Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. Mai 2011

Verjüngungskur für alten Wald

Forsteinrichtung für Gottenheim mit Waldbegehung.

  1. Die Forsteinrichterin Petra Binder erläuterte den Gemeinderäten den Zustand des Gottenheimer Waldes und den Handlungsbedarf der nächsten Jahre. Rechts Herbert Stiefvater vom Forstamt Staufen. Foto: mario schöneberg

GOTTENHEIM. Wie steht es um den Gottenheimer Wald, was ist dort in den nächsten zehn Jahren zu tun? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Rundgangs durch den Oberwald der Gemeinde Gottenheim. Forsteinrichterin Petra Binder und Vertreter der Forstverwaltung zeigten dort dem Gemeinderat vor Ort, wie es um den Wald der Tuniberggemeinde bestellt ist. Später stimmte der Gemeinderat in seiner Sitzung dem Forsteinrichtungswerk bis 2020 einstimmig zu.

Rund eineinhalb Jahre habe die Vorbereitung der Forsteinrichtung für Gottenheim gedauert, erläuterte Herbert Stiefvater, Leiter des Forstbezirks Staufen, in seiner Begrüßung. Er freute sich zudem, dass der Gemeinderat fast komplett an der Waldbegehung teilnehme. Dass die amtliche Forsteinrichtung in Baden historisch gewachsen und für die Gemeinden kostenlos sei, erläuterte anschließend Günter Schäfer von der Forstbehörde des Regierungspräsidiums. Grundlage hierfür sei das Badische Waldgesetz von 1833, das eine nachhaltige Planung für die heimischen Wälder vorschreibe. In Gottenheim wiederum sei die Forsteinrichtung seit 1847 aktenkundig, sie finde mit Stichtag 1. Januar 2011 zum 16. Mal statt.

Werbung


Forsteinrichterin Binder wiederum hob die Ziele für den rund 208 Hektar großen Gottenheimer Gemeindewald hervor. Hier handle es sich ausschließlich um Flussauenwälder, bei deren Bewirtschaftung die Nutzung, wie auch die Schutz- und die Erholungsfunktion gleichrangig seien. Der Gemeindewald teilt sich auf in die Bereiche Ober- und Unterwald in der Dreisamniederung sowie das Gebiet Nötig zwischen Tuniberg und Kaiserstuhl am Rand des Wasenweiler Rieds.

Alle Wälder seien in einem recht naturnahen Zustand urteilte die Forsteinrichterin. Die vorherrschenden Baumarten seien die Esche mit 41 Prozent, die Roterle (23 Prozent) und die Stieleiche, die aber nur noch auf neun Prozent der Fläche zu finden sei, und damit weiter an Boden verloren habe. Letztlich gebe es in Gottenheim als Schwerpunkt den Buntlaubmischwald, noch 30 Prozent Stieleichenmischwälder und neu einige nur extensiv genutzte Mischwaldflächen. Einen großen Teil des Bestandes machten Altholzflächen aus, deren Wertschöpfung aber erreicht sei. Hier bestehe die Gefahr, dass die Bäume kaputt gingen und so stark an Wert verlören.

So ein Altholzstandort war auch das erste Waldbild, zu der die Forsteinrichterin den Gemeinderat führte. Hier seien die Bäume im Schnitt 110 Jahre alt, einige Eichen sogar älter als 180 Jahre. Die Bestände seien sehr licht und dadurch sei der Boden stark mit Traubenkirschen oder Seegras bewachsen. Zusammen mit dem starken Verbissdruck durch den hohen Wildbestand sei daher eine Naturverjüngung in so einem Altholzbestand kaum möglich. Besonders schwer hätten es hier zudem die empfindlichen und langsam wachsenden Eichen. Eine Gefahr für die Waldwirtschaft bestehe zudem darin, dass man bei den alten Bäumen nicht wisse, ob sie noch gesund und damit als Stammholz nutzbar seien. Besonders Eschen könnten von innen her absterben, ohne dass man dies von außen erkennen könne. Dies gelte besonders dort, wo es früher viel Brennholznutzung gegeben habe. Da könne eine Baumwurzel sogar bis zu 50 Jahre älter sein als der eigentliche Baum, weil einst zur Brennholzgewinnung die Stämme jung gefällt wurden und der Wurzelstock neu ausgetrieben habe.

Die Eiche soll stärker gefördert werden

Ein Ziel für die kommenden zehn Jahre sei es, auf 18 Hektar Verjüngung zu erreichen, erläuterte Petra Binder. Weil dies aber aus natürlicher Verjüngung kaum zu schaffen sei, müssten rund davon 12,8 Hektar neu bepflanzt werden, hauptsächlich mit Stieleiche und Roterle. Eschen hingegen würden wegen des weit verbreiteten Eschentriebsterbens, einem Pilzbefall, durch den die Triebe von innen heraus absterben, nicht mehr eigens gepflanzt. Der Schutz und die Pflege der jungen Bäume seien zudem aufwändig und kostenintensiv. Sie zeigte im Anschluss eine Gruppe ganz junger Eichen, die in so genannten Tupex-Röhren vor Verbiss drch Rehe geschützt sind. An einer anderen Stelle sind Jungbäume durch eine eingezäunte Schonung geschützt.

Wichtig für den Schutz des Waldes sei daher eine Reduzierung des Wildbestandes, erläuterte die Forsteinrichterin, auch in Richtung der Jagdpächter Gustl Riehle und Bürgermeister Volker Kieber, die beide ebenso wie Revierförster Martin Ehrler der Besichtigungsgruppe angehörten. Kieber, selbst Jäger, erklärte, dass man hier im Wald wegen der geringen Sichtweite bei einer Einzeljagd kaum Beute machen könne und regte revierübergreifende Treibjagden an. Herbert Stiefvater vom Kreisforstamt erklärte dazu, es gelte das Prinzip Schützen durch Nützen. Sonst habe man irgendwann nur noch Traubenkirschen im Wald.

Ein weiteres Waldbild war später ein Altholzbestand auf sehr nassem Boden. Hier sei eine Bewirtschaftung nur schwer möglich, daher mache es Sinn, erklärte Petra Binder, diesen als extensiv genutztes Refugium auszuweisen. Möglicherweise gebe dies sogar Punkte fürs Ökokonto der Gemeinde.

Das letzte Waldbild war dann ein rund 30 Jahre alter Durchforstungsbestand. Hier gelte es, durch gezielte Durchforstung, also die Herausnahme konkurrierender Bäume, so genannte Zukunfts-Bäume zu fördern. Während das geerntete Holz als Brennholz genutzt werden könne, hätten die "Z-Bäume" die Chance, alt zu werden und sich zu wertvollem Stammholz zu entwickeln. Aber nur, wenn der Förster geschickt arbeite, wie Bürgermeister Kieber erläuterte. Die Bäume bräuchten Licht zum Wachsen, aber nicht zu viel, damit sich der Stamm nach oben entwickle und es keine die Holzqualität mindernden seitlichen Austriebe, so genannte Wasserreißer, gebe.

Im Ratssaal fasste Forsteinrichterin Binder noch mal zusammen, dass es im Gottenheimer Wald darauf ankäme, mehr in die Verjüngung zu investieren und die Altbestände zu nutzen, so lange sie noch Qualitätsholz böten. Der Hiebsatz solle daher von bisher 5,7 Festmetern je Hektar und Jahr auf rund 6,2 Festmetern erhöht werden. Schwerpunkt des Einschlags liege in den Altbeständen, 39 Prozent verblieben bei der Durchforstung.

In Zukunft werde sich wegen der höheren Investitionen in Pflege und Pflanzungen ein durchschnittlicher Ertrag von rund 6400 Euro pro Jahr aus der Waldwirtschaft, wie in den vergangenen Jahren, nicht mehr erzielen lassen. Optimistisch geschätzt sei aber noch immer eine schwarze Null beim Betriebsergebnis möglich, erläuterte Axel Heubach, Controller beim Forstreferat des Regierungspräsidiums, der auf Antrag Gottenheims den Gemeindewald einer Betriebsanalyse unterzogen hat. Günstigen Holzerntekosten und großem Interesse am Brennholz stünden hier gestiegene Verwaltungskosten und die Bürgerholzverpflichtung entgegen. So hat Gottenheim laut Bürgermeister Volker Kieber immer noch die erstaunlich hohe Zahl von 190 gabholzberechtigten Bürgern. Da dieses Recht aber seit den 60er Jahren nicht mehr neu vergeben und auch nicht vererbt werden kann, wird es mittelfristig verschwinden.

Gefahren sah Heubach in seinem Gutachten in der Verbreitung der Traubenkirsche, die darum kurz gehalten werden muss, sowie in einer möglicherweise schlechten Qualität des zu erntenden Altholzes. Ziel aus betriebswirtschaftlicher Sicht müsse es daher sein, den vorgesehenen Hiebsatz auszunutzen und die Erschließungs- als auch die Verwaltungskosten sowie den Wildbestand, und damit den Verbiss an Jungpflanzen, zu senken.

Autor: Mario Schöneberg