Jugendschöffengericht

Grenzach-Wyhlen: Bewährungsstrafe für Räuber

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Mi, 12. Dezember 2018 um 15:00 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Wegen eines versuchten Raubüberfalls auf die Angestellte einer Tankstelle hat das Jugendschöffengericht in Lörrach einen 21-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ein versuchter Raubüberfall in Grenzach-Wyhlen war am Dienstag Gegenstand einer Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht im Amtsgericht Lörrach. Die beiden Angeklagten wurden zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung beziehungsweise wegen Beihilfe zu hundert Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Angestellte konnte Geld in Einzahlungsschacht fallen lassen

Am 25. März 2017 hatte der Angeklagte mit einem Komplizen die Mitarbeiterin einer Tankstelle in der Sparkasse Grenzach überfallen, als diese dort die Tageseinnahmen von knapp 8000 Euro einzahlen wollte. Zunächst hatte Freundin des Beschuldigten, die ebenfalls mit angeklagt war, mittels WhatsApp die Position der Geschädigten an die Täter übermittelt. Mit einem Pfefferspray in Pistolenform hatte der Angeklagte die Frau bedroht und mit einem darin integrierten grellen Licht geblendet. Der zweite Täter zog sie an den Haaren und drückte sie gegen den Automaten. Beide trugen Masken. Daraus entwickelte sich ein Handgemenge, in dessen Verlauf es der Frau gelang, das Geld in den Einzahlungsschacht zu legen und diesen wieder zu schließen. Daraufhin flüchteten die beiden Täter.

Staatsanwältin Ramona Schmidt beschuldigte den 1997 geborenen Angeklagten des versuchten schweren Raubs. Zudem habe er im März dieses Jahres einen Bekannten, der ihm Geld schuldete, mit einem Messer bedroht.

Angeklagter soll Bekannten mit Messer bedroht haben

Auch der Verstoß gegen das Waffengesetz wurde ihm zu Last gelegt, nachdem bei einer Hausdurchsuchung zwei verbotene Butterfly-Messer gefunden worden waren. Verteidiger Markus Reiser räumte ein, dass sein Mandant sich an dem Inhaber der Tankstelle habe rächen wollen, weil dieser ihm gekündigt habe. Er habe keine Dritten schädigen wollen. Die Pfefferspraypistole sei des Weiteren nur mit Wasser gefüllt gewesen. Der zweite Täter habe die Mitarbeiterin an den Haaren gezogen und an die Wand gedrückt. Dennoch fühle sich sein Mandat insgesamt für die Tat verantwortlich.

Seine Freundin habe von den Tatplänen im Vorhinein nichts gewusst und sei erst kurz davor davon informiert worden. Den zweiten Täter könne sein Mandant nicht benennen, da er von diesem bedroht wurde. Auch den Besitz der Butterfly-Messer räumte er ein. Die Bedrohung einer Person mit einem Messer hingegen habe nie stattgefunden. Vielmehr habe es sich um eine rein verbale Auseinandersetzung gehandelt. Zudem habe der Angeklagte sein Leben, nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung im vergangenen Jahr radikal verändert.

"Wie in einem Horrorfilm." Geschädigte
Auch die Freundin des Angeklagten lies durch ihren Anwalt Ralf Ulrich erklären, dass sie die Position der Geschädigten zwar an ihren Freund übermittelt habe, von dem genauen Tatplan jedoch nichts gewusst habe. Sie habe nur ihrem Freund und jetzigen Verlobten helfen wollen. Erst im Nachhinein sei ihr bewusst geworden, was die Tat für die Überfallene bedeute. Dafür wolle sie sich entschuldigen. Die überfallene mittlerweile 27-Jährige aus Grenzach-Wyhlen berichtete über den Ablauf und die Folgen des Überfalls. Sie sei abends nicht mehr allein aus dem Haus gegangen, habe keine Spätschichten mehr übernommen und erinnere sich, wenn sie alleine sei, ab und an immer noch an die Masken der beiden, "wie in einem Horrorfilm".

Richter betont die unglaublich brutale Tat

Befragt wurde auch der ermittelnde Kriminalhauptkommissar. Durch Zeugen habe man die Masken, Gummihandschuhe und den Kapuzenpullover in einem Biotop gefunden, erklärte dieser. Den Pullover habe man als Bestellung zurückverfolgen können. Ebenfalls wurden die Standortdaten ausgewertet, sowie die Smartphones des Angeklagten und die darauf befindlichen Chatverläufe. Auch wurde in einem der Handschuhe DNA des Angeklagten gefunden.
Richter Martin Graf und die beiden Schöffen verurteilten den Angeklagten wegen versuchten schweren Raubes mit gefährlicher Körperverletzung und Waffenbesitzes zu einem Jahr und sechs Monaten nach Jugendstrafrecht, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem wurde ihm ein Bewährungshelfer verordnet. Die Verteidigung hatte ein Jahr und drei Monate, ebenfalls auf Bewährung gefordert. Die Angeklagte wurde wegen Beihilfe zur Leistung von hundert Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen Mittäterschaft gefordert.

Mitarbeiterin habe heroisch gehandelt

In seiner Urteilsbegründung betonte Richter Graf die unglaublich brutale Tat. Es bleibe unklar, was den Angeklagten, der zuvor nicht weiter mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, plötzlich zu so einer brutalen Tat gebracht habe. Der Vorfall hätte auch viel schlimmer enden können. Auch wenn beide in der Verhandlung ein Geständnis abgelegt hätten, so sei auch die Beweislast erdrückend gewesen. Zugleich lobte er noch einmal die heroische Reaktion der überfallenen ehemaligen Tankstellenmitarbeiterin. Auch die Mitangeklagte habe einen nicht unwesentlichen Tatbeitrag geleistet, indem sie deren Standort an die Täter übermittelt habe. Allerdings sei nicht sicher, ob sie mit in den Tatplan eingeweiht war. Das zivilrechtliche Verfahren gegen die beiden Angeklagten durch die Geschädigte wurde gegen eine Zahlung von 3000 Euro beigelegt. Er trägt auch die Kosten des Verfahrens.