BI "Uns stinkt’s" bereitet sich auf Splett-Besuch vor

Eva-Maria Klassen

Von Eva-Maria Klassen

Sa, 23. März 2013

Grenzach-Wyhlen

"Uns stinkt’s", sagen Bürger und wollen ihre Meinung auch beim Besuch der Staatssekretärin am Montag kund tun.

GRENZACH-WYHLEN. "Wir brauchen noch ein Tempo-30-Schild", ruft Karin Lischer, während sie selbst eine Tapete beklebt, auf der sie die Umgehungsstraße fordert. Die Bürgerinitiative "Uns stinkt’s" ist bewaffnet mit Pinsel und Kleber, Filzstift und Papier. Denn am Montag kommt Staatssekretärin Gisela Splett in die Gemeinde, um sich ein Bild von der Verkehrsbelastung zu machen, der die Anwohner ausgesetzt sind. Mit Protestplakaten will Gemeinderätin Lischer gemeinsam mit Grenzach-Wyhlener Bürgern vor der Staatssekretärin Flagge zeigen.

Silvia Janker ist wütend. Und frustriert. Mit einem dicken schwarzen Filzstift malt sie das Wort "Schluß" auf ein Plakat – schwarz wie der Ruß, der sich durch den starken Verkehr an ihrem Haus festsetzt. Sie wohnt direkt an der B34. Als sie und ihr Mann das Haus vor etwa 15 Jahren kauften, sei ihnen versprochen worden, die Umgehung werde bald gebaut. Sie umrandet die Buchstaben mit roter Farbe – rot wie die Wut, die in ihr glüht.

Silvia Janker will aber auch Hoffnung zeigen. Deshalb ist sie hier und bastelt Protestschilder. "Man darf nie aufgeben", sagt sie immer wieder. Trotzdem hat sie Angst. Angst, dass die Politiker mit ein paar leeren Worten kommen, und dass sich wieder nichts ändert. Am liebsten würde sie die Staatssekretärin zum Kaffeetrinken in ihren Garten einladen. Oder ihr ein Bett in ihrem Haus für die Nacht anbieten: "Das ist wie ein Donnerschlag, wenn man im Bett liegt", sagt sie über den Verkehr, der sie ab fünf Uhr früh aufwecke. Im Garten sitzen und die Sonne genießen sei wegen des Lärms ohnehin kaum möglich. Silvia Janker fühlt sich nicht nur um ihre Nachtruhe, sondern auch um ihre Lebensqualität gebracht. Eine andere Anwohnerin erzählt vom missglückten Versuch, ihr Haus zu verkaufen: Als die Interessenten eine Nacht in ihrem Haus verbracht hatten, sprangen sie sofort ab. "Wir kriegen die Häuser nicht mehr los", klagt sie.

Karin Lischer schneidet Parolen auf Papier aus und denkt mit gemischten Gefühlen an den Protesttag am Montag: "Es sind Schulferien und die Staatssekretärin kommt um 11 Uhr", sagt sie. Viele Bürger seien zu diesem Termin entweder im Urlaub oder müssten arbeiten. Trotzdem bastelt sie Transparente und wünscht sich, dass jeder zum Protest kommt, der kommen kann. Zunächst gehe es ihr darum, dass der Abschnitt Wyhlen der Umgehungsstraße realisiert wird. "Aber auch die Grenzacher können sich gern mit den Wyhlenern solidarisieren", sagt sie. Es ist schließlich ein Dorf, eine Straße, ein Ziel.

Die Anwohner wirken frustriert, zum Teil sogar resigniert. Trotzdem scheint noch ein Fünkchen Hoffnung da zu sein: "Man würde nichts erreichen, wenn man nicht dafür kämpfen würde" und "wir müssen es weiter versuchen", sagen sie immer wieder. Und kämpfen weiter.

Termin: Die Staatssekretärin des Stuttgarter Verkehrsministeriums, Gisela Splett, und Justizminister Rainer Stickelberger kommen am Montag, 25. März, um sich vor Ort ein Bild über die Verkehrsbelastung an der B34 zu machen. Splett wird gegen 11 Uhr mit einer Delegation an der Einmündung Klosterstraße in Wyhlen eintreffen. Die Bürgerinitiative "Uns stinkt’s" lädt alle, die sich für die Umgehungsstraße einsetzen wollen, ein, bei dieser Gelegenheit direkt vor der Staatssekretärin ihren Protest und ihre Meinung kund zu tun.