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20. September 2012

Eine US-Firma kauft Wetzel auf

Matthews International Corporation mit Sitz in Pittsburgh wird neuer Eigentümer der Wetzel-Gruppe.

  1. Für die Wetzel-Mitarbeiter soll sich nach dem Kauf durch Matthews zunächst nichts ändern. Foto: Maja Tolsdorf

GRENZACH-WYHLEN. Wie gestern Nachmittag bekannt wurde, hat ein amerikanisches Unternehmen die Firma Wetzel Holding mit Hauptsitz in Münchenstein und Produktionssitz in Grenzach-Wyhlen und in Polen gekauft. Nach Informationen des CEO der Wetzel-Gruppe, Martin Hellweg, sei dies eine "positive Nachricht", da die Zusammenlegung strategisch Sinn mache.

Das mittelständige Familienunternehmen Wetzel stellt Druck- und Gravurwalzen für den Druck von Verpackungen und Tapeten her. Weiterer großer Geschäftsbereich sind Prägewalzen für die Automobilindustrie. Das börsennotierte Unternehmen Matthews International Corporation mit Sitz im US-amerikanischen Pittsburgh, Pennsylvania, gehört in der gleichen Branche zu den drei weltweiten Marktführern. Zweites Standbein der US-Firma sind Produkte aus dem Bereich Bestattungswesen, die allerdings nahezu nur in den USA zum Tragen kommen.

Laut Martin Hellweg stehen durch den Verkauf keine konkreten Veränderungen für die Wetzel-Gruppe und deren Mitarbeiter an. "Im Moment ist die Firma so übernommen worden, wie sie ist", sagte er. Für die Mitarbeiter bestünden weiterhin die gültigen Arbeitsverträge. Man könne auch bei Übernahmen anderer Firmen durch Matthews sehen, dass oft die Namen der Firmen erhalten bleiben, die eher "unter ein Dach vereint" werden, als mit der Brechstange behandelt. "Matthews hat einen sehr guten Leumund, was Firmenübernahmen in seinen Betriebsverbund angeht."

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Bereits am Dienstag wurden in Deutschland die verbindlichen Kaufverträge unterzeichnet. Am gestrigen Mittwoch unterrichteten die beiden Eigentümer, Ulrich Wetzel und Detlev Liebschwager, die rund 200 Mitarbeiter in Grenzach-Wyhlen. Auch CEO Martin Hellweg informierte dort über die Zukunft. Die Nachricht sei von den Mitarbeitern "gut, ordentlich" aufgenommen worden. Natürlich wollten die Beschäftigten wissen, wie es in nächster Zeit weitergeht. Im BZ-Gespräch sagte Hellweg, dass die Mitarbeiter am Ende der Sitzung sogar applaudiert hätten, was der Lebensleistung von Ulrich Wetzel aber auch Detlev Liebschwager gegolten habe. Wetzel ist nahezu seit 60 Jahren im Betrieb.

"Es gibt einfache Verkäufe, aber auch strategische Zusammenlegungen, die Sinn machen", sagte Hellweg. Mit rund 400 Millionen Dollar Jahresumsatz im Bereich Marken-Lösungen (Brand-Solutions) ist Matthews rund achtmal so groß wie Wetzel und weltweit präsent. Dabei seien die Amerikaner auch in Bereichen stark, in denen Wetzel noch Nachholbedarf hatte. Man habe mit dem Zusammenschluss zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, würde also strategisch stärker dastehen und gleichzeitig sei die offenstehende Nachfolgefrage gelöst. Dabei sei die Wetzel-Gruppe aktuell sehr gut aufgestellt, so Hellweg. "Wir hatten fantastische Zeiten", sagte er. Im vergangenen Jahr erreichte das Unternehmen eine Kapitalrendite von 18 Prozent. "Die Firma ist gesund. Jetzt wurde eine langfristige Lösung gefunden."

Bevor der eigentliche Kaufvollzug stattfinden kann, ist zunächst einmal das Kartellamt am Zug, um zu prüfen, ob es zu einer unerlaubten Marktbeherrschung kommen könne. Hellweg sieht, dass Matthews und Wetzel sicherlich eine Qualitätsführerschaft annehmen würden, es gebe aber genug Firmen in der Branche, so dass keine Marktbeherrschung entstünde. Sieht das Kartellamt das genauso, könnte das Geschäft "in ein paar Wochen oder wenigen Monaten" über die Bühne gehen. Martin Hellweg wird mit Aglaia Lüthy und Detlev Liebschwager weiterhin das Führungsteam bilden.

Autor: Ralf H. Dorweiler