Halbleeres Werksgelände

Chemierecycling auf BASF-Areal? Räte erwägen Veränderungssperre

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Mi, 08. Juni 2011 um 21:48 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Die BASF will eine Chemierecyclingfirma auf ihr Areal nach Grenzach holen. Den Gemeinderäten geht das zu schnell.

Einen Namen wollte BASF-Geschäftsführer Bernd Brian zwar noch nicht nennen, bestätigte aber "intensive Gespräche" mit einem Entsorger von Chemieabfällen, der sich auf dem Werksgelände niederlassen will. Brian hofft, dass die Firma "baldmöglichst" kommt, der Gemeinde geht das indes ein bisschen schnell: In der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses wurde eine Veränderungssperre für das 40 Hektar große Gebiet angesprochen, um Alternativen ausloten zu können.

BASF investiert einige Millionen ins Areal

Bei der Entsorgungsfirma handelt es sich nach Informationen der BZ um die Zimmermann-Gruppe aus Gütersloh die auch einen weiteren Standort in Bitterfeld hat. "Ich wünsche mir, dass es hinhaut, weil es passen würde", meinte Brian in einem Pressegespräch zur Neuausrichtung des Standortes. Das Konzept ist von der BASF so weiter entwickelt worden, dass die Firma selbst weiterhin etwa die Hälfte des Areals selbst bewirtschaften würde, die Hälfte böte Platz für andere Firmen, wobei die Ansiedlung nur für Firmen Sinn mache, die auch die Infrastruktur nutzen können, also nicht für Betriebe, die lediglich eine Fläche brauchen. Die BASF will die Infrastruktur auch auf die neuen Standortbedürfnisse zuschneiden und dafür auch Geld in die Hand nehmen. Brian sprach von einem zweistelligen Millionenbetrag, der unter anderem in die Verbesserung der Abwasserreinigungsanlage gesteckt und in eine Energieverteilungsstation gesteckt wird.

Von heute auf morgen ist das Areal sicher nicht zu belegen, "die Vermarktung braucht einen langen Atem", ist Brian überzeugt, das hätten Beispiele wie Schwarzheide oder Frankfurt-Höchst gezeigt. Für die Ansiedlung hat die BASF eine eigene Expertengruppe, die "Corporate Real Estate", dazu kommt die Zusammenarbeit mit Verbänden und der Wirtschaftsförderung und Kommunikationsmaßnahmen via Internet, Infobroschüre oder Fachmessen. Dafür wurde das Profil des Standortes Grenzach ausgearbeitet, der für Firmen aus dem Bereich der chemisch-pharmazeutischen Produktion, für Labors oder Fachwerkstätten interessant sein könnte. Oder eben für Betriebe aus dem Bereich Entsorgung/Recycling/Kreislaufwirtschaft. Die Marketingaktivitäten sollen im Herbst 2011 beginnen.

Frage der Altlasten – "kein Konfrontationskurs"

Nachdem am Montag der Gemeinderat von der Firma über die geplante Neuausrichtung informiert worden war, wurde am Dienstag im Hauptausschuss hinter verschlossenen Türen über die Pläne der Zimmermann-Gruppe diskutiert. Dabei, so Bürgermeister Jörg Lutz, sei der Wunsch des Rates deutlich geworden, mehr Zeit zu haben, um über die Zukunft des Areals nachzudenken und eventuell Alternativen zu entwickeln. Falls bei dem Konzept des Entsorgers offene Fragen auftauchten, wird eventuell eine Veränderungssperre erlassen, um Einfluss nehmen zu können. Rechtlich sieht der Bürgermeister darin kein Problem, weil das Werksareal zwar als Industriefläche im Flächennutzungsplan ausgewiesen ist, es aber keinen Bebauungsplan gebe.

Noch vor der Sommerpause will Lutz diskutieren, "solange die Weichen noch nicht gestellt sind". Dabei sollen neben dem Verkehr auch die Altlasten angesprochen werden. Der Firma Zimmermann soll Gelegenheit gegeben werden, den Gemeinderäten ihr Konzept zu erläutern. Lutz schwebt auch weiterhin eine Bürgerversammlung vor, um die Öffentlichkeit zu informieren. Dabei stellt er aber klar: "Wir gehen nicht auf Konfrontationskurs zur BASF."

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