BUND besteht auf einem Aushub

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Fr, 13. Juni 2014

Grenzach-Wyhlen

Ortsgruppe lehnt die von BASF auf der Kesslergrube geplante Umspundung ab / Zweifel an Möglichkeit späterer Nutzung.

GRENZACH-WYHLEN. Als BASF am Mittwoch die Bevölkerung zu einer Reihe von Besichtigungstouren auf dem Perimeter 2 der Kesslergrube einlud, hat die Ortsgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine Stellungnahme zum Nachhaltigkeitsgutachten von Prof. Dr. Dörr verfasst. Sie bekräftigt ihre Position, die Altlast müsse jetzt entfernt werden. Justizminister Rainer Stickelberger informierte am Donnerstag, dass nach Ansicht von Umweltminister Franz Untersteller ein Aushub nur freiwillig geschehen könne (Siehe Artikel auf dieser Seite).

Der BUND erklärte, er habe nach der Veröffentlichung des Gutachtens seine bisherige Position überprüft und sich mit den Argumenten von BASF für die Sanierungsvariante Umspundung sowie mit der Einschätzung des Unternehmens zum Gutachten auseinander gesetzt. Er kam zum Schluss: "Wir lehnen die von der BASF geplante Umwandlung der schon seit mehr als 50 Jahren (mehr als eine Generation) illegal im wichtigsten Industrie- und Gewerbegebiet von Grenzach-Wyhlen lagernde Altlast in eine ,Ewigkeitslast’ entschieden ab." Die problematische Altlast gehöre nicht in die Erbmasse der nächsten Generation.

Der BUND betont, wie detailliert und klar das Gutachten erhebliche Unterschiede zwischen den zur Debatte stehenden Verfahren Aushub (Dekontaminierung) und Einkapselung (Sicherung) herausarbeite. Es bewerte die Einkapselung eindeutig als die schlechtere der beiden Lösungen. "Daher ist der Aushub gemäß den Kriterien der Nachhaltigkeit die zu bevorzugende Variante. Diese Einschätzung teilen wir mit der Mehrheit der Bürger und Bürgerinnen unseres Ortes."

Das Gutachten gibt aus Sicht des BUND klare Hinweise darauf, dass die Einkapselung wichtige Kriterien der Nachhaltigkeit, wie die Vermeidung von Belastungen für folgende Generationen, so wenig erfülle, dass das Projekt der BASF insgesamt als nicht ausreichend nachhaltig zu bewerten sei. Die verunreinigten Bereiche würden nicht vollständig und nicht langfristig sicher eingeschlossen: Die Kapselung sei unvollständig aufgrund des am Boden der Deponie eindringenden Wassers, das beständig abgepumpt und nach einer noch nicht nachgewiesenen Klärung in den Rhein zurückfließen müsse. "Die problematischen, chemischen Abfälle, und somit das Gefahrenpotenzial der Altlast, wurden nur unzureichend aufgeklärt, wobei auf relevante, verfügbare Techniken verzichtet wurde. Aus unserer Sicht können deshalb besonders die langfristigen ökologischen Risiken auf der Basis verfügbarer Informationen derzeit tatsächlich nicht verlässlich eingeschätzt werden."

Nach einer Einkapselung als Sanierungsmethode seien viele Probleme mit Altlasten bekannt. Deshalb seien die Befürchtungen der Bürger und des BUND begründet. "Eine Schutzwirkung durch Einkapselung wird trotz bester Absichten aller Beteiligten oft nicht erreicht".

Der BUND erwartet für eine Nutzung nach der Einkapselung Einschränkungen: Für unbestimmte Zeit sei keine Landwirtschafts-, Freizeit- und Wohnnutzung mehr möglich. "Wir halten eine relevante Nutzung als Industrie- und Gewerbefläche für praktisch nicht durchführbar, weil die Altlast und die technischen Einrichtungen zur Aufrechterhaltung der Sicherung langfristig uneingeschränkt zugänglich bleiben müssten." Dies widerspreche der von der Gemeinde festgelegten Nutzung und würde dauerhafte Mindereinnahmen von Steuern bedeuten. Gleichzeitig müsse sie aber in die Infrastruktur des Gewerbegebiets investieren. "Wir bestehen darauf, dass ausreichende finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um die Grube im Sinne des Dörr-Gutachtens zu sanieren."

Termine: Für die Besichtigungstouren von BASF kann man sich im Internet unter http://www.kesslergrube.de anmelden. Die erste findet am Mittwoch, 18. Juni, 17.30 bis 19 Uhr, statt, die letzte Ende September.

Die komplette Stellungnahme des BUND finden sie im Internet auf der Website http://www.grenzach-wyhlen-bund.de