BI Zukunftsforum bei BASF

Begehung führt zum Schlagabtausch

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 12. September 2014 um 14:30 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Die BI Zukunftsforum hat den BASF-Teil der Keßlergrube besichtigt und heftig mit den Firmenvertretern über die geplante Umspundung diskutiert.

"Auf den Inhalt kommt es an!" stand als Motto auf dem Bus, der zahlreiche Vertreter der Bürgerinitiative Zukunftsforum vor kurzem zur Begehung der Kesslergrube über das BASF- Areal fuhr. In einer Mitteilung fasst Sprecher Manfred Mutter den besuch der BI zusammen.

Nach kurzer Einführung durch Geschäftsführer George Basrawi sei es in einem intensiven "Schlagabtausch" um die Frage gegangen, welche Perspektiven sich bei der von der BASF geplanten Sanierungsvarianten einer Umspundung von Perimeter 2 für das Gesamtareal langfristig ergeben. Die Tatsache, dass nach jahrelangem Rückbau vorhandener Produktionskapazitäten die angepriesene Neuausrichtung auf "Care Chemicals" sich auf nur noch zwei Produktlinien beschränkt, deren Lebensdauer nach Kenntnis einiger Fachleute mittelfristig unter wirtschaftlichen Druck geraten werden, ließ die BI-Vertreter am längerfristigen Festhalten der BASF am Standort Grenzach zweifeln; die versprochenen 40 Millionen Euro wurden angesichts der 10 Milliarden Euro in Asien geplanten Neuinvestitionen der Firma weniger als Bekenntnis zum Standort, sondern vielmehr als kurzfristige Beruhigungspille für die besorgte Belegschaft betrachtet.

Auf Kritik seitens der BI stießen Aussagen an den Schautafeln, die als Rechtfertigung der geplanten Einkapselung dienen sollen. Die Aussage, die Fläche könne nach der Umspundung und einer Überdeckelung sofort als Industrie- und Gewerbefläche genutzt werden, entsprach in den Augen der Besucher einer "gezielten Irreführung der nicht fachkundigen Bevölkerung", so die BI.

Den Beweis, dass auf einem verseuchten Gelände die Ansiedlung von hochwertigen Projekten nicht erwartet werden könne, lieferten die BASF-Verantwortlichen aus Sicht der Bürgerinitiative gleich selbst: Die als "Sechser im Lotto" angepriesene Ansiedlung des Sondermüllentsorgers Firma Zimmermann sei die seit Jahren einzige Anfrage auf dem BASF-Areal gewesen. Der deutlich zum Ausdruck gebrachte Wille der Geschäftsführung, auf dieser Ansiedlung zu beharren, stieß mit Blick auf das Zukunftspotenzial des Gesamtareals auf größtes Unverständnis und gipfelte in der Feststellung eines BI-Vertreters: "Die häufig beklagte Industriefeindlichkeit am Standort Grenzach-Wyhlen trifft ausschließlich auf die BASF selbst zu!"

Am Ende der zeitlich längsten Begehungsrunde blieben laut BI Fragen unter anderem nach der Höhe der Rückstellungen für Sanierungsmaßnahmen, den von BASF nicht berücksichtigten Folgekosten für eine "ewige" Trinkwasserkontrolle sowie für Erneuerungsarbeiten der Umspundung, der unsicheren Gesetzeslage im spezifischen Fall der Kesslergrube und der "ethischen Verpflichtung des Weltkonzerns BASF zur Nachhaltigkeit" zwar weitgehend offen, dennoch wurde von Seiten der BI dem Gastgeber dankend bestätigt, einen "guten Job" zu machen beim Verkauf eines schlechten Produkts (Umspundung) im direkten Vergleich zum hoch geschätzten Konkurrenzprodukt (Totalaushub P1, Roche).

Der Blick auf die weitgehend freien und grünen Flächen des BASF-Areals am Rheinufer bestärkte die Teilnehmer, an der von der gesamten Gemeinde getragenen Forderung einer "nachhaltigen Sanierung durch Entfernung der Giftstoffe festzuhalten und damit eine Zukunftsgestaltung zu ermöglichen, die dem beobachtbaren Strukturwandel in der Region Rechnung trägt".