Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. Juni 2010

Verkehrslenkung oder B 31 West neu

Grüne Abgeordnete lehnen in Gottenheim den Weiterbau der B 31 ab, sehen aber Bedarf für eine Umgehungslösung mit Bypass.

  1. Gemeinsamkeiten wie Gegensätze legte die Diskussion mit Bürgerinitiativen zum Bau der B 31 offen, zu der Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber die grünen Abgeordneten Kerstin Andreae (links) und Edith Sitzmann eingeladen hatte. Foto: mario schöneberg

GOTTENHEIM. "Ich denke, wir sind uns einig, wir brauchen eine Lösung für Gottenheim", betonte die grüne Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae am Mittwoch bei ihrem Besuch im Gottenheimer Rathaus, als sie gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Edith Sitzmann, Bürgermeister Volker Kieber sowie Vertretern von Bürgerinitiativen über den möglichen Weiterbau der B 31 West diskutierte.

"Wir können nicht eine Entlastung für Umkirch und damit eine Belastung für Gottenheim schaffen", erklärte Kerstin Andreae, nachdem Bürgermeister Kieber im Ratssaal, in dem auch noch die Akten zur Offenlage für den zweiten Bauabschnitt der B 31 auslagen, die Situation aus Gemeindesicht dargestellt hatte. "Für Gottenheim ist schon die Planung für den ersten Abschnitt unbefriedigend", betonte Kieber. "Aber wir können nicht die Zeit zurückdrehen ins Jahr 1994, als der erste Abschnitt planfestgestellt worden ist". Insbesondere die parallel verlaufenden B 31 und die Landstraße 114/116 als Ortsumgehung für Eichstetten und Bötzingen kritisierte das Gemeindeoberhaupt als "paradoxe Straßenplanung". Die Anschlussstellen der beiden Straßen zur Bötzinger Straße lägen kaum einen Kilometer auseinander. Diese Achsen hätte man bündeln müssten, war sich Kieber sicher. Außerdem befürchtete er eine hohe Verkehrsbelastung und Gefahren für die Anwohner, insbesondere vom Schwerlastverkehr, in der Bötzinger Straße, über die der Verkehr nach Fertigstellung des ersten Abschnitts Richtung Breisach gelenkt werden soll.

Werbung


Die Grünen hätten im Jahre 2002 ihre Position zum ersten Abschnitt der B 31 verändert, erläuterte die Bundestagsabgeordnete Andreae. Grund sei die unhaltbare Situation in Umkirch gewesen. "Für uns steht die Entlastung der Gemeinden im Vordergrund, nicht die Verkehrsachse von Freiburg nach Breisach". Was ihr Sorge bereite, so Andreae, seien der zunehmende Schwerlastverkehr und die Umgehung der LKW-Maut auf den Autobahn A 5. Hier müsse man über eine sinnvolle Verkehrslenkung diskutieren. Der Schwerlastverkehr gehöre auf die Autobahnen und Richtung Frankreich und Breisach gebe es die sehr gut ausgebaute Verbindung über die Anschlussstelle Bad Krozingen.

Zum Weiterbau der B 31 gebe es wenig haushalterische Mittel für den Straßenbau; für den eigentlich für 2015 vorgesehenen neuen Bundesverkehrswegeplan gebe es nicht mal Vorbereitungen, erklärte Andreae. "Die vorhandenen Mittel reichen aktuell nicht mal aus, um alles zu bauen, was schon im vordringlichen Bedarf drin ist. Ich sehe es nicht, dass die B 31 in den nächsten 15 Jahren da rein kommt. Darum müssen wir eine andere Lösung finden, wie die begonnene Bundesstraße ausläuft."

Der, wenn auch vorläufige, Endpunkt der B 31 sei so nicht in Ordnung, erklärte auch die grüne Landtagsabgeordnete Edith Sitzmann. Dennoch sei es nicht gut, dem "Problem Schwerlastverkehr mit Straßen hinterher zu bauen". Zu den parallelen Trassen von Bundes- und Landstraße meinte die Abgeordnete: "Das sieht nicht nach sinnvoller Planung aus".

"Man hat mit der B 31 eine attraktive Verbindung Richtung Frankreich geschaffen, die nun den Verkehr in die Dörfer spült", betonte Hans Mattmüller von der Ihringer Bürgerinitiative (BI), die sich für den sofortigen Weiterbau der B 31 einsetzt. Die neue Straße sei attraktiv, kurz und günstig, da nütze auch eine Verkehrslenkung nichts. Für die Anwohner der vier Kilometer langen Ortsdurchfahrten in Ihringen und Wasenweiler sei es jetzt schon unerträglich. Sie sehe keinen Sinn darin, mittendrin aufzuhören, ergänzte Alexandra Dankert von der Gottenheimer BI. Es sei wichtig die ganze Strecke zügig weiterzubauen. Dem pflichtete auch Kreisrätin Ellen Brinkmann (SPD) aus Bötzingen bei und fragte die Kritiker eines Weiterbaus: "Wie viele Jahre wollen Sie die Bürger den Verkehrs- und Umweltbelastungen aussetzen?" Die Grünen müssten doch auch für die Menschen da sein, man könne nicht noch Jahre nach neuen Lösungen suchen.

Die Lastwagen sollten aus den Orten heraus gehalten werden

"Ich bin nicht bereit, vor den LKW zu kapitulieren", entgegnete Andreae. Aber man müsse sich Gedanken machen, wie man sie aus den Ortschaften heraus bekomme. Und sie verwies nochmals auf die knappen Mittel. Baden-Württemberg sei das Land, das ein Verkehrsprojekt nach dem anderen vorschlage, insgesamt derzeit 143. Daher sei ein Weiterbau nicht absehbar und man müsse eine pragmatische Lösung suchen, vielleicht den Bypass auf die Wasenweiler Straße. "Ich kann nichts versprechen, aber ihre Forderungen sind nachvollziehbar. Es kann nicht sein, dass die Straße einfach irgendwo endet".

Es sei nachzuvollziehen, wenn man sage, die Straße sei angefangen, nun solle sie auch fertig gebaut werden, betonte Edith Sitzmann. Doch bei dieser Planung sei insbesondere finanziell von Anfang an kein Ende absehbar gewesen. "In Sachen Bypass schließe ich mich daher an, das ist eine vernünftige Zwischenlösung".

Bürgermeister Kieber wiederum betonte nochmals das Planziel der B 31, eine Entwicklungsachse zwischen Freiburg und Breisach zu schaffen. Die ermögliche es, hier Gewerbe und Verkehr zu bündeln, schließlich brauche man auch LKW, um das wegzufahren, was produziert werde. Und wenn der öffentliche Personennahverkehr hier funktionieren solle, dann müsse die Straße unbedingt gebaut werden. Kieber verwies auf den Rückstau, der am Bahnübergang in der Bötzinger Straße entstehen werde, wenn die Breisgau-S- Bahn im Viertelstundentakt ausgebaut sein werde.

Autor: Mario Schöneberg