Gelungene Zeitreise mit Wow-Faktor

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Sa, 25. Juli 2015

Grenzach-Wyhlen

WIE WAR’S BEI der Premiere von Swinging St. Pauli der Musical-Company des Lise-Meitner-Gymnasiums?.

GRENZACH-WYHLEN. Die Erwartungen an die Musical-Produktion "Swinging St. Pauli", die im Vorfeld aufgebaut wurden, waren hoch. Projektleiter Thomas Vogt hatte oft den "professionellen Anspruch" betont, der weit über das normale Schultheater hinaus ginge. Konnte die Premiere halten, was versprochen worden war?

Die Geschichte
In einer Hamburger Bar 1941 treffen sich "Swingboys" und "Swingbabies", um ihrer Leidenschaft, dem Swingtanzen, zu frönen und dem Disziplinierungsdruck der "Hitlerjugend" und des "Bunds Deutscher Mädchen" für ein paar Stunden zu entkommen. Die Bitte eines jüdischen Mädchens, ihr bei der Flucht zu helfen, bringt einiges in Bewegung. Das Original-Musical von Martin Lingnau haben die Gymnasiasten in eine selbstentwickelte Rahmenhandlung eingebettet. Mit ihr stellen sie den Bezug zur heutigen Zeit dar und nähern sich den Geschehnissen der Nazi-Zeit über die Familiengeschichte von "Marie" (Sontraud Wolf). Die Rahmenhandlung zeugt von intensiver Auseinandersetzung mit der Geschichte, nimmt sich jedoch selbst etwas von ihrer eigentlichen Stärke durch die mitunter moralisierende Art.

Die Schauspieler
Schauspielerisch wirken besonders die Hauptrollen echt und durchdrungen. Stellvertretend für die gesamte Mannschaft sind Andreas Walter, Nepomuk Kindermann, Fabian Fellmann, Robin Wolf, Francesca Hoffmeier, Lena Kreutler und Manuela Schrader zu nennen. Vom sonst häufig übertrieben betonten Gestus des Schultheaters ist hier nichts zu sehen und zu hören. Stattdessen sind die Schauspieler für die Dauer der Aufführung von in ihrer Rolle ausgefüllt. Sie agieren authentisch, transportieren Emotionen glaubwürdig, sprechen und handeln natürlich. Die NS-Schärgen (Philipp Maier, Benedict Osterath) erzeugen Beklemmung, die Swing-Jugendlichen vermitteln Jugendlichkeit, aber auch die Konflikte der Zeit. Bühnenkunst ohne die Künstlichkeit einer gewollten Inszenierung.

Tanz und Gesang
Wow! Es ist beeindruckend, wie ausdrucksstark, synchron und dynamisch die Jugendlichen die anspruchsvollen Choreografien von Kathy Dehn umsetzen. Spaß am Leben und am Miteinander, Unbeschwertheit und lebhaft swingende Jugendlichkeit finden einen tänzerischen Ausdruck. Wirklich grandios. Natürlich und locker klingt auch der Gesang, so als würden die Schüler auch sonst immer singend auf der Bühne stehen. Souverän und gelassen agieren die Sänger vor Hunderten im Publikum. Erstaunlich, wie viele tolle Stimmen es in der Gemeinde gibt.



Bühnenbild, Licht und Ton
Das Bühnenbild-Konzept von Yohanna Vogt ist genial. Es ist flexibel, sodass die Umbauten schnell und unauffällig über die Bühne gehen. Es nimmt die Zuschauer mit in die 40er Jahre und versetzt sie in die Swing-Bar im Hamburger Szeneviertel, in der ein Großteil der Handlung spielt. Dass beim Licht- (Markus Bönzli) und Tonkonzept (Thomas Sänger) zwei Experten ihre Finger im Spiel hatten, merkt man. Die stimmungsvolle Ausleuchtung lenkt die Blicke, setzt immer die gerade wichtigen Akzente und schafft Atmosphäre.

Die Illusion
Dass man sich in eine andere Zeit versetzt fühlt, hat auch mit den Kostümen zu tun, mit den schönen Kleidern der Mädchen ebenso wie den obligatorischen Hosenträgern der Jungen. Auch olfaktorisch wird die Illusion genährt, man befände sich in einer von Zigarren verqualmten Hamburger Kiez-Bar. Für die imaginäre Zeitreise ganz wichtig ist natürlich auch die Profi-Band, der locker und leicht die akustische Inszenierung der Zeit gelingt.



Fazit
Nahe dran am Gesamtkunstwerk ist diese gelungene Inszenierung, die fast vergessen lässt, dass es ein Schulmusical ist. Ein Abend, der in Erinnerung bleiben wird und eine Inszenierung, die unter den Schulmusicals ihresgleichen lange suchen muss. Professionell? Professionell! Applaus und Jubel ohne Ende.

Ein Fotoalbum von der Premiere finden Sie im Internet auf http://mehr.bz/lmg-musical