Infoabend zur Zimmermann-Ansiedlung

Die Ansiedlung bewegt viele Bürger

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Di, 18. Dezember 2012 um 14:27 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Die Veranstaltung zur Zimmermann-Ansiedlung am Montag bewegte die Massen ins Haus der Begegnung. Vertreter der Verwaltung und des Unternehmens sprachen vor vollbesetztem Saal. Die Atmosphäre blieb überwiegend sachlich.

GRENZACH-WYHLEN. Zunächst hielt Bauamtsleiterin Monika Neuhöfer-Avdic einen Vortrag über die Rahmenplanung für die Industriegelände und die Visionen für die Zukunft, die nicht im nächsten Flächennutzungsplan abgebildet werden könnten, da dieser nur etwa einen Zeitraum von 15 Jahren abdeckt. Im Anschluss stellte Jörg Wellenbüscher, Technischer Leiter der Zimmermann-Gruppe aus Gütersloh das Unternehmen und dessen Vorhaben in Grenzach vor, dann begann eine ausgiebige Fragerunde, bei der viele Themen angesprochen wurden.

Welcher Müll kommt?
Wellenbüscher hatte bereits in seinem Vortrag klargestellt, dass Juristen zwischen nichtgefährlichen und gefährlichen Abfällen unterscheiden. Allerdings gebe es auch bei den gefährlichen Abfällen qualitative Unterschiede. Das, was man allgemein als Giftmüll verstehe, würde definitiv nicht in Grenzach recyclet. Dies tue man in Gütersloh. Vornehmlich sollen im Bereich der flüssigen Stoffe Farbschlämme, Schmierstoffe, Ölabscheider, Säuren und Laugen, Leim- und Klebmittel und Galvanikabwässer entsorgt werden. Bei den Feststoffen sind sogenannte Filterkuchen aus der Reinigung von Trinkwasser vorgesehen, ebenso Schlämme und Aschen. "Giftmüll hat mit dem, was wir in Grenzach machen, nichts zu tun", sagte er klar.

Welche Mengen kommen?
Beantragt wurden der Bau und Betrieb einer Anlage zur Behandlung von bis zu 80 000 Tonnen Feststoffen und 60 000 Tonnen flüssigen Abfällen pro Jahr. Wellenbüscher betonte, man schätze das Marktpotenzial im Flüssigbereich auf 45 000 Tonnen pro Jahr. Die Werte würden ohnehin erst nach rund vier Jahren erreicht werden. Sorgen von Bürgern waren, dass Zimmermann auf einer Optionsfläche ein zweites Werk bauen könnte. Diese Optionsflächen bestünden, aber auch dort sei keine Behandlung von sehr gefährlichen Stoffen geplant. Man habe es unter Option genommen, weil das jetzt geplante Werk eine Bahnanbindung brauche, das direkt angrenzende Grundstück aber zu klein für die Anlage sei. Diese wird etwa 40 mal 70 Meter messen und über einen 40 Meter hohen Schornstein verfügen. Dieser sei nur deshalb so hoch vorgesehen, weil er gesetzlich höher als Umgebungsbauten sein müsse, also höher als das BASF-Verwaltungsgebäude.

Wie kommt der Abfall?
Das war ein Punkt, der viele Bürger beschäftigte. Die Sorge vor verstärkter Verkehrsbelastung mit LKW, die mit gefährlichen Stoffen beladen seien, kam in der Diskussion mehrfach auf. Sollte nach den vier Jahren alles per LKW transportiert werden, so Volker Bischof vom Ingenieurbüro Roth und Partner, handele es sich um täglich maximal 40 LKW. Bürger rechneten gleich vor, dass es dann 80 Fahrten seien, hin und zurück. Allerdings hatte bereits im Vorfeld das Unternehmen angesprochen, dass sie den Transport über den Bahnanschluss bevorzugen würden. Ein Kunde, so Inhaber Gerhard Zimmermann, habe bereits angemeldet, per Bahn beliefert zu werden. Das würde die Zahl der LKW natürlich verringern. Auch per Schiff könne man sich Transport vorstellen. Die Gespräche mit der Bahn seien bereits geführt. Die Logistik würde man selbst vornehmen.

Woher kommen die Stoffe?
"Wir bauen hier, um Baden-Württemberg zu entsorgen", sagte Gerhard Zimmermann. Viele Bürger fragten, warum man dann ausgerechnet an den südlichsten Zipfel des Landes ziehen müsse. Zimmermann betonte, dass die Lage im Rheintal gut sei und es schwierig sei, geeignete Industrieareale zu finden. Material aus der Schweiz anzunehmen sei rechtlich schwierig, aber nicht ausgeschlossen. Würde ein Schweizer Kunde es wünschen, würde man sich dem nicht verschließen. Vorrangig gehe es aber um Material aus Baden-Württemberg, wobei viel aus der Umgebung stammen würde. Dennoch herrschte bei den Wortmeldungen der Tenor, den ein Bürger ausdrückte mit den Worten "Wir haben nichts gegen die Firma Zimmermann, aber der Standort ist falsch."

Welches Risiko besteht?
Aus dem Publikum kamen Fragen zu Störfallrisiken. Etwa ging es auch darum, ob Wasserstoff entstehen und es durch einen Funken zur Explosion kommen könne. Diesen Punkt hatte auch Peter Donath bereits dem Regierungspräsidium als offene Frage berichtet. Wellenbüscher beruhigte, dass in den eigenen Anlagen noch nie Wasserstoff entstanden sei. Zudem würden trotzdem Detektoren eingebaut, die bei einer Entstehung von Wasserstoff noch lange vor einem kritischen Wert dafür sorgen würden, dass der Prozess abgeschaltet werde. Alle Prozesse würden dazu im Vorfeld unter Laborbedingungen getestet. Auch ansonsten ist zu sagen, dass es bislang keinerlei Störfälle beim Unternehmen gab. Zudem sei vorgeschrieben, dass der Antrag von mehreren Gutachtern überprüft werden musste, bevor er gestellt werden konnte. Alle Überprüfungen hätten ergeben, dass die Anlage genehmigungsfähig sei.

Was kommt für die Gemeinde?
Auf die Fragen eines Bürgers, die auf das Gewerbesteueraufkommen abzielten, sagte Gerhard Zimmermann, die Gewinne würden nicht abgezogen und auch nicht durch Lizenzsysteme transferiert. "Die Gewinne werden hier versteuert", sagte er. Sie würden auch in Grenzach investiert. Sein Sohn, David Zimmermann, werde auch nach Grenzach-Wyhlen ziehen und die Anlage mitleiten.

Wie geht es weiter?
Bürgermeister Jörg Lutz fasste zusammen, dass es um eine grundsätzliche Entscheidung geht, die am Folgetag im Gemeinderat zu beschließen sei. Wolle man weiter Industrie und Arbeitsplätze oder stelle man sich gegen die Ansiedlung, was nur über eine Veränderungssperre über das gesamte Industrieareal möglich wäre, die auch die Ansiedlung anderer Firmen verhindere. Die Infrastruktur Grenzach-Wyhlens sei so nur mit den Einnahmen aus der Gewerbesteuer möglich. Stimme man für die Zimmermann-Ansiedlung würde das Verfahren seinen normalen Gang weiterlaufen. Auch würde die Unterzeichnung des Rahmenvertrags mit der Industrie folgen, in dem unter anderem festgehalten werden soll, dass keine weiteren Entsorgungsbetriebe nachkommen. Einen Bürgervorschlag, doch die Bevölkerung zu befragen, bezeichnete Lutz als "interessant". Dies könne man im Gemeinderat diskutieren. Dieser findet am Dienstag, 18. Dezember, von 18.30 Uhr an im Haus der Begegnung statt.