Hochrhein

20 000 Fische werden mit Chips versehen

eim

Von eim

Mi, 10. Mai 2017 um 17:55 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Das Bundesamt für Umweltschutz der Schweiz (BAFU) möchte genauere Erkenntnisse über die Wege der Fische im Hochrhein gewinnen. Dafür werden 20000 Fische mit Chips versehen.

GRENZACH-WYHLEN. Dass Hund und Katze mit einem Chip markiert werden, ist allgemein bekannt, aber Fische? Doch, das findet derzeit am Hochrhein statt. Nicht etwa, weil es darum geht, sie für ihre Besitzer zu markieren, sondern um ihre Bewegungen zu beobachten. Man möchte feststellen, wie gut die Fische über die verschiedenen Aufstiegshilfen kommen. Dafür werden 20 000 Fische gechipt.

In den vergangenen Jahren legte der Stromproduzent Energiedienst an seinen Wasserkraftwerken am Hochrhein neue Fischaufstiege an. Das breite Aufstiegsgewässer am neuen Kraftwerk in Rheinfelden setzte Maßstäbe, ebenso der erst vor zwei Jahren eröffnete, mehr als einen Kilometer lange Umgehungskanal am Stauwehr vor Schwörstadt. 2008 wurde der Fischaufstieg am Kraftwerk Wyhlen eröffnet. Die regelmäßigen Fischzählungen bestätigten, dass die Tiere sehr häufig diese angebotenen Wege nutzen.

Nunmehr möchte das Bundesamt für Umweltschutz der Schweiz (BAFU) genauere Erkenntnisse über die Wege der Fische im Hochrhein gewinnen. Dabei geht es auch darum, zu verstehen, ob Tiere standorttreu sind oder auch, ob sie überhaupt die Fischaufstiege finden. Deshalb startete das Schweizer BAFU ein Großprojekt zur Transponder-Markierung von Fischen. Seit einigen Wochen werden in den Aufstiegen Fische abgefangen und erhalten einen der Transponder. Dazu kommen sie zunächst in ein Becken mit Betäubungsmittel, dann wird ihnen per Hand mit einem kleinen Skalpell ein Minitransponder in den Bauchraum eingesetzt. Nachdem sie in einem weiteren Becken wieder munter geworden sind, werden sie jeweils im Unterwasser der Kraftwerke frei gelassen. Partner für die Aktion ist das Institut für angewandte Ökologie (IFOE) mit Sitz im hessischen Vogelsbergkreis. Institutsmitarbeiter Eduard Ballon beschrieb das Projekt bei einer Pressevorstellung am Mittwoch: "Seit April konnten wir bereits 700 Fische markieren, vorgesehen ist, dass wir bis zu 20 000 Tiere mit einem Cip versehen. Uns stehen dafür drei verschiedene Größen zur Verfügung, der kleinste Chip ist nur zwölf mal zwei Millimeter groß."

Jeder der Chips trägt eine ganz spezielle Nummer und wird registriert. An den Fischaufstiegen wurden dicht über dem Wasser Antennen angebracht, die beim Durchschwimmen der Fische deren Identifikationsnummer aufnehmen. Wird ein Fisch gefangen, erkennt ein spezielles Lesegerät, ob er bereits einen Chip in sich trägt. Bereits in den ersten Monaten wurden doch erstaunliche Wanderungen registriert. So schwamm eine Plötze vom Unterwasser des Kraftwerkes Wyhlen bis nach Rheinfelden, das in nur fünf Tagen. "Für solch kleine Fische ist das eine enorme Leistung," sagte Ballon.

Auch Angler profitieren von den gechipten Fischen

Sein Schweizer Kollege Lukas Bammatter wies darauf hin, dass Fische durchaus nicht nur zur Vermehrung an alte Laichplätze zurückschwimmen, sondern generell sehr aktiv sind. Auch bei Hochwasser weggetriebene Tiere kommen oft zurück. Diese Beobachtung des Fischbestandes am Hochrhein lässt vielfältige Erkenntnisse erwarten. Die meisten der 35 hier lebenden Fischarten werden einbezogen, sowohl die kleineren wie Nase, Rotauge und Schneider als auch die größeren Forellen und Hechte.

Der Fischerverein Grenzach-Wyhlen, der die Aufstiegsanlage am Kraftwerk überwacht, unterstützt dieses Projekt, indem die Fische durch seine Mitglieder für die Markierung in das Verweilbecken gebracht werden. Jeder Angler, der einen Fisch mit Transponder fängt, wird von den Wissenschaftlern gebeten, diesen mit der genauen Angabe von Fangort, Länge und Gewicht sowie den eigenen Kontodaten an das Institut für angewandte Ökologie zu schicken. Denn dafür gibt es sogar 20 Euro Honorar. Den gefangenen Fisch darf der Angler allerdings behalten, der hat auf dem Postweg nichts verloren.