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18. März 2014 16:47 Uhr

Pannenreaktor

Greenpeace besetzt Akw Fessenheim – Polizei nimmt 56 Aktivisten fest

Spektakuläre Aktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace: Mit einem 19-Tonner durchbrachen mehr als 50 Aktivisten die Absperrung zum Akw Fessenheim und entrollten ein Banner.

Greenpeace hat am Dienstag mit einer spektakulären Aktion das Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim besetzt. Gegen 6 Uhr durchbrachen Aktivisten die erste Absperrung des Akw-Geländes mit einem 19-Tonnen-LKW. Polizisten konnten nicht verhindern, dass Greenpeace-Leute Block eins erreichten, auf den Reaktor kletterten und dort ein Banner entrollten (Fotos). Akw-Leitung und Präfektur bemühten sich später, die offen gelegten Sicherheitsmängel kleinzureden. Bis zum frühen Nachmittag waren alle 56 Aktivisten festgenommen. Drei von ihnen wurden verletzt.

"Den Beamten war bewusst, dass es sich um friedliche Aktivisten handelte", sagte Akw-Direktor Thierry Rosso am späten Vormittag bei einer Pressekonferenz. "Deshalb haben sie nicht zu den Mitteln gegriffen, die im Ernstfall zum Einsatz kämen." Im Ernstfall? Hätten die Greenpeace-Leute aus 14 Ländern, unter ihnen viele Deutsche, etwas anderes beabsichtigt als bloß vor den Risiken der Atomkraft zu warnen, sie hätten mit der entsprechenden Ausrüstung Verheerendes anrichten können.

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Und so stand eine Sprecherin von Greenpeace Hamburg auf dem Damm an der gegenüberliegenden Seite des Grand Canal d’Alsace und erläuterte den anwesenden Journalisten triumphierend die Ereignisse des Vormittags: "Wir konnten kurz nach Beginn unserer Aktion auf dem Gelände mehrere Alarmdurchsagen hören", berichtete Susanne Neubronner. Auf diese Weise habe die Akw-Leitung wohl die Mitarbeiter beruhigen wollen.

Stundenlang kreiste der Polizeihubschrauber

Das riesige gelbe Banner mit der Aufschrift "Stop Risking Europe" prangte zu diesem Zeitpunkt seit mindestens vier Stunden auf der Betonwand von Block eins, dem älteren der beiden 1977 in Betrieb genommenen Reaktoren. Die ersten Aktivisten waren um circa 6.30 Uhr auf das Dach gelangt. Etwa eine Stunde später setzte ein Helikopter Polizisten auf dem Dach ab. Gegen 11 Uhr waren dort oben immer noch geschätzte zwei Dutzend Menschen zu erkennen.

Aus der Ferne ließ sich erahnen, wie die Polizisten versuchten, die Greenpeace-Leute einzufangen. Über ihnen kreiste stundenlang ein Polizeihelikopter. Entlang der Innenseite des Absperrungszauns standen Beamte in blauen Uniformen dicht an dicht.

Kritik am Problem-Reaktor Fessenheim

Umweltschützer am Oberrhein kritisieren seit Jahren, das Akw sei zur Dammseite, wo unter anderem die Brennstäbe gelagert werden, unzureichend geschützt. Genau diesen Weg hatte Greenpeace allerdings nicht gewählt. "Von dieser Seite her sind die Sicherheitsvorkehrungen schwieriger zu überwinden", sagte die Greenpeace-Sprecherin.

Der Vorstoß gelang am frühen Morgen auf dem Fußweg. Mit einem 19-Tonner-LKW hatten die Greenpeace-Aktivisten in der Dämmerung den ersten Absperrzaun durchbrochen. Die nächste Barriere überwanden sie mit einem auf dem Laster mitgebrachten Container, in dem sich der Aktionstrupp befand. Besagten Container nutzten sie als Basis für eine mitgebrachte Brücke. Im Laufe des Vormittags gab Greenpeace ein Video weiter, in dem zu sehen ist, wie die eigenen Leute mit Hilfe der Brücke über den Akw-Zaun spazierten. Die Polizei setzte ihnen keinen nennenswerten Widerstand entgegen.

"Erschreckend problemlos"

An der Wasserseite des Atomkraftwerks begann später Teil zwei der Aktion. Aus Richtung Süden preschten fünf orangerote, motorisierte Schlauchboote auf dem Grand Canal d’Alsace bis auf die Höhe des Akw vor. Zunächst sah es so aus, als wolle sie ein einzelnes, ebenfalls motorisiertes Polizeiboot zurückhalten. Die Aktivisten waren in der Überzahl, fuhren ungehindert weiter und so entfalteten sie auf dem Wasserspiegel – zwei von ihnen stiegen dazu in Neoprenanzügen ins Wasser – ein blaues Banner: " Stop nuclear".

Als "erschreckend problemlos" bezeichnete der BUND südlicher Oberrhein am Dienstag die Akw-Besetzung. Michel Habig, Vorsitzender der Überwachungskommission Fessenheim und erklärter Atomkraftbefürworter, reagierte ebenfalls besorgt. "Die Sicherheit des Akw Fessenheim muss absolute Priorität haben", teilte er mit. "Es ist die Aufgabe des Staates, dafür Sorge zu tragen." Habig forderte auch eine Untersuchung.

Das Thema wird zweifellos die Überwachungskommission beschäftigen, deren jüngste Sitzung auf den Mittwoch fällt. In der Clis treffen sich Vertreter der Kommunen aus dem Elsass, der oberrheinischen Umweltverbände und des Regierungspräsidiums Freiburg regelmäßig zum Meinungsaustausch mit der Akw-Leitung aus Fessenheim und der französischen Atomaufsicht.

Es ist nicht die erste Mal, dass die Umweltschutzorganisation in der Region für Aufsehen gesorgt hat: Am 5. März hatten Greenpeace-Aktivisten das Akw Beznau in der Schweiz besetzt.
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Autor: Bärbel Nückles, Video: Florian Kech, Oliver Huber