"BASF soll aufräumen wie Roche"

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Sa, 22. Juni 2013

Grenzach-Wyhlen

BZ-INTERVIEW mit dem Basler Altlastenexperte Martin Forter zu den bisher unterschiedlichen Konzepten für die Sanierung der Kesslergrube.

GRENZACH-WYHLEN. Die Sanierung der Kesslergrube sorgt für Diskussionen. Als am Dienstag die beiden Firmen Roche und BASF ihre unterschiedlichen Konzepte zur Sanierung der Altlast vorstellten, war auch der Basler Altlastenexperte Martin Forter im Haus der Begegnung. Ralf Staub hat bei ihm nachgefragt, wie er das Thema bewertet.

BZ: Herr Forter, wie ist die Gemeinderatssitzung von der Atmosphäre und dem Ablauf bei Ihnen angekommen?
Forter: Ich war zum ersten Mal bei einer Gemeinderatssitzung in Deutschland und kann von daher nicht so viel dazu sagen. Aber ich fand es schade, dass die Fragen aus dem Publikum nicht direkt in einem Block beantwortet worden sind. Das hängt vermutlich mit den formalen Abläufen zusammen.

BZ: Bei der Präsentation durch die Industrievertreter zeigte sich rasch, dass Roche und BASF zwei völlig unterschiedliche Wege bei der Sanierung der Grube einschlagen wollen: Einmal ausräumen, einmal absichern. Für Nichtfachleute war auch die BASF-Argumentation schlüssig. Für Sie auch?

Forter: Nein. BASF hat lediglich versucht, die Unterschiede propagandistisch zu übertünchen. Aber das Ganze wurde an den Begriffen der Nachhaltigkeit und der Dauerhaftigkeit entlarvt. Roche beseitigt mit viel Geld den gefährlichen Chemiemüll tatsächlich und definitiv. Dagegen musste der BASF-Mann ja selbst einräumen, dass Dichtwand und Abdeckung vermutlich in 100 Jahren kaputt sein werden. Wobei niemand weiß, ob diese billige Scheinlösung überhaupt so lange halten und ob es die Firma BASF dann überhaupt noch geben wird. Spätestens dann sind wir also wieder gleich weit wie heute. Denn: Tatsächlich wird es so sein, dass der gefährliche Chemieabfall auch in 100 Jahren noch im BASF-Teil der Kesslergrube liegen wird. Das ist nicht nachhaltig. Deshalb muss die Methode geändert werden, sonst lassen wir zu, dass BASF alles nur in die Zukunft verschiebt. Roche dagegen zeigt, was nachhaltige Problemlösung bedeutet. Da muss BASF offensichtlich noch lernen.

BZ: Roche will ihren Teil der Kesslergrube komplett ausräumen: Ist das eine Konsequenz aus der anhaltenden Kritik an der Hirschackersanierung oder sind es in der Kesslergrube komplett andere Verhältnisse?
Forter: Ich denke, die Roche hat verstanden, dass sie ihre Altlastenprobleme nur lösen kann, wenn sie den Chemiemüll wirklich beseitigt. Novartis sieht das übrigens ähnlich. Roche verwendet den Begriff der Nachhaltigkeit zu Recht. Bei BASF aber ist das nur Propaganda.

BZ: Vom Gesetzgeber her ist die bloße Sicherung einer Altlast eine zulässige Sanierungsmethode. Sehen Sie eine Möglichkeit, dies bei der Kesslergrube noch zu verhindern?

Forter: Es ist eine gewisse Tragik, dass die Altlastenbewertungskommission des Landes die beiden Methoden als gleichwertig einstuft. Das lässt mich an der Kompetenz des Gremiums zweifeln.
Ob auch beim BASF-Teil der Kesslergrube der Chemiemüll komplett entfernt wird, ist eine Frage des politischen Drucks und des Willens. Chemieabfälle bergen einfach ein zu hohes Risiko für das Grund- und Trinkwasser sowie den Rhein.

BZ: Welche Strategie empfehlen Sie Bürgerforum und Gemeinde?
Forter: Ich bin mir sicher, dass die Gemeinde viel bewirken kann, wenn sie auch von BASF eine Komplettsanierung verlangt. Signalisiert die Gemeinde zudem, dass sie dafür auch bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, um ihre Kläranlage zu versetzen, so steigt der Druck auf BASF und Landratsamt stark an. Dazu kommt, dass in Baden-Württemberg eine grün-rote Landesregierung das Sagen hat, für die es wohl schwierig wäre, sich in dieser Frage gegen die Gemeinde zu stellen. Eine neue Kläranlage bringt übrigens nicht nur Kosten, sondern auch Nutzen wie zum Beispiel weniger Stromverbrauch und dank neuster Technologie einen höheren Reinigungsgrad. Allschwil und Muttenz, zwei Schweizer Gemeinden, die ebenfalls vom Chemiemüll betroffen sind, haben sich mit ihren Forderungen nach Komplettsanierung schon durchgesetzt oder werden sich noch durchsetzen. In Grenzach wird wohl auch das Zukunftsforum BASF massiv unter Druck setzen, mehr zu tun. Auch in der Schweiz versucht dieser Konzern, Billigsanierungen als Lösungen zu verkaufen.

BZ: Als es um die Ansiedlung der Entsorgungsfirma Zimmermann ging, gab es verschiedene kritische Anmerkungen aus der Schweiz. Rechnen Sie auch im Falle der Sanierung der Kesslergrube damit?

Forter: Ich gehe davon aus, dass der Kanton Basel-Stadt Stellung nehmen und die Frage nach der Sicherheit der Spundwände im Falle eines Erdbebens stellen wird. Wir liegen hier ja bekanntlich in einer Erdbebenzone und die herumliegenden Chemieabfälle sind eine Gefahr für Rhein und somit das Trinkwasser.

BZ: Werden Sie im Verfahren selbst auch aktiv werden?
Forter: Klar. BASF soll aufräumen wie Roche. Das ist das Ziel.