Ein Totalaushub ist nachhaltiger

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Do, 08. Mai 2014

Grenzach-Wyhlen

Gutachter Helmut Dörr stellt sein Nachhaltigkeitsgutachten in der öffentlichen Sitzung des Technischen Ausschusses vor.

GRENZACH-WYHLEN. Gutachter Helmut Dörr, der am Dienstag im Technischen Ausschuss die Ergebnisse der von ihm vorgenommenen vergleichenden Nachhaltigkeitsprüfung in Sachen Kesslergrube vorgenommen hat, spannte die Ausschussmitglieder und das reichlich erschienene Publikum nicht auf die Folter. Sehr schnell sagte er: "Die Variante Aushub ist nachhaltiger als die Variante Einkapselung". Dieser

klaren Aussage folgte Applaus aus den Reihen der Bürger.

Zwei Bereiche – zwei Sanierungen
Die Altlastenbehaftete Kesslergrube wird auf der in Verantwortung der Roche liegenden Bereich (Perimeter 1) komplett ausgehoben, die BASF möchte ihren Perimeter 2 einkapseln. Beide Methoden sind rechtlich zulässig. Viele Grenzach-Wyhlener wünschen aber auch einen Komplettaushub durch die BASF. Die Gemeinde, das Landratsamt und die BASF haben darum den Nachhaltigkeitsgutachter Helmut Dörr bestellt, um zu vergleichen, welche Methode nachhaltiger ist.

Die Kriterien
Es wurden 29 Kriterien aus den Kategorien "Umwelt und Ökologie", "Wirtschaft" und "Soziales und Gesellschaft" von allen Beteiligten zusammen mit der Bürgerinitiative Zukunftsforum erarbeitet und von Dörr bewertet. Pluspunkte gab es für die Variante, die einen geringeren negativen Einfluss heute und auf spätere Generationen ausübt.

Das Ergebnis
Bei 34 Prozent der Kriterien wurde der Totalaushub als nachhaltiger ermittelt, bei 24 Prozent erreichte die Einkapselung die besseren Ergebnisse. Bei 42 Prozent der Kriterien hat Dörr beide Varianten als gleichwertig festgestellt. In absoluten Zahlen erreichte der Totalaushub zehn Pluspunkte, während die Einkapselung sieben Pluspunkte erreichte. In den Kategorien "Umwelt/Ökologie" und "Soziales/Gesellschaft" lag der Aushub weit vor der Einkapselung. Anders im Bereich "Wirtschaft". Bei den dazu gehörenden Kategorien machte die Einkapselung das nachhaltigere Bild.

Erläuterungen
Helmut Dörr hat insgesamt rund 100 Seiten mit seinem Gutachten gefüllt, wie er am Rande erwähnte. In seiner Vorstellung fasste er sich allerdings kurz, nannte aber doch die Punkte, die für den Aushub und für die Einkapselung sprechen. Dabei führte er mehr positive Auswirkungen durch einen Totalaushub an als durch die Einkapselung.

Pro Totalaushub
Für den Aushub spreche etwa, dass sich die sanierte Fläche positiv auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung der Region auswirken könne, dass der Einfluss auf kommende Generationen minimiert sei, dass es keine Notwendigkeit für Nachbesserungen am Sanierungsbauwerk gebe oder dass die biologischen, chemischen und physikalischen Bodenfunktionen weitestgehend hergestellt würden, ebenso dass die chemische Zusammensetzung des Grundwassers einen natürlichen Zustand erreichen könne. Es gab noch weitere Punkte, die für den Totalaushub sprechen, etwa ein geringer Flächenverbrauch.

Pro Einkapselung
Durch eine sehr viel kürzere Sanierungszeit im Fall einer Einkapselung würden weniger Einflüsse auf Anwohner und Werksangehörige zukommen. Auch sei das Gemeindeleben insbesondere in den Bereichen Wohnen, Arbeiten und Freizeit weniger beeinflusst. Abschreibungen und Rückstellungen wegen würden wegen der geringeren Kosten der Einkapselung das Steueraufkommen weniger beeinflussen, etwa im Bereich Gewerbesteuer für die Gemeinde. Es entstünden weniger Emissionen durch Verkehr und es würde weniger Energie verbraucht. "Die direkten Sanierungskosten sind niedriger", so Dörr. Auch das spreche für die Einkapselung.

Robustheit der Ergebnisse
Dörr erklärte, dass er verschiedene Szenarien durchgespielt habe, um zu prüfen, ob das ermittelte Endergebnis auch Kritik standhalten könne. Im ersten Szenario ging er davon aus, dass als Extremfall ein Gutachter genau zu diametralen Kriterieneinschätzungen kommen könnte. In diesem Fall kam er auf 7 Pluspunkte für den Aushub und 7 für die Einkapselung. Szenario zwei betrachtete, dass nur die relevantesten Kriterien geprüft würden. Das Ergebnis fiel dafür 10 zu 7 für den Totalaushub aus. Im dritten Szenario wertete er Kriterien mit "beträchtlichen Unterschieden in der Nachhaltigkeit" doppelt. Das Ergebnis lautete 12 zu 9 Punkte für den Aushub. Und bei einem Langzeitszenario, das Auswirkungen auf kommende Generationen auf die nächsten Tausend Jahre berücksichtigte, erreichte der Aushub 12 und die Einkapselung 5 Punkte.

Dörr fasste zusammen: "Das Ergebnis der Nachhaltigkeitsbewertung für die Variante Aushub ist also als robust zu bezeichnen." Die BI entrollte zu diesem Zeitpunkt zwei Banner, die sich an BASF und an das Landratsamt als Entscheiderbehörde wandten. "Jetzt seid Ihr dran", hieß es darauf.