Grenzach-Wyhlen

Ein Museum für den Emilienpark

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Mi, 07. Juni 2017 um 17:42 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Während des dreitägigen Konzertfestivals Klassikanderswo, das dieses Jahr vom 30. Juni bis 2. Juli im Emilienpark stattfindet, will Kurt Paulus das Quellenhäuschen möglichst dauerhaft zum Museum machen. Hier das Interview.

GRENZACH-WYHLEN. Kurt Paulus ist in der Gemeinde besonders mit seinem Zeitzeugenprojekt bekannt geworden. Schon im letzten Jahr hat er bei "Klassikanderswo" ein temporäres "Museum anderswo" eingerichtet. Während des dreitägigen Konzertfestivals, das dieses Jahr vom 30. Juni bis 2. Juli im Emilienpark stattfindet, will er das Quellenhäuschen möglichst dauerhaft zum Museum machen. Ralf Dorweiler sprach mit Kurt Paulus darüber.

BZ: Herr Paulus, was machen Sie dieses Jahr im Rahmen von "Klassikanderswo"?
Paulus: Von Anfang an begleite ich "Klassikanderswo" mit meinem Zeitzeugenprojekt, entweder mit Ausstellungen zu den Orten oder mit Beiträgen für das Begleitheft. Wir sind verbunden, aber "Museum anderswo" ist nicht gleich "Klassikanderswo". Darum schreibt es sich auch anders. Dieses Mal spielt das Konzert ja im Emilienpark. Das "Museum anderswo" findet im Quellenhäuschen statt. Dort finden die Besucher Poster mit Informationen zur spannenden Geschichte des Grenzacher Heilwassers und interessante Ausstellungsstücke. Zum Beispiel haben wir leere und auch volle alte Flaschen vom Wasser oder von den Limonaden. Aus Berlin habe ich eine große Kiste mit Wasserflaschen mit Strohmalotten bekommen.


BZ: Aus Berlin?
Paulus: Die Leute wurden über das Internet auf uns aufmerksam und haben uns die Holzkiste mit den ungeöffneten alten Flaschen geschickt. Der Großvater hatte diese aus Tschechien bezogen, weil er ein Fan des berühmten Grenzacher Wassers war. Dabei hat das sogenannte Heilwasser viel zu hohe Natriumwerte, was die Niere schädigen und den Blutdruck hochtreiben kann. Auch ein Grund, warum die Quelle letztlich geschlossen wurde.

BZ: Sie haben viel Neues über die Geschichte des Wassers herausgefunden?
Paulus: Besonders erwähnen will ich da Kerstin Brutschin, die in aufwändiger Arbeit in Archiven in Freiburg Fakten ausgegraben hat, die hier vor Ort selbst historischen Kennern nicht bekannt waren. Ich habe die in Altdeutscher Handschrift verfassten Faszikeltexte transferiert, sie hat sie ausgewertet und ziemlich viel herausgefunden über die verkrachten Existenzen, die den Emilienpark und die Quellen betrieben. Einer hat dem anderen im wörtlichen Sinne sogar "die Quelle abgegraben". Ich bin selbst auch noch am Aufarbeiten, denn Vieles ist noch verborgen. Aber die Geschichte über einen der Quellenbesitzer findet sich schon im Programmheft zu "Klassikanderswo".

BZ: Sie wollen die Ausstellung gerne im Quellenhäuschen fest installieren?
Paulus: Meine Vision ist, dass die Geschichte des für Grenzach sehr wichtigen Emilienbades dauerhaft der Bevölkerung im Quellenhaus zugänglich ist. Das kleine Gebäude sollte aber erweitert werden und durch einen Anbau im Stile der alten Trinkhalle neue Möglichkeiten der Nutzung eröffnen. Dieses Ensemble würde sich zu einem kleinen kulturellen Zentrum in Grenzach entwickeln. Hier sollte ein Raum für Ausstellungen, Vorträge, Kleinkunst, Sitzungen, Feiern und mehr entstehen. Wenn dann gegenüber noch im Rosengarten die Trotte eine Heimat bekommt, wäre das mit der Ausstellung und der Trinkhalle ein attraktives Ensemble. Ich habe diesbezüglich auch schon an Herrn Benz geschrieben. Als Name schwebt mir "Emilianum" vor. Der Name Emilienbad geht zurück auf Emil Schoch.

BZ: Neben dem "Museum anderswo" betreiben Sie noch eine zweite Ausstellung bei "Klassikanderswo". Wie kommt das?
Paulus: Das stimmt. Zusätzlich wird noch eine Ausstellung zu "120 Jahre Roche" in einem Zelt neben dem Quellenhäuschen aufgebaut. Roche ist die einzige Firma, die so lange in Grenzach-Wyhlen existiert. Wenn Roche nicht bei der Kesslergrube mit dem Totalaushub einen so großen Einsatz gezeigt hätte, hätte ich diese Ausstellung wohl nicht gemacht, aber so möchte ich das Bekenntnis zum Standort würdigen. Die Ausstellung wurde von mir in enger Kooperation mit der Roche organisiert. Ich konnte dafür auch in das Basler Roche-Archiv, was auch meinem Zeitzeugenprojekt zugutekommt. Für dieses beginne ich übrigens, mich nach einem Nachfolger umzusehen, den ich beizeiten einarbeiten möchte. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei mir melden!

Zur Person: Kurt Paulus, bald 70 Jahre alt, war Leiter der Mikroskopie bei Novartis und arbeitete vorher bei Ciba Geigy. Ursprünglich stammt er aus dem Saarland, hat in Mainz gelebt und 1979 angefangen, in der Schweiz zu arbeiten. Seit 1984 wohnt er in Grenzach-Wyhlen und seit 2011 sammelt er Zeitzeugenberichte über die Geschichte der Doppelgemeinde am Hochrhein.

Info zu "Klassikanderswo" und dem Zeitzeugenprojekt gibt es auf http://www.klassikanderswo.de http://www.zeitzeugengw.de