BASF will ihr Areal nicht verkaufen

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Fr, 11. November 2011

Grenzach-Wyhlen

200 Interessierte bei der Bürgerversammlung zur künftigen Nutzung / Firma und Gemeinde erarbeiten ein städtebauliches Konzept.

GRENZACH-WYHLEN. Die Grenzach-Wyhlener wollen wissen, wie es auf dem BASF-Areal weitergeht – gut 200 sind am Mittwoch zur Bürgerversammlung ins Haus der Begegnung gekommen. Und sie haben reihenweise Fragen gestellt: zu den vorhandenen Altlasten, zur Ansiedlung der Entsorgungsfirma Zimmermann und – vor allem – zum Schwerverkehr. Dabei kristallisierte sich heraus: Als drängendstes Problem wird die fehlende Umgehungsstraße angesehen.

Als Vertreter der BASF stellten Jörg Schaffner und Bernd Brian die Pläne der Firma für die weitere Nutzung des Areals vor: Ziel ist dabei die Ansiedlung von Firmen möglichst aus dem chemisch-pharmazeutischen Bereich, um vorhandene Infrastruktur, insbesondere auch die Kläranlage gemeinsam nutzen zu können. Dabei werde "nicht nur an Dritte" gedacht, sondern auch an eine BASF-interne Nutzung. Schaffner machte auch Angaben zum Lkw-Verkehr: Allein von der BASF-Produktion her werde der weiter abnehmen, nach 2012 werden es wohl nur noch 20 Fahrten täglich sein. Zum Vergleich: Zwischen 2008 und 2010 waren es täglich noch weit mehr als 100, davor sogar noch um Einiges mehr. Nicht einbezogen darin sind allerdings die Fahrten, die bei einem Abbruch der diversen Gebäude anfallen.

Die Standortgarantie, die Bürgermeister Jörg Lutz sich erhofft hatte, gab Geschäftsführer Bernd Brian zwar nicht – "die gibt es nirgends" –, er erklärte jedoch, dass eine Schließung des Standorts zum einen nicht vorgesehen ist und auch frei werdendes Areal nicht verkauft werden soll. Außerdem investiere BASF wie etwa in ein neues Bistro/Restaurant oder die Unterbringung des werkärztlichen Dienstes. Brian ist überzeugt: "Die Zukunft wird einiges ermöglichen, aber wir müssen wettbewerbsfähig sein."

Die Pläne der bereits gegründeten Firma "Zimmermann Entsorgung Grenzach" erläuterte Jörg Wellenbüscher. Der promovierte Verfahrenstechniker stellte das vor 49 Jahren in Gütersloh gegründete Familienunternehmen vor, das mit derzeit rund 180 Mitarbeitern gut 30 Millionen Euro Umsatz in den vier Geschäftsbereichen Abfallanalytik, Sonderabfallentsorgung, Logistik und Spedition sowie Abwasserbehandlungsanlagen macht. In Grenzach sollen – der früheste Start wäre Mitte 2013 – einmal 60 000 Tonnen Flüssigabfälle und 80 000 Tonnen Feststoffe im Jahr verarbeitet werden. Wellenbüscher betonte, dass Zimmermann weder radioaktive noch leicht entzündliche oder gar explosive Stoffe annimmt. Auch krebserregende oder erbgutverändernde Abfälle werden nicht behandelt. Vorgesehen ist ein Betrieb in Tagschicht also etwa von 7 bis 17 Uhr, weder nachts oder am Wochenende werde gearbeitet. Der Betrieb soll mit etwa 15 Leuten starten, nach vier Jahren sollen es dann rund 50 sein, wobei alle Mitarbeiter "eine chemische Grundausbildung haben", wie er betonte: Chemiker, Chemieingenieure, Chemielaboranten oder Chemikanten. Die Anlieferung soll nicht nur per Lkw, sondern auch per Bahn erfolgen: Auch im schlimmsten Fall wären für Zimmermann nicht so viele Lkw unterwegs wie noch im Vorjahr für BASF, erklärte Wellenbüscher auf Fragen aus dem Publikum, die stets mit dem Hinweis auf die fehlende Umgehungsstraße verbinden waren.

Das Bauamt hat sich Gedanken um eine städtebauliche Weiterentwicklung des 37 Hektar großen Areals gemacht, wobei eine Nutzung als Wohngebiet wohl kaum in Frage kommt, allein aufgrund der Altlastenproblematik. Monika Neuhöfer-Avdic skizzierte die laufenden Untersuchungen – die Kesslergrube wird eventuell 2013 saniert – und erwähnte auch die bereits bekannten Verdachtsflächen Bäumliacker und "Ciba-Geigy-Grube". Ihr schwebt eine Bündelung der Störfallbetriebe in dem Bereich vor, in dem BASF ohnehin bleiben will (siehe Grafik) und würde drum herum Bereiche für Gewerbe und Grünflächen ausweisen. Bis zum Jahresende will die Gemeinde zusammen mit BASF ein städtebauliches Konzept abgestimmt haben. Bürgermeister Jörg Lutz betonte, dass eine Veränderungssperre "nur das allerletzte Mittel" sein werde. Es sei nicht das Thema, Industrieansiedlungen zu verhindern.

Im Publikum saßen auch etliche Mitarbeiter der BASF, so erhielt Betriebsratsvorsitzender Heiko Wodarkiewicz viel Beifall für sein Bekenntnis, dass er froh wäre, wenn über die Firma Zimmermann eine neue Nutzung und qualifizierte Arbeitsplätze kommen.