sprüche mit Gelächter und Applaus.

Manchmal spricht auch große Verzweiflung aus den Geschichten von LinkMichel. Demokratie sei bei ihm zu Hause mehr eine Farce, erzählte er in Gottenheim. Als in seiner Familie darüber abgestimmt wurde, ob sein Rüde kastriert werden sollte, stand es vier zu eins. Natürlich konnte sich LinkMichel nicht damit abfinden, dass sein einziger Leidensgenosse seine Männlichkeit verlieren sollte. Aber er wurde halt überstimmt.

Das gab dem Kabarettisten in der Bürgerscheune die Gelegenheit, einmal so richtig auszuholen und seinen Frust über das vermeintlich schwache Geschlecht loszuwerden. Warum Frauen eigentlich immer schwätzen müssten, sinnierte LinkMichel. Das sei sicher genetisch bestimmt: "Es muss eben immer alles heraus." Ein tauber Mann sei da noch lange nicht der schlechteste Zuhörer. Und überhaupt: Der Mann schweige, weil er es eben einfach könne.

Glaubt man den Erzählungen LinkMichels zu seinen Eltern, so dürfte die Verständigung schon immer etwas schwierig gewesen sein im Hause Klink – oder wurde deswegen vielleicht wiederum leichter? Michael Klink bezeichnet sich selbst als halbblütiger "Fischkopfschwabe", und das erklärt eigentlich schon alles. Seine Mutter kommt aus dem hohen Norden aus Hamburg, sein Vater dagegen von der Schwäbischen Alb. LinkMichel ist also gewissermaßen zweisprachig zwischen spitzem Hochdeutsch und breitem Schwäbisch aufgewachsen. Da war es ihm in der Bürgerscheune denn auch gestattet, einmal so richtig über die Norddeutschen herzuziehen und ein wenig von seinem letzten Urlaub im Norden zu erzählen. Ob er denn nicht "Heu mähen" sollte, habe ihn ein arroganter Norddeutscher in Anspielung auf seinen schwäbischen Akzent gefragt. Er könne dann ja gleich auch noch Fallobst pflücken gehen, legte LinkMichel einen drauf. "Wer so viel Watt hat, sollte eigentlich etwas heller sein", lautete die Retour des Süddeutschen.

Vele Sprüche und Witze des Kabarettisten sind gefährlich nah an der Gürtellinie, aber eben nie darunter. Mit viel Ironie lässt LinkMichel jede noch so bissige Pointe am Ende zu einem Lacher werden.

Autor: Axel Dröber