Die Mutbürger erhalten Zuspruch

Heinz Vollmar

Von Heinz Vollmar

Mo, 25. Februar 2013

Grenzach-Wyhlen

Die erste Aktion der Bürgerinitiative Zukunftsforum gegen die Ansiedlung des Chemie-Entsorgers Zimmermann "in Zivil".

GRENZACH-WYHLEN. Mit mehreren Ständen in der Ortsmitte von Wyhlen und Grenzach präsentierte sich am Samstag die Bürgerinitiative Zukunftsforum Grenzach-Wyhlen mit Infomaterial und Gesprächen. Mit der Aktion wollte die BI Nachteile und Probleme aufzeigen, die gegen eine Ansiedlung des Entsorgerunternehmens Zimmermann auf dem BASF-Areal sprechen.

Die Mitstreiter der BI traten dabei ganz zivil in Straßenkleidung auf, es gab weder weiße Schutzanzüge noch "Giftmüllfässer", lediglich Blechtonnen wurden aufgestellt, wie sie aus dem Gebrauch der Chemie bekannt sind. Die waren plakatiert mit der Aussage: Sicher ohne Sondermüll. Wer die Anfangsbuchstaben von oben nach unten betrachtet, liest SOS.

Man wolle die Bürger der Doppelgemeinde nicht in weißen Schutzanzügen erschrecken, sondern mit sachlicher Information und im Gespräch auf die Gefahrenpotentiale aufmerksam machen, sollte Zimmermann kommen, lautete dazu die grundsätzliche Darstellung von Sprechern der Bürgerinitiative.

Eine kleine Provokation gab es aber doch: In Wyhlen kredenzte die BI den Standbesuchern neben leckeren Süßigkeiten auch einen ganz besonderen Zitronenkuchen, der mit einer "giftfarbenen" Lebensmittelfarbe zersetzt war, um zumindest im Kleinen die Bürger für Gefahren der Chemie zu sensibilisieren.

Nach ihren eigenen Angaben erfuhren die Mitglieder der Bürgerinitiative am Samstag bei ihrer Vormittagsaktion über 80 Prozent Zuspruch von Passanten, die sich aus allen Gesellschaftsschichten und allen Altersklassen zusammensetzen.

Die aktiven Mitglieder der Bürgerinitiative Zukunftsforum Grenzach-Wyhlen sehen sich keinesfalls in einer Rolle als reine Wutbürger. Sie betrachten sich vielmehr als "Mutbürger", die sich um die Zukunft der Doppelgemeinde Sorgen machen.

Thomas Dix von der Bürgerinitiative sprach am Stand in Grenzach von einer "Lüge", nachdem bekannt geworden sei, dass die Firma Blum GmbH aus Steinen den Transport der Materialien übernehmen solle. Bisher sei man aufgrund von Aussagen der Firma Zimmermann davon ausgegangen, dass die Firma Zimmermann selbst mit Spezialtransportern giftige oder recycelte Stoffe transportieren würde.

Stephan Maier, der für die BI mit an einem Stand in der Ortsmitte Wyhlen weilte, brachte den Tod eines Zimmermannmitarbeiters in Gütersloh in den Zusammenhang mit der "gefährlichen Tätigkeit" beim Recycler. Er wisse zwar nichts Näheres, sehe jedoch einen Zusammenhang und Pressemitteilungen würden dies bestätigen, so das Mitglied der Bürgerinitiative.

Yvonne Weber (BI) sprach sich für die Ansiedlung anderer Firmen auf einem noch zu entgiftenden BASF-Areal aus. Jetzt habe der Gemeinderat die vielleicht einmalige Chance, das BASF-Areal zu sanieren, um den Weg frei zu machen für eine zukunftssichere Nutzung. Die ursprüngliche Auskunft von Zimmermann, nahezu ausschließlich Chemikalien aus Deutschland in Grenzach zu recyceln, halte sie für unwahr. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass Zimmermann auch auf grenznahe schweizerische Chemieunternehmen setzen würde, die ein elementares Interesse daran hätten, ihre belasteten Abfälle in Grenzach behandeln zu lassen. Es sei kein Zufall aus ihrer Sicht, dass sich die Firma Grenzach für ihre Anlage ausgewählt hat: Vor Wochen habe auch Gerhard Zimmermann in der Basler Zeitung verlautbart, dass es für das Projekt eine genaue Analyse des Potentials in Baden-Württemberg und der Großregion Basel gegeben habe. Hier gehe es, so Yvonne Weber, um ein knallhartes Geschäft. Zimmermann gehe davon aus, dass die in der Schweiz ansässigen Chemieunternehmen ein großes Interesse an einer Sonderabfall-Entsorgungsanlage in Grenzach haben werden, was erheblichen Giftmülltourismus bedeuten würde.