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13. Oktober 2017

Aus Rheinfelden eine Marke machen

Wirtschaftsgespräche zum Thema Standortvermarktung.

  1. Referent Dirk Werner vor einer Übersicht des bundesweiten Fachkräftemangels. Foto: Ralf H. Dorweiler

  2. Wirtschaftsförderer Elmar Wendland moderierte den Abend. Foto: Ralf H. Dorweiler

  3. OB Klaus Eberhard und Frank Pfister Foto: Ralf H. Dorweiler

  4. Fand die Wirtschaftsgespräche sehr gelungen: Alois Franke Foto: Ralf H. Dorweiler

RHEINFELDEN. Mehr als 150 Vertreter von Wirtschaft, Politik und örtlichen Organisationen kamen am Mittwochabend zu den neunten Rheinfelder Wirtschaftsgesprächen zusammen. Neben dem zwanglosen Gespräch stand das Thema Standortvermarktung im Mittelpunkt.

Oberbürgermeister Klaus Eberhardt freute sich, so viele Gäste im Bürgersaal begrüßen zu können. In seiner Einleitung in den Abend nannte er als Grund für die Themenauswahl, dass Rheinfelden in den vergangenen Jahren zwar eine sehr positive Standortentwicklung genommen habe. Dies müsse man aber auf robuste Beine stellen und den Standort weiter stärken, wobei er den Hochrhein als gemeinsame Region verstanden haben wollte. Für Rheinfelden freute er sich, aktuell mit dem Gewerbegebiet Einhäge für kleines und mittleres Gewerbe Entwicklungsmöglichkeiten bieten zu können. Auch im Innenbereich könne man sich auf der Grendelmatt eine Weiterentwicklung vorstellen. Zudem könne man vielleicht über einen Industriepark nachdenken.

Elmar Wendland von der WST Rheinfelden (Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung) bescheinigte der Stadt, ein sehr guter Standort für Firmen aller Art zu sein. Gerade bei größeren Unternehmen hätten Entscheider die Hochrheinstadt aber "meist nicht auf dem Schirm". Die Aufgabe der Zukunft sei es, Rheinfelden als Standort präsenter zu machen. So könne man auch dem Fachkräftemangel begegnen, der in der Stadt durch den demografischen Wandel, die Vollbeschäftigung in der Region und die Attraktivität von Arbeitsplätzen in der nahen Schweiz für Arbeitnehmer besonders stark sei.

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Drei hochrangige Redner betrachteten im Anschluss unterschiedliche Aspekte der Thematik. Sebastian Zenker, Professor für Stadtmarketing, war aus Kopenhagen per Internet zugeschaltet, weil sein Flug wegen eines Streiks französischer Fluglotsen gestrichen worden war. Die anfängliche Aufregung wegen der Technik legte sich bald bei Wendland als Organisator der Wirtschaftsgespräche. Am Mittag hatten die Tests funktioniert, unklar war aber, ob die Internetleitung auch am Abend stark genug sein würde für eine ruckelfreie Übertragung. Das war sie. Die Zuhörer erfuhren von Zenker dann auch gleich, dass die Breitbandversorgung ein wichtiger Standortfaktor ist. Allerdings befasste sich sein sehr informativer und unterhaltsamer Vortrag vornehmlich damit, "Rheinfelden als Marke" zu begreifen. Das helfe auch bei der Suche nach Fachkräften, da denen neben harten Faktoren wie Verdienst oft weiche Faktoren wie das Image der Stadt wichtiger seien.

Dass Fachkräfte einen Arbeitsplatz längst auch nach weichen Faktoren wie Freizeitmöglichkeiten oder Arztdichte bewerten, stellte auch der zweite Redner hervor, Dirk Werner vom Institut der Deutschen Wirtschaft aus Köln. Er hatte mehrere Studien im Gepäck, die belegten, dass der Fachkräftemangel im Landkreis Lörrach besonders hoch ist und es ungewöhnlicherweise hier auch Engpässe in Helfertätigkeiten gebe. Ergebnisse von Analysen hätten ergeben, dass die Lebensqualität einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren von Regionen sei und von Fachkräften bei der Stellensuche beleuchtet werde. Die Stadt könne also die Wirtschaft etwa durch Imagekampagnen bei der Rekrutierung von Fachkräften unterstützen. Bei einem vom Institut der deutschen Wirtschaft vorgenommenen Ranking über Erfolgsfaktoren von Regionen lande der Kreis Lörrach auf Platz 141 von 402. Ein Dynamikranking sieht die Region sogar auf Rang 114.

Den Blick aus der Stadt heraus übernahm Frank Pfister, Geschäftsführer des Kompressorherstellers CVS Engineering mit Sitz im Gewerbegebiet Schildgasse. Er attestierte der Stadt eine positive Entwicklung in Hinblick auf wichtige Standortfaktoren, auch wenn die mangelhafte Breitbandversorgung lange gestört habe. Er anerkannte aber die Anstrengungen von Landkreis und Stadt, bald schnelles Internet auch in der Schildgasse zu ermöglichen. "Wir würden wieder nach Rheinfelden kommen", resümierte er am Ende.

Die Thesen der Vorträge wurde bei einem vom "Duo Felber/Geisler" von der Musikschule jazzig untermalten Apéro von den Gästen der Veranstaltung noch lange vertieft. Gleichzeitig nutzte man das zwanglose Gespräch, um neue Kontakte zu knüpfen und alte zu vertiefen.

Ein Fotoalbum finden Sie auf mehr.bz/wirtschaft-rhf-17

Autor: Ralf H. Dorweiler