"Betriebsablauf ungetürkt gezeigt"

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Do, 21. Februar 2013

Grenzach-Wyhlen

Vertreter der Fraktionen und der BI Zukunftsforum waren am Dienstag mit Bürgermeister Jörg Lutz bei Zimmermann in Gütersloh.

GRENZACH-WYHLEN. Am Dienstag machten sich um 5 Uhr morgens Bürgermeister Jörg Lutz und Vertreter der Fraktionen auf den Weg nach Gütersloh, um sich dort die Anlage des Chemierecyclers Zimmermann anzuschauen. Manfred Mutter war als Vertreter der BI Zukunftsforum bereits am Vortag angereist. Nach sieben Stunden Fahrt blieben vier Stunden für Besichtigung und Gespräche, wegen einer Bahnpanne kam man um eine Stunde verspätet um 24 Uhr wieder in Basel an.

Bürgermeister Jörg Lutz: Mein Fazit vorweg: Zimmermann ist ein seriöser Industriebetrieb. Es hat sich gelohnt, dorthin zu fahren. Wir haben alles gesehen, Labors, Produktion, die Lkw-Umladung und auch etwa die Giftmüllbearbeitung, die es in Grenzach-Wyhlen ja gar nicht geben soll. Im Gespräch mit Vertretern des dortigen Regierungspräsidiums wurde klar, dass alles in geordneten Bahnen abläuft. Aber man muss auch sagen, dass es eben ein Industriebetrieb ist. Ab und zu kann es etwas riechen, was ja etwa bei der DSM auch vorkommen kann. Auch über die Mengenbilanz der Luftemissionen wurde gesprochen, die von der Bürgerinitiative hochgerechnet wurde. Bei den Grundangaben ist ein 24-Stunden-Betrieb vorausgesetzt und immer die unglücklichsten Umstände. Hingegen wird bei der Filterleistung das Minimum angenommen, so dass es in der Realität sehr viel weniger Emissionen sein werden. Wenn man das BASF-Areal weiterhin als Industriegebiet sehen will, passt Zimmermann dort sicher gut hin. Wenn wir beschließen sollten, dort Gewerbe haben zu wollen, wäre der Betrieb aber wohl am falschen Ort.

Karlheinz Quandt (FW): Die Fahrt selbst war sehr gut organisiert. Die Firma Zimmermann hat sich sehr gut dargestellt. Uns wurde ungetürkt der normale Betriebsablauf gezeigt, hatte ich den Eindruck. Wir konnten uns alles anschauen, was wir wollten und haben auch mit Mitarbeitern gesprochen, mit denen man frei reden konnte. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es sich um eine seriöse Firma handelt, die sehr auf Sicherheit bedacht ist. Dennoch wünsche ich mir, dass die Gemeinde das Planungsrecht auf dem BASF-Areal behält.

Michael Hiob (CDU): Am meisten haben mich die Aussagen des Regierungspräsidiums beeindruckt. Die Firma Zimmermann ist seit 1976 dort und es gab damals auch Bürgerinitiativen. Es ist interessant, was die Behörden damals schon alles für Auflagen gemacht haben. Und dann fand ich beeindruckend, was in direkter Nachbarschaft der Firma ist: Ein Honigbetrieb, eine Fleischerei, ein Blumenversand und ein Getränkehandel. Zudem wohnen dort Leute. Das Einzige, was vorkommt, ist ab und zu eine Geruchsbelästigung, die aber in Grenzach nicht zu erwarten ist, weil dort die Lkw in den Hallen entladen werden und nicht von außen wie in Gütersloh. Klar wurde auch: Die Anlage in Gütersloh erreicht erst jetzt die Beantragungsgrenze. In Grenzach will man ja auch klein anfangen und geht von 8 bis 10 Jahren aus, bis die volle Kapazität gefahren werden kann. Ich hoffe, bis dahin sind wir mit der Umgehung weiter – und wenn wir sie vorfinanzieren.

Heinz Intveen (SPD): Die Firma ist gut, da kann man gar nichts Negatives sagen. Das wurde auch bestätigt vom Vertreter der Bezirksregierung in Detmold, Egon de Groot. Aber die aktuellen Entwicklungen in Grenzach in Zusammenhang mit der BASF machen mich zur Zeit noch etwas nachdenklich, wie die gesamte Situation einzuschätzen ist. Wir werden das auf jeden Fall in der Fraktion noch einmal ausgiebig besprechen.

Hansruedi Oertlin (Grüne): Vor Ort ist immer eine objektivere Betrachtung möglich. Man hat auf jeden Fall festgestellt, dass keiner vorhatte, uns zu schmieren. Es gab nur eine warme Erbsensuppe (lacht). Aber im Ernst: Man hat gesehen, dass es dort reell zugeht und konnte sich ansehen, was man sich da eventuell nach Grenzach-Wyhlen holen könnte. Die aktuellen Aussagen von Herrn Lutz, dass man wegen einer fehlenden Standortgarantie der BASF vielleicht noch einmal nachdenken sollte, teile ich. Meiner Meinung nach ist Zimmermann ohne BASF nicht bestandsfähig. Ich denke, am Donnerstag im Hauptausschuss wird noch ausgiebig über das Thema gesprochen.

Peter Endruhn-Kehr (FDP): Das sind Vollprofis da oben. Ich glaube, dass da nichts inszeniert war. Man merkt auf jeden Fall, dass die die Arbeit nicht erst seit kurzem machen. Auch der Vertreter des Regierungspräsidiums sprach davon, dass die massiven Auflagen, die Zimmermann gestellt wurden, eingehalten werden. Ich fand die Fahrt auch deshalb lohnenswert, weil ich gesehen habe, dass alle möglichen Firmen rund um Zimmermann angesiedelt sind. Dabei sagen die Leute von der BI doch immer, dass keine Firmen mehr kämen, wenn Zimmermann da sei.

Manfred Mutter (BI Zukunftsforum): Unser Besuch war von der Firma Zimmermann gut vorbereitet. Als Insider würde ich sagen, es war eine Spur zu perfekt und schien etwas Show zu sein. Manche Details haben mich überrascht. Die Einrichtung des Labors etwa fand ich aus Sicht des Chemikers sehr mager. Eigentlich kann dort keine Analyse nach wissenschaftlichen Standards stattfinden, sondern nur eine grobe Einschätzung der Stoffe. Dioxin etwa könnte man damit nicht detektieren. Der Dezernent der Bezirksregierung hat mir etwas zu viel Zimmermann verteidigt, aber auch kritisches gesagt, etwa, dass die Behörden die vergangenen zehn Jahre ständig mit Zimmermann beschäftigt waren. Im Gespräch mit Vertretern der dortigen Bürgerinitiativen habe ich mitgenommen, dass Zimmermann eine äußerst expansive Firma ist. Für eine mit der Anlage in Grenzach vergleichbare Anlage mussten 135 Auflagen ausgesprochen werden. Heute, nach zehn Jahren, ist die Anlage doppelt so groß. Das wird auch auf uns zukommen. Ich bin für Industrie, aber wir haben am Standort keinen Bedarf an einem Sondermüllentsorger. Warum sollten wir uns so viele Probleme hierher holen? Erfreulich an der Reise waren die sachlichen Gespräche unter den Teilnehmern.

Jörg Wellenbüscher (Firma Zimmermann): Der Termin hat sich wirklich gelohnt. Wir haben von den Fraktionsvertretern durchwegs positives Feedback bekommen. Auch Herr Mutter hat unsere Anlage gelobt.