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01. Dezember 2008 18:49 Uhr

Gottenheim

Wisssenschaftlertreffen am Tuniberg

Über 100 Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen,aus über 30 Nationen, treffen sich für vier Tage in Gottenheim. Der kleine Ort am Tuniberg wird zu einer internationalen Universität auf Zeit.

  1. Sharon Taylor bei ihrem Vortrag über die Suche nach ihrem Vater, der in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs über Sachsen abgeschossen wurde. Foto: Barbara Schmidt

  2. Sharon Taylor nach ihrem Vortrag im Gottenheimer Feuerwehrsaal im Gespräch mit jungen Wissenschaftlern. Foto: Barbara Schmidt

  3. Im Gottenheimer Feuerwehrsaal fand das Auftakttreffen des internationalen Wissenschaftlertreffens statt. Foto: Barbara Schmidt

Das Treffen richtet die US-amerikanische Wissenschaftszeitschrift "International Journal of Arts ans Scientists" aus.Beim Auftakttreffen am Montagmorgen im Gottenheimer Feuerwehrsaal gab es einen Vortrag als besonderen Programmpunkt: Sharon Taylor, selbst Psychologin an einer Universität im US-Staat Washington, gab einen persönlichen Bericht von der Suche nach ihrem Vater Shannon Estill. Dieser war, als sie gerade drei Wochen alt war, auf seinem letzten Flugeinsatz nur dreieinhalb Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, am 13. April 1945, als Kampfpilot über Sachsen abgeschossen worden. Den Angehörigen blieb nur diese Todesnachricht, aber kein Grab, als Ort der Trauer.

Sharon Taylor schilderte dies als Erfahrung einer Generation von Kriegswaisen, von denen viele als ganz kleine Kinder wie sie keinerlei persönliche Erinnerung an ihre gefallene Väter hatten. "Wo ist mein Vater? Mit dieser Frage blieben diese Kinder nach dem Krieg alleine" schilderte Sharon Taylor auch ihr eigenes Erleben. Diese Frage hat sie auch als erwachsene Frau nicht vergessen. In jahrelanger Arbeit hat sie sich auf die Suche nach der Antwort gemacht und sie letztlich, 60 Jahre nach dem Tod ihres Vaters, gefunden. Die Suche in amerikanischen und deutschen Archiven führt ins sächsische Elsnig als dem Absturzort. Dort helfen Zeitzeugen, das Feldstück aufzuspüren, in das sich der abstürzende Kampfflieger gebohrt hatte. Eine Suchgrabung startet, die dann nicht nur zweifelsfrei identifizierbare Bruchstücke vom Flugzeug Estills aufspürt. Auch Reste des Leichnams werden geborgen; eine DNA-Analyse der Knochenfunde schafft endgültige Klarheit. Im Oktober 2006, über 61 Jahre nach seinem Tod, kann die Tochter ihren Vater, den sie lebend nie gesehen hatte, geleitet von militärischen Ehren zur letzten Ruhe betten.

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Für die aus allen fünf Erdteilen gekommenen Akademiker, viele davon junge Nachwuchswissenschaftler, schlug der Vortrag nicht nur eine Brücke in die Geschichte. Sharon Taylors Erfahrungsbericht machte auch deutlich, wie politische Änderungen plötzlich neue Möglichkeiten eröffnen, auch für Begegnungen. Denn ihre Suche war erst nach dem Fall der Mauer durchführbar und sie wäre ohne den direkten Kontakt zu Menschen vor Ort in Sachsen unmöglich gewesen. Auch die jungen Wissenschaftler konnten dies gut nachvollziehen. Denn für sie sind der Austausch und die Begegnung eine Grundvoraussetzung guter Arbeit, auch über noch so hohe, von Konflikten aufgeworfene Grenzen hinweg. So tauschen sich an den vier Tagen des Gottenheimer Treffens in völlig zwangloser Atmosphäre Wissenschaftler aus westlichen und islamischen Ländern, aus Afrika, Lateinamerika und Asien aus.

Hintergrund: Zum Wissenschaftlertreffen in Gottenheim

http://www.badische-zeitung.de/gottenheim/las-vegas-orlando-malta-toronto-gottenheim

Autor: fri