Eine Grube bewegt alle

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Di, 31. Dezember 2013

Grenzach-Wyhlen

Wie soll saniert werden? Bürger und Gemeinderat fordern Komplettaushub der Kesslergrube.

GRENZACH-WYHLEN. Vor einem Jahr krähte noch kein Hahn um die Kesslergrube, doch 2013 wurde mit der Konkretisierung der Sanierung die ehemalige inoffizielle Industrie- und Hausmülldeponie zum zentralen Thema, das Verwaltung, Gemeinderat, die Bürger, die Industrie und das Landratsamt gleichermaßen beschäftigte. Und dessen Verlauf größere Auswirkungen in die Zukunft haben kann.

Um die Aufregung um die Kesslergrube nachvollziehen zu können, muss man noch ein anderes Thema des Jahres betrachten: Zimmermann. Natürlich war der Ansiedlungswunsch des Chemierecyclers auch schon 2012 Thema des Jahres, doch 2013 kam es schließlich zur Entscheidung, die Gütersloher Gruppe nicht auf dem BASF-Areal zuzulassen, was der Gemeinderat nur durch eine Veränderungssperre erwirken konnte. Maßgeblich an der Meinungsbildung in der Gemeinde beteiligt war die BI Zukunftsforum, die mit diesem Namen auch anzeigen wollte, dass sie sich nicht nur die Verhinderung von Zimmermann auf die Fahnen geschrieben hatte. Auch bei anderen Themen, die die Zukunft Grenzach-Wyhlens betreffen, wollte man sich einmischen. Und diese Einmischung kam früher als gedacht.

Fast übergangslos konzentrierte die BI ihre Aufmerksamkeit auf die Kesslergrube, die unter Federführung des Landratsamts auf Kosten der Unternehmen saniert werden soll. Grund dafür war die unterschiedliche Form der Sanierung. Bekanntlich will Roche ihren Perimeter komplett ausheben, während die BASF den ihren umspunden und abdecken möchte. Beides sind durchaus gängige Verfahren bei einer Altlastensanierung (siehe auch Artikel unten) und beides wurde von der Altlastenbewertungskommission auch als rechtskonform gewertet.

Bei der BI spekulierte man aber, dass es der BASF nur darum gehe, Geld zu sparen. Das Unternehmen werde sich sowieso in Bälde aus Grenzach-Wyhlen verabschieden, so die Einschätzung der Experten des Zukunftsforums.

Während die BASF versuchte, durch Öffentlichkeitsarbeit den Groll abzuwenden, verabschiedete der Gemeinderat im Juli einstimmig eine Resolution, in der eine erneute Prüfung des nachhaltigsten Sanierungswegs gefordert wurde.

Ein Höhepunkt wurde am 17. Oktober erreicht. In einer Bürgerinformation ging es um die Sanierung, wobei Vertreter von BASF, Roche und deren Ingenieurbüros erklärten, wie man zur jeweiligen Methode gekommen war. Auch das Landratsamt informierte, dass es rechtlich nichts zu beanstanden gebe. Mit auf dem Podium saßen auch Vertreter der BI, die anzweifelten, dass eine Umspundung mehrere Jahrhunderte dicht bleiben würde. Da der Begriff "Nachhaltigkeit" immer wieder fiel, wurde die Beauftragung eines Nachhaltigkeitsgutachtens vorgestellt, bei dem alle Beteiligten gemeinsam die Kriterien erarbeiten sollten, nach denen an das Gutachten herangegangen wird.

Das Gutachten ist nun in Arbeit, gleichzeitig haben die Vorarbeiten zur Sanierung des Roche-Teils begonnen. Wie das Gutachten besonders für den BASF-Perimeter ausfällt, bleibt abzuwarten. Und auf welche Weise letztlich saniert wird, wird die Gemeinde wohl auch noch in den nächsten Jahren beschäftigen.

Den Unkenrufen zum Trotz, dass BASF den Standort verlassen wolle, gab das Unternehmen noch im Dezember bekannt, 40 Millionen Euro investieren zu wollen.

Die Fotos des Jahres aus Grenzach-Wyhlen finden Sie in einem Fotoalbum im Internet auf mehr.bz/grenzach-wyhlen2013