Fachplaner setzen dem Bebauungsplan seine Grenzen

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Do, 21. Mai 2015

Grenzach-Wyhlen

Ein von einem Gewerbegebiet umgebener industrieller Kern ist die Grundidee für die Überplanung des BASF-Areals.

GRENZACH-WYHLEN (dor). Obwohl schon zwei Jahre der Veränderungssperre vorbei sind, befindet man sich noch in einem frühen Stadium der Bebauungsplanung "Rheinvorland West". Der überraschende Tod von Stadtplaner Andreas Schütz und der Weggang von Jörg Lutz nach Lörrach und Suche nach einem neuen Bürgermeister, verzögerten die Planung. Die Veränderungssperre besagt, dass auf dem Areal keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Dies konnte um ein Jahr verlängert werden. Nun stellte die Gemeinde mit Fachplanern den Vorentwurf der Öffentlichkeit und bereits am Nachmittag den Behörden und Trägern öffentlicher Belange (TÖB) vor.

Das 32 Hektar große BASF-Areal direkt am Rhein wird ohne den Bereich der Kesslergrube überplant. Schon in ganz frühen Stadien der Planung war es der Gemeinde wichtig, einen Grünstreifen entlang des Rheins zu haben, den Bürger nutzen können. Zudem sollte ein Grünkorridor den Zugang zu Rhein vom Ortszentrum aus ermöglichen. Beide Wünsche wurden in die Planung eingearbeitet.

Wichtiger Punkt, so der Stadtplaner Gerd Baldauf, sei die Erschließung auf dem Gelände. Mögliche Straßen wurden über einem unterirdischen Kanalnetz geplant. Aus den rechtlichen Flächen ergaben sich mögliche Baufenster. Dabei möchte man im Zentrum des Areals natürlich die bestehenden BASF-Anlagen erhalten und plant dort ein eingeschränktes Industriegebiet. Um diesen Bereich herum ist Gewerbe geplant und ganz im Norden entlang der Bahnstrecke und der planfestgestellten B34 neu würde ein eingeschränktes Gewerbegebiet erlaubt, das besonders emissionsarme Gewerbeansiedlungen ermöglichen würde. Dieses wäre Puffer zu den Wohnbebauungen, die natürlich ebenfalls Rechte haben, die in der Bebauungsplanung berücksichtigt werden mussten. Über solche Vorgaben, auf die die Gemeinde keine Einflussnahme hat, berichteten die Fachgutachter.

Heiko Müller-Stiess (Oeko-Log) untersuchte das Areal auf geschützte Arten. Ein Turmfalke, eine Dachsfamilie, Fledermäuse und wenige Reptilien würden zu keinen größeren Einschränkungen führen. Anna Pohla (Kamm&Pohla) stellte den Umweltbericht vor. "Es gibt keine natürlichen Bodenverhältnisse", sagte sei. Man müsse bei der Einrichtung eines Grünkorridors darauf achten, keinen Boden über Altlasten zu entsiegeln, weil sonst durch Regen Belastungen ausgewaschen werden könnten.

Einen sehr großen Einfluss auf die Vorarbeiten zum Bebauungsplan hatte Lärmgutachter Frank Dröscher. Zwanzig Wohngebäude grenzen an das Areal an. Man musste schauen, dass mögliche Ansiedlungen von Betrieben in deren Nähe nicht zu Konflikten mit der Lärmschutzverordnung führen könnte. Sehr ausführlich und im Fachjargon erklärte er auch Auswirkungen von Luftemissionen und der Störfallradien. Christian Pape (Praxl & Pape) zeigte auf, dass das Gebiet gut über die Umgehungsstraße angebunden werden könnte.

Im Verfahren, so Stadtplaner Baldauf, informiere man aktuell frühzeitig die Behörden und Bürger. Anregungen werden in einen Bebauungsplanentwurf eingearbeitet. Der Gemeinderat muss dann die Offenlegung beschließen, während der Bürger, Organisationen und Behörden erneut Kommentare abgeben können. Erst danach kann der Gemeinderat einen Bebauungsplan nach Abwägung der Interessen aller Beteiligter beschließen.