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22. Oktober 2015

Die BI ist jetzt ein Verein

Zukunftsforum hat seine Vereinsgründung gefeiert / Zielsetzung: "Kein Sondermüll-City".

  1. Der Vorstand des Vereins „Bürgerinitiative Zukunftsforum“ (von links): Daniel Kühn, Yvonne Weber, Manfred Mutter, Thomas Dix und Günter Holl Foto: Boris Burkhardt

  2. Rudis Band sorgte nach dem offiziellen Teil für Stimmung. Foto: Boris Burkhardt

GRENZACH-WYHLEN. Wird Grenzach-Wyhlen zum "Innovationspark" oder zu "Sondermüll City"? Diese plakative Alternative ist die Quintessenz dessen, was die Bürger antreibt, die am Dienstag bei einem Festakt im evangelischen Gemeindehaus Grenzach die Vereinswerdung der "Bürgerinitiative Zukunftsforum" feierten. Vorrangiges Ziel des neuen Vereins ist es, die Ansiedlung der Chemierecyclings-Firma Zimmermann auf dem BASF-Areal zu verhindern. Zudem soll die BASF ihren Teil der Kesslergrube ebenso nachhaltig sanieren wie die Roche ihren Anteil.

"Um als Bürger längerfristige und komplexe Themen anzugehen, braucht es die Leistungsfähigkeit eines Vereins", erklärte der Vorsitzende Manfred Mutter die Notwendigkeit des Schrittes. Als Ziele setze sich der Verein "Projekte, die die nachhaltige Entwicklung gefährden, kritisch zu analysieren und der nicht-fachkundigen Bevölkerung bewusstzumachen." Chemieprofessor Mutter versicherte, dass die Forderungen des Zukunftsforums keineswegs gegen die Industrie gerichtet seien: "Ich habe die Chemie immer verteidigt, auch gegenüber ihren prinzipiellen Kritikern." Das Zukunftsforum ist außerdem gemeinsam mit den Arbeitgebern der Pharma- und Chemiebranche Mitglied in der "Initiative Chemie am Hochrhein".

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Er sei aber zu dem klaren Schluss gekommen, dass ein Sondermüllzentrum und eine kontaminierte Kesslergrube nicht mit einem zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort vereinbar seien. Dafür blickte Mutter ins Jahr 2020 voraus, wenn Roche ihren Totalaushub bereits beendet habe: "Die Sondermüllentsorgung ist dann vermutlich schon da. Die entscheidende Frage ist aber: Ist die BASF dann noch da?"

Das wäre für Mutter der schlimmste Fall: Wenn ein Sondermüllentsorger alleine auf dem Areal wäre, welche der boomenden Basler Life-Science-Firmen wollte sich dann noch in Grenzach ansiedeln? Mutter bezog sich damit auch auf das Referat, das zuvor der frühere Lörracher Wirtschaftsförderer Michael Bertram über die Chancen eines Strukturwandels gehalten hatte. Demnach sei Grenzach-Wyhlen Teil des weltweit bedeutenden Life-Science-Clusters Basel und habe als Standort eine hohe Akzeptanz in der Branche.

Dabei wies Mutter darauf hin, dass die Ansiedlung der Firma Zimmermann keineswegs so unabwendbar sei, wie diese selbst behaupte: Der Vorvertrag mit der BASF über eine Laufzeit von 35 Jahren sei kündbar. Bis Ende des Jahres werde das Regierungspräsidium Freiburg entscheiden, ob es die Einwendungen der Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung akzeptiere. Sollte das nicht der Fall sein, sei die Gemeinde offensichtlich bereit zu klagen. Bürgermeister Tobias Benz bekräftigte die gemeinsame Zielsetzung mit seiner Anwesenheit im Publikum.

Auch die Giftstoffe, die BASF mit der Einkapselung für 13 000 Jahre im Boden belassen wolle, minderten nachweisbar die Lebensqualität und die Immobilienwerte. Mutter hofft, dass die erfolgreiche Totalsanierung von Roche die BASF unter Druck setzen werde. Das Zukunftsforum werde jedenfalls auch in dieser Hinsicht den öffentlichen Druck in der Kreis- und Landespolitik aufrechterhalten: "Totalaushub und Einkapselung auf demselben Areal – das ist ein absoluter Präzedenzfall."

Zur Vereinsgründung gratulierten auch der BUND Grenzach-Wyhlen und Greenpeace Basel. Der Abend klang bei einem Apéro mit musikalischer Begleitung von "Rudis Band" mit Rudolf Wahl aus. Der Vorstand setzt sich neben Mutter aus Yvonne Weber (Zweite Vorsitzende), Daniel Kühn (Schriftführer) und Günter Holl (Kassierer) zusammen. Beisitzer sind Thomas Dix, Markus John, Carola Lambelet und Manuel Zissmann. Der Jahresbeitrag für Mitglieder beträgt 25 Euro.

Autor: Boris Burkhardt