Der Fels und der umgedrehte Eimer

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Fr, 20. Juni 2014

Grenzach-Wyhlen

BASF führt über den Perimeter 2 der Kesslergrube und stellt die Einkapselung als Sanierungsvariante vor.

GRENZACH-WYHLEN. BASF lässt die Bevölkerung hinter die Werktore blicken. Wer Fragen zur Sanierung des Perimeters 2 auf der Kesslergrube hat, kann sie deren Projektleiter Livio Ulmann und Werkleiter Bernd Brian persönlich stellen. Sie fahren mit ihm im Bus übers Werkgelände und geben vor Ort Auskunft. Bis September sind zwölf Rundgänge vorgesehen, der Erste am Donnerstag war mit zwölf Teilnehmern gut besucht. Die Gäste stellten kritische Fragen zur umstrittenen Einkapselung der Altlasten, die Gastgeber antworteten ausführlich und souverän.

Bernd Brian lacht kurz auf: "Jeder findet einen Termin, an dem ihn kein Spiel der Fußball-WM interessiert und er nicht im Urlaub ist." Schon begrüßt er den nächsten Besucher, der sich an der Pforte einfindet. Monatlich sind drei Rundgänge angesetzt. Claudia Schneider, die die Kommunikation der BASF in der Region leitet, versichert, selbst wenn nur ein oder zwei Interessierte sich anmelden würden, fände die Begehung statt.

Im Besucherraum bei der Pforte stellen Brian und Ulmann den zwölf Besuchern den Ablauf vor. Sie haben einen Bus gemietet. Er wartet schon auf der anderen Seite der Schranke und dient nicht nur der Bequemlichkeit. Wer dort drin sitzt, geht nicht verloren – und kann nichts anstellen. "Wir sind ein Chemiewerk", weist Brian auf die Sicherheitsvorkehrungen hin: Rauchen und Alkohol sind streng verboten, fotografieren dürfen nur Anna-Maria Heinstein von der Standortkommunikation und mit Sondergenehmigung der BZ-Redakteur. Die Instruktion für einen Alarmfall garniert Brian süffisant und erntet dafür heiteres Lachen: "Eine Betriebsstörung ist nicht geplant."

Ulmann hebt gleich ihre Bereitwilligkeit hervor: Er fordert auf, mit Fragen nicht hinterm Berg zu halten. "Wir versuchen, alle zu beantworten." Sollte das nicht gelingen, können die Besucher ihr Anliegen auf einer Postkarte notieren und abgeben. Ein Fachmann werde ihnen antworten. Den Perimeter 2 auf dem großen Foto an der Wand zu erkennen, ist schwierig. Gebäude, die längst nicht mehr stehen, verdecken die Sicht darauf.

"Erst nach der Säule rechts." Brian beschreibt dem Busfahrer den Weg zum ersten Halt. Es geht vorbei an Produktionsstätten und Lagern bis ins Zentrum der Produktion. Draußen stehen Schilder mit Informationen über die Sanierung, die Besucher scharen sich darum und hören aufmerksam zu. Ein ehemaliger Azubi bei BASF erkennt an der Wand ein Warnschild, an dem ein Stück abgebrochen ist. "Das macht keinen guten Eindruck", sagt er und runzelt die Stirn.

Derweil beschreibt Brian den Innovations- und Produktionsstandort, in den BASF in den vergangenen drei Jahren 10 Millionen Euro investierte. "Wie sieht der Boden hier aus nach 100 Jahren Chemie?" Besucher Erwin Brunn bestätigt Brian: Als er 1940 zwei Lkw-Ladungen Kies hier abholte, war dieser absolut sauber. Das ist überraschend: Ein Zeitzeuge berichtet aus erster Hand.

Der Bus lässt zwei der früher vier oder fünf Tanklager rechts liegen, bevor er an der Kläranlage hält, am südöstlichen Ende des Perimeters 2. Es riecht faul, und die Fragen werden kritischer. Wer brachte was wann hierher? Wie oft gibt es Pegelmessungen? Weist man alle schädlichen Stoffe im Boden nach oder nur die, nach denen man sucht?

Boris Krause vom Nabu und BUND beharrt höflich darauf: "Es ist unmöglich, alles festzustellen." Er weist auf eine Doku von Greenpeace Basel über den Inhalt im Boden hin. Ulmann: "Die Stoffe widerspiegeln das Produktionsprogramm unserer Großväter. Ich finde es nicht richtig, zu kritisieren, was vor 50 Jahren gemacht wurde." Die Kläranlage ist von 1972, "vorher lief das alles in den Rhein".

An Station 3 wird es keine politische Diskussion geben, trotz Krauses Hinweise auf das Erdbebenrisiko, den Muschelkalk im Boden und das Sanierungsverfahren: "Einkapselung ist der korrekte Begriff, ich weiß. Aber das ist nur eine virtuelle Kapsel, eigentlich ist es ein umgedrehter Eimer auf einem Fels."

Im Bus vor der Rückfahrt an die Pforte ermuntert ein Mann: "Schreiben Sie was Positives über BASF, Grenzach-Wyhlen braucht die Industrie." Wieder am Eingangstor angekommen, lächelt Brian wieder, diesmal mit einem Blick auf die Karte in seiner Hand: Sein Schweizer Werksausweis öffnet die Schranke nicht. Heinstein hilft aus, die Schranke hebt sich. Der Auftakt der öffentlichen Begehung ist gelungen. Alle sind damit zufrieden.

Die Anmeldung zu den Rundgängen erfolgt im Internet unter der Adresse http://www.kesslergrube.de