Der Diskussion folgt beinah Einigkeit

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Fr, 06. Dezember 2013

Grenzach-Wyhlen

Gestern fand der erste Termin zur Vorbereitung des Nachhaltigkeitsgutachten für die Sanierung der Kesslergube statt.

GRENZACH-WYHLEN. Die einen finden die Umspundung des BASF-Perimeters 2 der Kesslergrube nachhaltig, andere sehen die Nachhaltigkeit nur mit einem Komplettaushub erfüllt. Als Besteller der Sanierung hat das Landratsamt nun in Absprache mit den Beteiligten vor, ein weiteres Gutachten in Auftrag zu geben, das Nachhaltigkeitsgutachten, das mit gemeinsam erarbeiteten Vorgaben eine von allen akzeptierte Lösung ergeben soll. Das erste Gespräch fand am Donnerstag statt.

"Das Landratsamt hat im Vorfeld Kriterien für die Nachhaltigkeit entwickelt und nach einem Nachhaltigkeitsprofi gesucht", fasst Georg Lutz, Leiter des Referats Umwelt im Landratsamt Lörrach, zusammen. Fündig wurde man in Helmut Dörr, der ein ausgewiesener Experte für Nachhaltigkeitsgutachten ist. Dörr hat in der gestrigen Sitzung sein Konzept für das Gutachten vorgestellt. Neben Georg Lutz und seiner Mitarbeiterin Katinka Mangei waren von Seiten der Gemeinde Bürgermeister Jörg Lutz und Bauamtsleiterin Monika Neuhöfer-Avdic anwesend, für die BASF Uwe Gauglitz und Livio Ulmann und für die Bürgerinitiative Zukunftsforum Manfred Mutter und Peter Donath.

Dörr habe, so Georg Lutz, ausführlich vorgestellt, nach welchen Kriterien und mith welchen Gewichtungen er sich vorstellt, an das Gutachten heranzugehen. Darüber sei durchaus diskutiert worden, im Großen und Ganzen allerdings sei die Runde mit Dörrs Konzept einverstanden gewesen.

Damit die Beteiligten aber die Möglichkeit haben, sich mit dem Konzept vertrauter zu machen, hat das Landratsamt eine zweite Runde eingebaut. Bis Mitte Januar können alle Beteiligten sich mit Bedenken und Anregungen schriftlich direkt beim Gutachter melden. Dörr werde dies aufnehmen und in ein Endkonzept einarbeiten, das bei einem Treffen am 11. Februar in Grenzach-Wyhlen verabschiedet werden soll. "Alle Beteiligten waren sich einig, dann einen Knopf drauf zu machen, damit wir zügig beginnen können", sagte Lutz. Das Treffen soll in gleicher Zusammensetzung stattfinden.

Ein solches Nachhaltigkeitsgutachten stellt für die Altlastenspezialisten im Landratsamt nicht das gängige Vorgehen dar. Im Falle der Kesslergrube, die zur Sanierung in zwei Perimeter geteilt wurde und von zwei Unternehmen saniert werden soll, gab es zwei unterschiedliche Ansätze: Roche will seinen Verantwortungsbereich komplett ausheben, BASF plant die Einkapselung und Überdeckelung seines Bereichs der Grube. Das Landratsamt beschloss auch wegen aufkommender Diskussionen, die Umkapselung auf Nachhaltigkeit hin zu überprüfen in Hinsicht auf ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren.

"Wir erhoffen uns von dem Gutachten einen Hinweis, der uns Hilfe bezüglich der anstehenden Sanierungsentscheidung geben soll", drückt es Georg Lutz aus und betont damit die Entscheidungsgewalt der Behörde. Man hatte in der Diskussion immer darauf hingewiesen, dass die von BASF geplante Einkapselung sachlich in Ordnung, ökologisch verträglich und genehmigungsfähig sei. Mit einem Nachhaltigkeitsgutachten nutze man ein "bis jetzt ungewöhnliches, neues Element", um die letztliche Entscheidung abzusichern und auch "die zu beteiligen, die sich betroffen fühlen".

Auf Nachfrage der BZ, warum die Mitarbeitervertreter der BASF nicht dabei waren, sagte Georg Lutz, er habe im Vorfeld relativ ausführlich mit dem Betriebsratsvorsitzenden gesprochen und ihm mitteilen können, dass es keinen mittelbaren Bezug zu den Beschäftigten gebe. Darum seien die Betriebsräte nicht eingeladen gewesen.

Nach der Sitzung nahmen alle Beteiligten eine Ortsbesichtigung vor. "Für Dr. Dörr war es wichtig, einen Augenschein zu gewinnen", sagte Lutz. Er habe sich überrascht gezeigt über das Ausmaß der Bebauung durch die Kläranlage auf dem Sanierungsperimeter 2 der BASF. Die Aktion der Bürgerinitiative (siehe oben) habe man zur Kenntnis genommen.