ANSICHTSSACHE: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Do, 20. Dezember 2012

Grenzach-Wyhlen

Seit anderthalb Jahren läuft nun der Prozess der Ansiedlung der Firma Zimmermann auf dem BASF-Areal. Was die Beteiligung der Bürger angeht, blieb man in Grenzach-Wyhlen weit über dem, was die Verfahren vorsehen. Gemeinderäten und Verwaltung ist es wichtig, die Ansicht der Bevölkerung zu kennen und für das Gemeinwohl zu entscheiden. Dass alle Bürger über jede Entscheidung glücklich sind, wird es wohl nur selten geben. Auch wenn zu Infoveranstaltung und Gemeinderatssitzung insgesamt knapp 400 Personen kamen, waren das doch vornehmlich motivierte Gegner. Es gibt auch Bürger, die die Industrie wollen und die Sache so sehen, dass Zimmermann nicht gefährlicher ist als die Industrie, die sowieso da ist.

Wenn jetzt geprüft wird, ob die Bevölkerung befragt werden soll, muss ganz genau klar sein, dass es um nicht weniger als die Zukunft der Gemeinde geht. Wohin die Reise gehen soll, werden unterschiedliche Leute auch unterschiedlich sehen. Wer gerne von der VHS profitiert, wer die gute Ausstattung der Schulen schätzt oder die Freizeitmöglichkeiten, die die öffentliche Hand bietet, könnte sagen, dass dann doch eine neue Firma das kleinere Übel ist, als auf unübersehbare Zeit vielleicht einen strikten Sparkurs fahren zu müssen. Die Größe dieser Bevölkerungsgruppe dürfte nicht zu unterschätzen sein. In der Diskussion, die nun die nächsten drei Monate laufen wird, sollte keine Gruppe nach dem Motto "Wer laut schreit, den hört man" handeln. Dem Gemeinderat zu unterstellen, es habe sich wohl kaum einer mit den Antragsunterlagen befasst und wenn, dann sicherlich nicht die Kompetenz, diese einzuschätzen, ist jedenfalls der falsche Weg. Es gilt, auch die Meinungen anderer zu akzeptieren, und das auch für die Zeit nach März. Denn auch, wenn die Entscheidung jetzt aufgeschoben ist, darum, sie letztlich zu treffen, wird man wohl nicht vorbeikommen.