Betriebsräte warnen vor Ablehnung

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Do, 24. Januar 2013

Grenzach-Wyhlen

Veränderungssperre sei auch Zeichen an die bestehende Industrie / Grenzach-Wyhlen soll weiterhin Industriestandort bleiben.

GRENZACH-WYHLEN. Mit Sorge betrachten die Betriebsräte der Grenzacher Industriefirmen die öffentliche Diskussion um die Ansiedlung des Chemierecyclers Zimmermann auf dem BASF-Areal. Sie stellen sich gegen die angstschürende, emotionale Argumentation der Gegner und sehen mit Sorge auf die ihrer Meinung nach wachsende Industrieablehnung. Ihre Forderung: Grenzach-Wyhlen soll die 120 Jahre Industrietradition weiterführen. Eine Ablehnung der Firma Zimmermann über eine Veränderungssperre würde die gesamte Industrie Grenzachs bedrohen.

Wilfried Penshorn, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), begrüßte am Mittwoch zu einer Pressekonferenz, zu der auch die Arbeitnehmervertreter der Grenzacher Industriebetriebe gekommen waren. 2500 Mitarbeiter würde man so repräsentieren und wolle, dass Grenzach-Wyhlen Industriestandort bleibe.

Die Ablehnung der Firma Zimmermann durch eine Veränderungssperre würde als Zeichen gesehen, dass man keine Industrie mehr in Grenzach haben wolle und Arbeitsplätze gefährden, so der Tenor der Sitzung.

Man sei gerade dabei, den Industriepark Grenzach bekannt zu machen und für neue Ansiedlungen von Firmen zu werben. Im Hintergrund würden bereits Gespräche mit Interessenten geführt. Die Diskussion über eine Veränderungssperre sei da das falsche Zeichen.

Vorher ergriff Klaus Keßner, der Betriebsratsvorsitzende von DSM das Wort und forderte eine sachlichere Diskussion. Man sei überrascht, mit welcher Vehemenz von Seiten der Gegner seit wenigen Wochen vorgegangen werde. Überrascht sei man auch, dass die bereits bestehende Industrie in Frage gestellt werde.

Auch Keßner empfand das Verkehrsaufkommen in der Gemeinde mit täglich rund 14 000 Fahrzeugen als belastend. 50 Fahrzeuge mehr, davon ging die Versammlung als Maximalwert im Fall einer Ansiedlung von Zimmermann aus, bedeute aber in Relation zum Gesamtaufkommen wenig. Offenbar seien manche der vorgebrachten Argumente nicht immer von Sachverstand geprägt. "Jede Tankstelle, die bei uns installiert wird, ist ein Störfallbetrieb", sagte er und forderte, dass sich bei den Themen Verkehr und Sonderabfallerzeugung jeder auch an die eigene Nase fassen müsse.

Der Standortsicherungsvertrag zwischen Betriebsrat und DSM-Konzern beinhalte Investitionen von 20 Millionen Euro bis 2015. Durch eine Veränderungssperre wären keine wertschöpfenden Investitionen möglich, warnte er.

Heiko Wodarkiewicz, Betriebsratsvorsitzender des BASF meinte, dass eine Firma wie die BASF im Falle einer Veränderungssperre sich wohl nicht mit einem erneuten Ausbau des Geschäftsbereiches befassen werde. Auch er sieht Arbeitsplätze in Gefahr, zumal sich viele ehemalige Mitarbeiter bei der Firma Zimmermann beworben haben. Ihn verärgere besonders die Bezeichnung "Giftmüll". Tatsächlich handele es sich "um eher ungefährlichere chemische Stoffe."

Durch einen Wegfall der Industrie sieht er auch die Lebensqualität in Grenzach-Wyhlen bedroht, wenn wegen fehlender Einnahmen Schwimmbäder, VHS und Bücherei geschlossen werden müssten. Inge Ziegler-Roeseler, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei GP betonte, dass es in der Chemiebranche sehr hohe Sicherheitsstandards gebe und auch, dass ohne die Industriearbeitsplätze einiges in Grenzach-Wyhlen verloren ginge, auch etwa die Kinderbetreuung, für die Roche, DSM und GP investiert hätten.

Verhindert beim Pressetermin war Jose Gabriel Ledezma-Sanchez, der Betriebsratsvorsitzende der Roche Pharma. Er ließ aber wissen, dass es seiner Meinung nach darum gehe, eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen. Wünsche für Erholungsparks seien nicht realistisch, darum müssten die Perspektiven auf dem Erreichbaren basieren.

Auch die Arbeitgeber wurden aufgefordert, sich in die Diskussion einzubringen.