Der Pfarrer, bei dem Honeckers wohnten

Katharina Utz, LMG-Referendarin

Von Katharina Utz & LMG-Referendarin

Mi, 13. Juli 2016

Grenzach-Wyhlen

Uwe Holmer sprach vor der Klassenstufe 10 des Lise-Meitner-Gymnasiums zum Thema Vergebung.

GRENZACH-WYHLEN. Am 7. Juli sprach Pfarrer Uwe Holmer vor der Klassenstufe 10 des Lise-Meitner-Gymnasiums als Abschluss der Unterrichtseinheit Bergpredigt zum Thema Vergebung. Ebenso ist er ein Zeitzeuge der NS-Zeit und der DDR. Zu Beginn schilderte er seine begeisterte Teilnahme an der Hitlerjugend und den dann mit den Judenverfolgungen aufkommenden Gewissenskonflikten. Er erzählte über sein Leben als Landpastor in Mecklenburg in der DDR mit Planwirtschaft und Stasibespitzelung. Durch die kirchliche Arbeit, die Ablehnung des Wehrkundeunterrichts an den Schulen und der Auflehnung gegen die Enteignung der Bauern geriet er beispielsweise immer wieder in Konflikt mit dem Staat. Seine Kinder durften nicht studieren und sein Vater musste nach Westdeutschland fliehen. Ab 1983 leitete er die Hoffnungstaler Anstalten Lobetal. Nach dem Mauerfall wurde 1990 die Funktionärssiedlung Wandlitz, in welcher Honeckers wohnten, aufgelöst. Honeckers lehnten die darauf angebotene Wohnung in Berlin aus Angst vor dem aufgebrachten Volk ab. Deshalb wurde Pastor Holmer angefragt, ob er Erich Honecker und seine Frau Margot aufnehmen könne. Nach Beratung mit seiner Frau und den Mitarbeitern von Lobetal fasste Pastor Holmer den Entschluss, die Honeckers bei sich wohnen zu lassen. Während den darauffolgenden zehn Wochen erlebte er das Ehepaar als höflich und dankbar, betonte jedoch, dass sie bis zu ihrem Lebensende überzeugt vom Sozialismus und sich keiner Schuld bewusst waren. Nicht immer bekam Uwe Holmer Zustimmung für seine Entscheidung, doch für ihn und seine Frau war klar, dass ein Neuanfang nur durch Vergebung möglich ist. Denn "Vergebung ist der Schlüssel zum Handeln und zur Freiheit." (Hannah Arendt). Abschließend konnten die Schüler dem Zeitzeugen noch eigene Fragen stellen.