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25. September 2009
In Bourbon-Fässern gereift
Staatsbrauererei bringt "Single Malt Whisky" auf den Markt / 1500 Flaschen von Hand abgefüllt
GRAFENHAUSEN/ROTHAUS. Obwohl die Badische Staatsbrauerei Rothaus über genügend eigene Fässer im Bierkeller verfügt, hat sie nun ein komplett neues Fass aufgemacht: Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte Alleinvorstand Thomas Schäuble mit dem "Rothaus Single Malt Whisky" ein brandneues Produkt vor. Bereits ab Oktober sind die ersten Flaschen des Whiskys, der drei Jahre lang in ehemaligen Bourbon-Fässern reifte, im Rothaus-Shop erhältlich.
"Der Reigen der neuen Produktlinien, bestehend aus Eiszäpfle, Radler und Single Malt Whisky, ist nun komplett und abgeschlossen", betonte Brauereichef Thomas Schäuble bei der Vorstellung des nagelneuen Produktes. Die Whisky-Produktion sei zwar nicht als zweites Standbein der Staatsbrauerei Rothaus geplant, es sei aber nach Schäubles Worten auch keine Spielerei. Wie aber kommt Rothaus vom Bier zum Whisky? Bereits vor Schäubles Amtsantritt in Rothaus sei er von einem Landtagskollegen gefragt worden, warum denn in Rothaus angesichts der Verarbeitung von Gerstenmalz kein Whisky hergestellt wird. Zu diesem Zeitpunkt, als die Brauerei noch unter Leitung von Norbert Nothhelfer stand, wurde aber bereits von Braumeister Max Sachs an dem nun vorgestellten Produkt experimentiert. Da sich der ehemalige Finanzminister Stratthaus selbst als Whisky-Freund outete, sei es im Jahr 2005 auch kein Problem gewesen, den Aufsichtsrat von dieser Idee zu überzeugen. Der Sprung vom Bier zur Spirituose sei auch keine brandneue Erfindung: "Die Brauerei Rothaus hatte bereits früher schon ein Brandrecht für Kernobst, das aber Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts erloschen ist", berichtete der Alleinvorstand.Werbung
Angesichts der Tatsache, dass sich keine Brennerei zum Umsetzen des ehrgeizigen Projektes fand, war der Braumeister aus Rothaus kurz vor der Aufgabe. Durch Zufall konnte mit der Destillerie Kammer-Kirsch in Karlsruhe ein kompetenter Partner gefunden werden. Obwohl das Kerngeschäft der Brennerei auch im Bereich Kernobst liegt, konnte sich Geschäftsführer Gerald Erdrich mit der Produktion anfreunden. Eine nicht ganz einfache Entscheidung. Denn einen Flopp konnte sich der Karlsruher Firmenchef nicht nur in seiner Funktion als Verbandssprecher der deutschen Klein- und Obstbrenner keineswegs leisten – es stand auch sein Ruf als "Keeper of the Quaich" (Whisky-Botschafter in Deutschland für die schottischen Herstellerbetriebe) auf dem Spiel. Thomas Schäuble bezeichnete die erfolgreiche Kooperation mit der Destillerie als "eine kleine Familienzusammenführung", handelt es sich doch bei der Destillerie Kammer-Kirsch um die ehemalige Versuchs- und Lehrbrennerei des Großherzogtums Baden.
Im Rahmen der Präsentation im Museum der Brauerei Rothaus zeigte Gerald Erdrich mittels Proben die Reifeentwicklung des Whiskys auf und erläuterte das Produktionsverfahren. In Rothaus wird das Gerstenmalz, das auch bei der Bierproduktion verwendet wird, mit weichem Quellwasser eingemaischt und in Tankwagen zur Brennerei nach Karlsruhe transportiert. Aroma erhaltend wird das spezielle Malz dann in "kleinen Kupferbrennblasen" unter Aufsicht der Brennmeister zweifach destilliert. Um eine optimale Qualität zu erreichen, wird beim Brennen nach Endrichs Worten auf den Vor- und Nachlauf verzichtet. Der Feinbrand mit rund 58 Prozent Alkoholgehalt wird dann in ehemalige Bourbon-Whisky-Fässer, die in den USA nur einmal verwendet werden, aus weißer Eiche abgefüllt und reift in Temperatur beständigen Kellern. Auf seine endgültige Alkoholstärke von 43 Prozent wird der "Single Malt Whisky" mit Quellwasser aus Rothaus eingestellt. Nach nunmehr knapp drei Jahren ist die erste Produktion abgeschlossen, es stehen 1500 Flaschen zur Verfügung: "Diese homöopathische Menge wird komplett von Hand abgefüllt", betonte der Fachmann aus Karlsruhe. Zufrieden zeigte er sich mit dem ersten Whisky aus Rothaus, den er als mild und harmonisch bezeichnete: "Ich bin glücklich über Geschmack und Weichheit", meinte Gerald Erdrich nach der ersten Produktprobe, an der neben Vertretern der Presse auch der ehemalige Brauereichef Norbert Nothhelfer sowie Mitglieder des Aufsichtsrates teilnahmen.
In den Handel kommen wird der Whisky allerdings zurzeit noch nicht. Angeboten werden die geringen Mengen zum Preis von 50 Euro je Flasche im Shop der Brauerei Rothaus und bei der Destillerei Kammer-Kirsch in Karlsruhe.
Autor: Wilfried Dieckmann
