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03. Dezember 2010
Winzer: Qualität stimmt, Erlös nicht
Gottenheimer Winzer haben 2009 etwas mehr verdient, sehen aber noch Nachholbedarf.
GOTTENHEIM. "Wir haben hier in zehn Jahren viel bewegt, doch beim Badischen Winzerkeller (BWK) ist in der Zeit nichts nach vorne gegangen", fasste Werner Baldinger, ehemaliger Vorsitzender der Gottenheimer Winzergenossenschaft (WG) die Kritik vieler Winzer an ihrem Vermarkter zusammen. Sonst konnten sich die Winzer in der Jahreshauptversammlung der WG über gute Weinqualitäten und ein gelungenes Jubiläumsfest freuen.
Rund 60 Mitglieder der WG hatten sich im Saal des Feuerwehrhauses eingefunden, um das Geschäftsjahr 2009/2010 Revue passieren zu lassen. Den Geschäftsbericht nahmen sie ohne Widerspruch zur Kenntnis und plädierten einstimmig für die Entlastung des Aufsichtsrats sowie von Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzenden Michael Schmidle.Das 50-jährige Jubiläum der WG mit dem gelungenen Festumzug im Sommer 2009 sei der Höhepunkt des zurückliegenden Geschäftsjahres gewesen, erläuterte Geschäftsführer Schmidle. Das Weinjahr 2009 wiederum sorgte für gute Qualitäten, aber bei nur durchschnittlichen Mengen beim Müller-Thurgau und Mindererträgen bei den Burgundersorten. Insgesamt wurden auf den 69,5 Hektar Rebfläche der Mitgliedswinzer rund 836 000 Kilogramm Trauben mit einem durchschnittlichen Mostgewicht von 96 Grad Öchsle geerntet. Davon entfielen 25 Prozent auf den Müller-Thurgau mit durchschnittlichen 83 Grad Öchsle, der Weißburgunder lag bei fünf Prozent Erntemenge und 99 Öchsle, Ruländer machte sieben Prozent der Ernte bei 101 Öchsle aus. Der Spätburgunder stellt mit 476 000 Kilogramm 61 Prozent der Ernte bei durchschnittlich 102 Grad Öchsle. Erfreulich sei, dass die Auszahlungspreise wohl um sechs Prozent gegenüber dem Jahr 2008 ansteigen werden, betonte Schmidle. Da aber auch die Betriebsausgaben gestiegen seien, müsse sich die Einkommenssituation der Winzer aber noch nachhaltig verbessern, betonte der WG-Geschäftsführer. Kritik übte Schmidle am BWK, insbesondere wegen dessen schlechten Image, seiner Vermarktungs- und Kostenstruktur. Schmidle rief die 189 Mitglieder der Genossenschaft auf, noch mehr für die Qualität der abgelieferten Tauben zu tun. So gebe es vier Winzer, die weniger als 4000 Euro Ertrag je Hektar bekämen, die Mehrzahl mit 50 Winzern liege im Mittelfeld bei 7000 bis 8000 Euro und zehn Mitglieder schafften es, über die 10 000 Euro- Marke zu kommen.
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Der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dersch berichtete vom Kauf der ehemaligen Tankstelle in der Ortsmitte, in der im Frühjahr die Verkaufsstelle der WG eingerichtet werden soll. Die notwendigen Umbauarbeiten seien ausgeschrieben, erläuterte Dersch. Er beglückwünschte die Winzer zu den Auszeichnungen für die Weine des Jahres 2009, so habe die WG unter bei der Landesweinprämierung drei Mal Gold und vier Mal Silber erhalten. Später dankte Dersch auch Michaela Baldinger für ihr Wirken als Weinprinzessin. Gemeinsam mit dem WG-Vorsitzenden zeichnete er Ernst Meier und Anton Streicher für 40 Jahre Mitgliedschaft und Dieter Streicher für 25 Jahre aus.
Bessere Zusammenarbeit für den Weinbau in der Region und in der Weinwerbung mahnte Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber an. Ausdrücklich lobte Kieber, dass der neue Vertriebsvorstand des BWK, Axel Hahn, den Winzern Rede und Antwort stehe. Und mit Blick auf die Querelen im BWK-Aufsichtsrat meinte der Bürgermeister, wenn es bei jedem kleinen Konflikt schon Rücktritte gebe, würde nie etwas bewegt werden.
Es sei gerade nicht vergnügungssteuerpflichtig, für den BWK zu arbeiten, meinte Axel Hahn zu und sprach von einem beispiellosen Selbstzerstörungsprozess, mit Protagonisten von innen und von außen. Dennoch sei der Winzerkeller kein dramatischer Sanierungsfall, auch wenn nun zur Krise noch eine geringe Ernte 2010 dazukomme. Auch wenn man beim BWK aufgrund der Betriebsstruktur – 1952 gegründet mit dem Ziel, überschüssigen Wein im Discount zu vermarkten – wohl nie in die höchsten Regionen beim Traubengeld kommen werde, sei es doch das Ziel, sich im Mittelfeld der Genossenschaftskellereien einzupendeln. Aktuell seien die Umsatzerlöse stabil, wenn auch bei steigenden Kosten. Bedauerlich fand es Hahn, dass Baden auf dem Weinmarkt nicht mit einer Stimme auftrete, besonders beim Rotwein seien daher die Preise dramatisch im Keller. Für das aktuelle Jahr komme noch hinzu, dass die Verträge mit den Discountern zu einer Zeit geschlossen wurden, als die geringste Ernte seit 1985 noch nicht absehbar gewesen sei.
Autor: Mario Schöneberg
