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04. Dezember 2008
"Wir tagen wieder einmal in Gottenheim"
Die "European Conference for Academic Disciplines" mit Wissenschaftlern aus der ganzen Welt geht heute zu Ende / Lob für die dörflichen Gastgeber
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125 Wissenschaftler aus mehr als 30 Ländern trafen sich in Gottenheim. Die besten Präsentationen wurden prämiert; links Bürgermeister Volker Kieber, daneben der Koordinator der Konferenz, Joseph Bonnici. Foto: Barbara Schmidt
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Weinstube wird Seminarraum: Auch in der Gutsschänke des Weinguts Hess fanden Vorträge des Gottenheimer Wissenschaftlertreffens statt . Foto: barbara schmidt
GOTTENHEIM. Seit Montag ist Gottenheim Schauplatz eines Treffens von 125 Wissenschaftlern aus aller Welt. Professoren, Universitätsdozenten und Hochschulabsolventen halten in dem Winzerdorf eine viertägige Konferenz ab. Am Montag standen Vorträge auf dem Programm. Nach Exkursionen am Dienstag und Mittwoch ins Elsass und nach Basel folgt heute in Gottenheim das Abschlusstreffen.
"Gottenheim ist schön und hat Charme, zudem wird die Gruppe hier herzlich aufgenommen", begründete der Koordinator der Konferenz, Joseph Bonnici, die Wahl des Tagungsortes. Bonnici war schon mehrfach in Gottenheim, mit Studenten aus seinem Kurs über internationales Marketing an der Central Connecticut State University in den Vereinigten Staaten. Bonnici meint, ausländische Studenten seien in kleinen Dörfern viel besser aufgehoben als in großen Städten, wo sie sich schnell verloren vorkämen. Oder hätte wohl Freiburgs Oberbürgermeister die Konferenzteilnehmer auch persönlich begrüßt, so wie es Volker Kieber getan hat, fragte er. Der Gottenheimer Rathauschef hat die Vorbereitungen für das Wissenschaftlertreffen von Anfang an begleitet.Werbung
Kieber erzählt, wie der erste Kontakt zustande kam: Bonnici habe mit seinen Studentengruppen immer im Gasthaus "Krone" logiert. Eines Tages habe der Wirt Heiko Isele im Rathaus angefragt, ob der Bürgermeister die Gruppe nicht begrüßen wolle. Kieber tat es, und nahm die Studenten auch gleich mit auf eine Rebhisli-Tour. Bonnici war begeistert und sagte, er wolle in Gottenheim eine Konferenz abhalten.
Sie hätten 40, vielleicht 50 Teilnehmer erwartet, so Kieber. Und die hätten sie auch problemlos unterbringen können. Dass es nun so viele geworden sind, "hat uns regelrecht überrumpelt", sagt Kieber. Die Vorträge mussten kurzfristig in das Feuerwehrgerätehaus verlegt werden. Eine kleinere Gruppe nutzt zudem die Gutsschänke auf dem Weingut Hess als Seminarraum. Die "Krone" konnte 18 Teilnehmer unterbringen, die anderen wurden ringsum in Bötzingen, Ihringen oder Freiburg einquartiert. Sie pendeln mit der S-Bahn nach Gottenheim.
Auch Bonnici hat die große Nachfrage überrascht. Schließlich sei es die erste Konferenz überhaupt, die er für die US-amerikanische Zeitschrift "International Journal of Arts and Sciences" organisiert habe, sagte der Marketing-Professor. Die Gottenheimer Tagung ist die erste von insgesamt sechs Treffen in Nordamerika und Europa, die vorrangig einem Austausch zwischen unterschiedlichen Fachrichtungen dienen sollen.
Die Teilnehmer selbst kommen aus der ganzen Welt, aus allen fünf Kontinenten und den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Eine Kulturwissenschaftlerin aus Australien konnte erfahren, womit sich ein Sportwissenschaftler in Ägypten beschäftigt. Eine rumänische Archäologin und ein Pädagoge aus Hongkong sprachen über ihre Methoden. Eine Medizinerin aus Taiwan präsentierte ihre Forschungsarbeit ebenso wie Erziehungswissenschaftler aus dem Iran. Alle Teilnehmer hatten ihre Kurzvorträge oder Präsentationen vorab einschicken müssen. Danach hatten die Organisatoren entschieden, wer an der Konferenz teilnehmen durfte. Sie hätten viel Werbung gemacht, sagte Bonnici und zählte auf: Im Internet und in Fachzeitschriften, jeweils auch in der Landessprache, beispielsweise in der Türkei. Die besten Präsentationen und Arbeiten wurden prämiert, die Preise wurden in Gottenheim übergeben und gingen unter anderem an Wissenschaftler aus Nigeria, der Türkei, dem Iran und Australien. Zuvor hatte die Amerikanerin Sharon Taylor einen Vortrag über die Suche nach ihrem im 2. Weltkrieg verschollenen Vater gehalten (wir berichteten).
Er habe aus dem Internet von der Konferenz erfahren, sagte David Von Over von der Wollongong-Universität in Dubai. Der Informatiker hat die Teilnahme an der Tagung und die Reise von seiner Hochschule bezahlt bekommen. Sie werde von ihrem Doktorvater gesponsort, erzählte Gu Yan, eine junge Chinesin, die in Melbourne Architektur studiert. Andere, wie Swapna Koshy, ebenfalls aus Dubai, mussten den Trip nach Europa nach eigenen Aussagen selbst finanzieren. Aber in vier Tagen Deutschland, Frankreich und die Schweiz zu sehen, das sei schon reizvoll, sagte die junge Dozentin von der Wollongong-Universität.
Die größte Gruppe unter den Teilnehmern seien Pädagogen, sagte Joseph Bonnici. So wie Beatriz Guardian Soto, Lehrerin an einer Oberschule in Mexiko-Stadt. Durch ihre Reise an den Tuniberg würden die Dozenten vielleicht dazu angeregt, auch mit ihren Studenten ins Ausland zu reisen, hofft Bonnici. Denn für Auslandsstudienprogramme zu werben, das sei ein weiteres Ziel der Veranstaltung.
Bonnici verbindet auch ein persönlicher Draht mit Südbaden: Seine Schwiegermutter stamme aus Breisach, erzählte er. Sie sei unmittelbar nach dem Krieg nach Kanada ausgewandert. Aber zwei Tanten seiner Frau lebten noch in der Münsterstadt. "So kam ich in Kontakt mit der Region", erläutert Bonnici. Er könne sich durchaus vorstellen, in ein oder zwei Jahren wieder eine Tagung in Gottenheim zu veranstalten, kündigte er an.
Bürgermeister Volker Kieber begrüßte am Montag im Feuerwehrsaal die Gäste auf Englisch und stellte Gottenheim als "wonderful wine growing village" vor. Er sprach über die Weinbautradition am Tuniberg und wurde dabei von Stefan Hess, dessen Tochter Janina und Vera Stork von der Heimat- und Trachtengruppe flankiert. Derweil bestückte Andreas Hess das Büfett. Anschließend führte Kieber die Gäste noch durchs Dorf zur Firma Sensopart. Dafür ließ ihm Bonnicis straffer Zeitplan allerdings nur eine halbe Stunde.
Autor: Barbara Schmidt


