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04. Februar 2012

Weltruhm für ein "Wasser-Werk"

Gottenheimer Wasserskulptur wurde in einen Kunstband über bedeutende Kunstwerke im öffentlichen Raum aufgenommen.

GOTTENHEIM. Was haben die Sphinx und Stonehenge mit der Skulptur vor dem Gottenheimer Rathaus gemeinsam? Sie alle sind in einem Bildband eines renommierten schweizerischen Kunst- und Architekturverlages zu sehen, der weltweit 500 bedeutende Skulpturen im öffentlichen Raum vorstellt. Nicht ohne Stolz empfing Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber den Künstler Gerhard Birkhofer als Schöpfer der Skulptur jüngst im Rathaus.

"Es macht uns sehr, sehr stolz, dass Gottenheims Wasserskulptur in diesem Buch ist, denn dieser Umstand macht Gottenheim in der Welt bekannt", begrüßte Bürgermeister Volker Kieber die Anwesenden. Der Brunnen, der nun seit fast zehn Jahren direkt auf dem Gehweg vor seinem Amtssitz steht, war im Zuge der Rathaussanierung in den Jahren 2000 bis 2002 und aus Mitteln des Landessanierungsprogrammes finanziert worden. Im Gemeinderat wie in der Bevölkerung war das außergewöhnliche Kunstwerk zunächst heftig diskutiert worden. Doch unter Kiebers Vorgänger Alfred Schwenninger entschied sich schließlich eine große Mehrheit des Rats für das Gebilde aus Plexiglasrechtecken und Wasser.

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"Ich wollte mit dem Brunnen Akzente setzen, die nicht nach hinten, sondern nach vorne gerichtet sind", sagt Bildhauer Gerhard Birkhofer über die Grundidee zum Dorfbrunnen, der sich ganz bewusst von den sonst weitverbreiteten Sandsteingebilden mit Stadtwappen oder den "als Massenware produzierten sich im Wasser drehenden Steinkugeln" abhebt, wie der Künstler erklärte, der in Gottenheim auch sein Atelier betreibt. So wird der moderne Brunnen zum einen der Entwicklung der Gemeinde gerecht, die beispielsweise mit den Ansiedlungen von High-Tech-Unternehmen oder neuen Baugebieten in die Zukunft blickt. Andererseits bleibt durch die Durchsichtigkeit des Materials wie des Elements Wasser auch der Blick auf das alte Rathaus und damit auf die Geschichte der Ortschaft gewahrt. Nachts setzt der kunstvoll beleuchtete Brunnen mit der Rathausfassade einen besonderen Akzent. Und nicht zuletzt steht das "Wasser-Werk" auch für die an die Politiker immer öfter gerichtete Forderung nach mehr Transparenz.

Bedauerlicherweise wurde der Brunnen im Verlauf des Gottenheimer Nachtumzuges Ende Januar aber beschädigt. Durch mutwilliges Umwerfen und Zerkratzen der Plexiglasflächen ist ein Gesamtschaden von rund 5000 Euro an dem Kunstwerk entstanden, der jedoch bis zum Frühjahr behoben werden soll.

"Dies ist allerdings erst die zweite Sachbeschädigung seit Aufstellung des Brunnens", berichtet Birkhofer. Ein Umstand, den er nicht zuletzt auf die Wirkung seines Werkes selbst zurückführt. Die Größe der vier Plexiglasstelen ist nämlich keinesfalls zufällig gewählt, sondern folgt der so genannten "Fibonacci- Folge". Diese 1202 in Europa erstmals durch den Mathematiker Leonardo da Pisa beschriebene Zahlenreihe lässt sich gewissermaßen als "Bauplan" in der Natur wiederfinden. Ebenso wie der goldene Schnitt, dem die Maße des Brunnenbeckens folgen, entspricht das Gesamtgebilde also einer Harmonievorstellung, wie sie sich in der Natur und damit auch im Auge des Menschen wiederfindet. "Der Brunnen provoziert nicht, sondern bewirkt im Menschen eher ein beruhigendes Gefühl", erklärt Birkhofer.

Buchtipp: 500x Art in Public. Chris van Uffelen. Braun Publishing 2012.

Autor: Julius Steckmeister