Die einen feiern, die anderen arbeiten

Wilfried Dieckmann

Von Wilfried Dieckmann

Mi, 27. Dezember 2017

Grafenhausen

Nicht nur Feriengäste, auch Einheimische genießen an Heilig Abend den Service in einem Restaurant / Nur wenige Gasthäuser geöffnet.

OBERES SCHLÜCHTTAL. Im Regelfall wird das Weihnachtsfest im Schwarzwald gemäß der christlichen Kultur traditionell im Kreise der Familie gefeiert. In den meisten Familien beginnt der Heiligabend mit dem Abendessen, zu dem als Hauptgericht beispielsweise Gans, Ente oder Schweinebraten mit Rotkohl auf den Tisch kommen. Eile ist an diesem Festtag nicht vorgesehen, da die Weihnachtsgeschenke vom Christkind meist schon unter dem festlich geschmückten Baum für die Bescherung bereitgelegt wurden. Wie gesagt, im Regelfall.

Heilig Abend im Restaurant?
Es gibt aber auch viele Menschen, die das Weihnachtsfest nicht in den eigenen vier Wänden verbringen, sondern für einen Kurzurlaub nutzen. In dem Fall ist das Festmahl am Heiligen Abend in dem jeweiligen Hotel gesichert. Es gibt aber auch Urlaubsgäste, die in einer Ferienwohnung untergekommen sind, aber einfach nicht selber kochen wollen. Auch sonst gibt es immer mehr Menschen, die aus verschiedenen Gründen am Heiligen Abend nicht am heimischen Küchenherd stehen und sich lieber in einem Restaurant verwöhnen lassen möchten. Dann stellt sich unweigerlich die Frage: "Wo können wir denn essen gehen?" In den Gemeinden Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf ein in der Tat nicht ganz einfaches Unterfangen, da es am Heiligen Abend im Rothauser Land diesbezüglich wirklich schlecht aussieht. Wie Ayleen Kaiser von der HTG-Touristinfo Grafenhausen auf Anfrage informierte, hatten in Rothaus der Brauerei Gasthof lediglich bis 14 Uhr sowie in Birkendorf das Gasthaus Post (bis 13.30 Uhr) und das Gasthaus Waldschenke (bis 14 Uhr) geöffnet. Am Heiligen Abend stand für Nicht-Hotelgäste nur das Hotel Sonnenhof & Sonnhalde (mit einem Vier-Gang-Menü) in Birkendorf zur Verfügung. "Alle anderen Betriebe haben an Heilig Abend geschlossen", so Ayleen Kaiser von der Touristinformation.

Traditionen ändern sich
Die Gründe, am Heiligen Abend nicht daheim zu essen, sind vielfältig. Nicht nur in der Großstadt, auch in ländlichen Regionen ändern sich Traditionen. "Wir haben grundsätzlich nichts gegen ein Essen unter dem eigenen Weihnachtsbaum", betonten Ulla und Dieter Raitor aus Krenkingen, die bereits seit einigen Jahren den Heiligen Abend im Restaurant Sonnenhof in Birkendorf verbringen, im Gespräch mit der Badischen Zeitung. Es sei aber einfach schön, sich an dem Festabend verwöhnen zu lassen und nicht am eigenen Herd kochen zu müssen. "Hier können wir ein leckeres Menü, mit unseren Freunden, die diesmal mitgekommen sind, so richtig entspannt bei stimmungsvollem Ambiente genießen", hob Dieter Raitor hervor. Auch das befreundete Ehepaar aus Zurzach, dass im Regelfall die Weihnachtszeit in wärmeren Ländern verbringt, war nicht nur von dem Vier-Gang-Menü, sondern auch von der weihnachtlichen Atmosphäre angetan. Es habe alles gepasst, so die vier Gäste unisono.

Zwei weitere Gäste vom Bodensee erzählten im Gespräch mit der BZ, dass sie die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr im Gasthaus "Schießelhof" in Grafenhausen-Rippoldsried verbringen. Da das Restaurant am Heiligen Abend geschlossen hatte, nutzten sie das Angebot im Sonnenhof in Birkendorf.

Zahlreiche Gäste aus Birkendorf, die den Heiligen Abend unter dem eigenen Christbaum verbringen, nahmen am Abend dennoch gern das Angebot an, einen Glühwein oder Punsch am schneebedeckten "Hexenhäusle" in der Gartenanlage vor dem Hotel zu genießen.

Tanzen um den Baum
Auch in Dänemark wird das Weihnachtsfest traditionell gefeiert. Dies haben nordische Gäste im Hotel Sonnenhof-Sonnhalde am Heiligen Abend erzählt. Geschenke gibt’s auch in Dänemark unterm Weihnachtsbaum. Der sollte allerdings nicht in irgendeiner Ecke stehen. Schließlich pflegen die Dänen um das Schmuckstück zu tanzen – auch im Restaurant Sonnenhof. Hotelmitarbeiter hatten einen großen Baum für diese Tradition mitten im Saal platziert. Nach dem Entzünden der Lichter, die Einleitung zum zweiten Höhepunkt des Abends, tanzten die dänischen Gäste um den Weihnachtsbaum herum und sangen gemeinsam Weihnachtslieder – christliche und weltliche.

Auf Kosten des Personals?
Viel Lob gab es von den rund 120 Gästen am Heiligen Abend im Restaurant Sonnenhof. Bleibt das Personal dabei auf der Strecke? "Wenn ich einen Beruf im Hotel- und Gaststättenbereich gewählt habe, dann weiß ich, dass ich Dienstleistungen erbringen muss, wenn andere Menschen Feste feiern", so Hotelchef Ulrich Blatter. Es sei aber auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit, Gäste zu bewirten, wenn sie im Schwarzwald verweilen. "Ruhige Zeiten haben wir im Winter genug", meinte der Hotelchef. Hinzu komme, dass insbesondere auch Menschen, die allein sind, eine Möglichkeit geboten werden müsse, den Festabend in passender Atmosphäre mit Anderen in der Gemeinschaft zu verbringen. "Ich kann, wenn ich Theologie studiert habe, als Pfarrer später auch nicht sagen, ich möchte das Weihnachtsfest ganz privat allein verbringen", sagte Blatter abschließend.

"Grundsätzlich würde ich den Heiligen Abend lieber im Kreis der Familie verbringen, aber mein Beruf ist die Berufung", so David Hermann, der den Abend gutgelaunt im Service verbrachte und sich stets um die Gäste bemühte. Dieses wurde ihm nach seinen Worten quasi in die Wiege gelegt, somit sei er auch mit "Herzblut" dabei: "Es ist wie die zweite Familie, da wir den größten Teil der Gäste seit Jahren kennen", meinte David Hermann im Gespräch mit der Badischen Zeitung abschließend.